SAC

Er ist ein Pendler zwischen Berg und Büro

Ist am Sonntagabend gerne «uf de Schnorre»: Heinz Frei.

Ist am Sonntagabend gerne «uf de Schnorre»: Heinz Frei.

Alpinismus liegt im Trend: Der Schweizer Alpen-Club wächst und wächst.Jetzt wurde mit Heinz Freiein Aargauer in den Zentralvorstand gewählt. Ein Porträt

Der Uetlihof, das grösste Verwaltungsgebäude der Schweiz, gelegen am Rand von Zürich, ist eine Stadt in der Stadt: Die Credit Suisse beschäftigt hier 8000 Mitarbeitende, es gibt Restaurants, eine Bar, Verpflegungsstände auf den Etagen, Fitnessstudios, Physiotherapie. Vor dem Haupteingang sprinten zwei Bankerinnen mit dem Rollkoffer zum Tram.

Andere stehen in der Sonne, telefonieren, rauchen. Der Uetlihof ist Arbeitsort von Heinz Frei, 60, Untersiggenthal, einst Banklehrling bei der NAB, heute Vice President Global Print Center bei der CS.

Aber auch: Präsident der SAC-Sektion Brugg und seit Ende Juni Mitglied des Zentralvorstands des Schweizer Alpen-Clubs. Sein Arbeitsplatz befindet sich nicht hoch über dem Boden, sondern in einem der zwölf Geschosse, die in die ausgediente Lehmgrube hineingebaut wurden.

Wie geht es an diesem Ort einem Alpinisten, der sagt, er gehe mit seiner Frau jedes Wochenende in die Berge («Wir fragen uns eigentlich nie, ob wir gehen oder nicht – sondern nur wohin»)?

Einem Banker, der an diesem Nachmittag von Kollegen kritisch gemustert wird, weil er keinen Veston, kein unifarbenes Hemd oder Poloshirt, sondern für ein Foto das karierte SAC-Hemd und sein Vorstandsgilet trägt? Frei lächelt und sagt: «Sie können jeden Tag über die Vorteile oder jeden Tag über die Nachteile nachdenken. Ich habe mich für die Vorteile entschieden.»

Zwar habe er jetzt einen längeren Arbeitsweg als vor 18 Jahren, wo er bei der Neuen Aargauer Bank «quasi vor der Haustür» das Rechencenter geleitet hatte. «Dafür nehme ich jetzt die Probleme nicht mehr mit nach Hause.»

Gegen Bergführer bestanden

Seit 38 Jahren ist Frei Mitglied des SAC, mit seinen 111 Sektionen der viertgrösste Verein der Schweiz. Seit 25 Jahren engagiert er sich im Vorstand der Sektion Brugg. Zuerst war er für das Programm im Winter verantwortlich, dann für den Sommer, dann pausierte er – und kehrte als Präsident zurück. Mitte Juni wurde er nun von der nationalen Abgeordnetenversammlung in Brig in den Zentralvorstand gewählt. «Es war eine richtige Wahl», freut sich Frei, der im Wallis gegen einen Walliser Bergführer angetreten war. Mit seinen Vorstandskollegen wird er künftig die Strategie des SAC weiterentwickeln, «die Richtung vorgeben». Zudem ist er für den Bereich Hütten verantwortlich. Noch kennt er nicht alle Aufgaben bis ins Detail – was ihn aber nicht nervös macht. Früher habe er sich oft gefragt: «Kann ich das überhaupt?» Dann wurde er zum Leiter des Problem-Managements einer Informatikabteilung ernannt. «Mein Chef sagte mir: Manchmal ist es gut, wenn man nicht alles zu 100 Prozent versteht. Dann stellt man die richtigen Fragen.»

Risiko schmerzhaft erfahren

Der Alpinismus boomt in den letzten Jahren. Als Präsident der Brugger Sektion zählt Frei jedes Jahr zwischen 30 und 50 Neueintritte. Beliebt sind auch die SAC-Hütten. Immer mehr Alpinisten heisse zwar, dass der SAC mehr Übernachtungen habe, mehr Geld verdiene. «Es heisst aber auch, dass unsere Natur immer mehr beansprucht wird.» Weiterhin einen schonungsvollen Umgang mit ihr zu pflegen, sei enorm wichtig.

Mit der Zahl an Berggängern steigt zudem die Zahl der Bergunfälle. Ein Risiko, das er vor einem Jahr selbst schmerzhaft kennen lernen musste: Während er bei Ischgl eine Gruppe durch den Nebel zu einer Hütte leitete, brach unter ihm eine Wechte weg: Oberschenkel vierfach gebrochen, Achsel ausgehängt. Die Rega kam, im Churer Kantonsspital wurde operiert. Zur Physiotherapie konnte er im Uetlihof, fünf Minuten von seinem Bürotisch weg. Inzwischen ist Heinz Frei wieder gut auf den Beinen. So gut, dass er auch wieder in die Berge kann: Am Samstag steht die erste repräsentative Aufgabe als Zentralvorstand an. Die Geltenhütte über dem Lauenensee wird nach einem Umbau wiedereröffnet. Am häufigsten ist Frei in den Zentralschweizer Alpen unterwegs. Aber auch an Touren im Pamir-Gebirge oder in Marokko nahm er teil. Die Berge, die Wander-, Ski- und Klettertouren, sie sind für ihn «ein Teil des Lebens». Es gebe nichts Schöneres, als am Sonntagabend «uf de Schnorre» zu sein, am Montag bei der Arbeit immer noch etwas müde – und am Dienstag die nächste Tour zu planen.

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