Baden
Er ist Künstler, Zeichenlehrer, Pilzsammler und Koch

Christian Greutmann präsentiert seine Materialtüfteleien in der Galerie Anixis: darunter Gemüse und Früchte aus Kunstharz.

Ursula Burgherr
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«Urban Gardening» mal anders: Künstler Christian Greutmann stellt unter anderem auch Gemüse aus Kunstharz her. Alex Spichale

«Urban Gardening» mal anders: Künstler Christian Greutmann stellt unter anderem auch Gemüse aus Kunstharz her. Alex Spichale

Alex Spichale

Das Herzstück im Nussbaumer Atelier von Christian Greutmann ist ein Ibach-Flügel. «Ich spiele zur Entspannung gerne Mozart-Sonaten», sagt der gebürtige Zofinger mit Domizil in der Badener Altstadt. Ab 10. September präsentiert er seine neusten Bilder und Skulpturen zusammen mit Werken von Peter Haller und Sarantis Gagas in der Galerie Anixis. Eyecatcher wird dabei die Installation «Urban Gardening» sein. Auf mannshohen Stelen prangen Früchte und Gemüse aus Kunstharz. Greutmann macht damit eine Reminiszenz an die Gebäude-Begrünung in modernen Grossstädten wie Singapur, die eine positive Wirkung auf das Klima und die Menschen hat.

Galerie Anixis

Die Werke von Christian Greutmann, Peter Haller und Sarantis Gagas sind vom 10. September bis 16. Oktober in der Galerie Anixis, Oberstadtstrasse 10 in Baden, zu bewundern. Öffnungszeiten Di/Mi und Fr/Sa 14 bis 18 Uhr. Vernissage: 9. September,
19 Uhr. Begegnung mit den Kunstschaffenden am 11. September und 16. Oktober (Finissage) jeweils 14 bis 17 Uhr. Am 13. September um 19 Uhr liest Christian Haller aus seinem neuen autobiografischen Roman «Die verborgenen Ufer». (UBU)

Der 52-Jährige ist ein Tüftler und experimentiert immer wieder mit neuen Materialien und Techniken. Aus einem 3-D-Druckerstift drückt er dreidimensionale Kunststofffäden heraus und büschelt sie auf der Leinwand zu luftigen Skulpturen. Oder er spritzt Heissleim in kaltes Wasser. Daraus entwickeln sich feine Netze, die an Wicken erinnern. Auf dem Tisch im Atelier liegen neben einem Sammelsurium von Farbtuben, Pinseln und Spachteln auch bunt schillernde Kristalle, die Greutmann aus Bismut hergestellt hat. Die Gussformen für seine Früchte und Gemüse aus Hasenleim legt er unter den Scanner und erschafft dadurch eigenwillige Bildwelten, die an Röntgenaufnahmen oder kosmische Welten erinnern.

Früher setzte er sich in seinen Arbeiten oft mit Themen wie Krieg und Tod auseinander. «Sowohl die Grossmutter als auch meine Mutter mussten vor den Russen und Nazis fliehen und verloren ihr ganzes Hab und Gut. Das hat unsere Familie geprägt», sagt der Kreative. Heute befasst er sich lieber mit chemischen Prozessen und optischen Phänomenen. Rund 50 Ausstellungen hat Greutmann schon gemacht – trotzdem sagt er: «Von der Kunst allein konnte und wollte ich nie leben.» Seit 1993 ist er Zeichnungslehrer an der Bezirksschule Wettingen und liebt seinen Beruf. Er gehört zudem zum Kuratorenteam des Trudelhauses in Baden. Vorgängig leitete er acht Jahre die Galerie Gluri-Suter-Huus in Wettingen. Zu seinem Weggang, über den verschiedene Gerüchte kursierten, meint er: «Ich hatte ein 20-Prozent-Pensum. Weil die Ausstellungen immer erfolgreicher wurden, nahm die Arbeit ständig zu. Am Schluss widmete ich 60 Prozent meiner Zeit der Galerie. Das war neben dem Beruf einfach zu viel.»

Christian Greutmann bezeichnet sich als ausgesprochen visuellen Menschen: «Schon als kleines Kind ging ich in den Wald, um die Umgebung zu beobachten und zu malen», erinnert er sich. Der Künstler ist auch ein leidenschaftlicher Pilzsammler und kocht hervorragend. Während seiner Ausbildung zum Zeichenlehrer war Greutmann insgesamt zwei Jahre als Koch tätig und arbeitete in einem renommierten Fischrestaurant am Zürichsee.