Mägenwil
Er ist Risikopatient – doch der Ammann hält an Gmeind fest: «Falls nötig, werden wir Masken verteilen»

Die meisten Gemeindeversammlungen im Bezirk Baden sind abgesagt – Mägenwil hält als eine der wenigen daran fest. Aus mehreren Gründen.

Andreas Fretz
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Ammann Marin Leuthard: «Das Leben muss auch mit Corona weitergehen.»

Ammann Marin Leuthard: «Das Leben muss auch mit Corona weitergehen.»

Alex Spichale (5.12.2019

In den ersten Apriltagen teilte eine Gemeinde nach der anderen mit, dass die nächste Gemeindeversammlung aufgrund der Coronapandemie ausfällt. Kurz zuvor, am 20. März, waren schweizweit Ansammlungen von mehr als fünf Personen verboten worden.

Auch der Kanton Aargau sah sich gezwungen, einzuschreiten: Er machte den Weg frei für eine Verschiebung der Sommergemeindeversammlung auf den Winter. So hielt der Regierungsrat im März fest: «Die Frist für die Genehmigung der Jahresrechnung wird bis zum 31. Dezember 2020 erstreckt. Damit wird es den Gemeinden ermöglicht, dieses Geschäft auf die Traktandenliste der nächsten ordentlichen Gemeindeversammlung zu setzen.»

Am 1. April 2020 erliess der Regierungsrat eine Sonderverordnung: Diese erlaubt es, dringende Geschäfte, die keinen Aufschub dulden, an die Urne statt vor die Gemeindeversammlung zu bringen. Verschiedene Gemeinden machen davon Gebrauch: Oberrohrdorf etwa bringt einen Verpflichtungskredit am 27. September an die Urne, Bellikon den Kredit für die Sammelstelle Rütimatt.

Von den 26 Gemeinden im Bezirk Baden gibt es aber auch eine Handvoll, welche die Sommergmeind – wenn auch verspätet – durchführen wollen: Ehrendingen, Ennetbaden, Freienwil, Gebenstorf, Würenlingen und Mägenwil. Trotz steigender Coronainfektionen, Ferienrückkehrern und Schulbeginn hält etwa der Gemeinderat Mägenwils bis heute eisern daran fest. «Die Gemeindeversammlung wird stattfinden, ausser neue Auflagen würden eine Durchführung verunmöglichen», sagt Ammann Marin Leuthard.

Mägenwil hält eisern am Datum für die Gmeind fest

Zwar teilte auch Mägenwil am 17. April mit, dass die Gmeind nicht wie vorgesehen am 3. Juni stattfinden wird. Aber statt die Traktande einfach auf die Wintergmeind zu verschieben, entschied sich der Gemeinderat, das Datum der Sommergmeind zu verschieben. Und zwar um knapp zwei Monate auf den 26. August.

Dies mag verwundern, denn einerseits hat Mägenwil keine dringenden Geschäfte, die nicht verschoben werden könnten. Andererseits war die Aula an der letzten Versammlung mit 154 Stimmberechtigten dicht gefüllt. Als 69-Jähriger gehört Marin Leuthard erst noch selbst zur Risikogruppe. Doch der Gemeindeammann sagt: «Ich habe keine persönlichen Bedenken. Das Leben muss auch mit Corona weitergehen.»

Keine Garantie, dass im Winter Gmeind möglich ist

Hinter dem Vorgehen stehen zwei Überlegungen. Einerseits ist es die Vielzahl an Traktanden. Und andererseits die Ungewissheit, ob im Dezember tatsächlich eine Wintergmeind stattfinden kann. «Wenn wir die Sommergmeind absagen und dann im Winter auch keine durchführen können, stapeln sich die Traktanden immer mehr», sagt Leuthard.

Dennoch kann einem Angst und Bange werden, wenn man an die Platzverhältnisse der letzten Mägenwiler Gemeindeversammlung denkt. «Statt in der Aula werden wir die diesjährige Sommergmeind erstmals in der neuen Doppelturnhalle durchführen», sagt Leuthard.

Diese bietet rund 1100 Quadratmeter Platz. Zudem sei nicht mit so vielen Teilnehmenden zu rechnen wie zuletzt. Die 154 vom vergangenen Dezember war aufgrund brisanter Traktanden eine aussergewöhnlich hohe Zahl. An der Sommergmeind vor einem Jahr nahmen bloss 68 Stimmberechtigte teil.

Der Wermutstropfen beim Blick zurück

Die Corona-Massnahmen werde man einhalten, verspricht Marin Leuthard. Falls bis Ende August eine Maskenpflicht gelten sollte, werde man am Eingang Masken verteilen. «Die Gemeinde hat Masken», versichert Leuthard. Und eine Liste aller Anwesenden sei an einer Gemeindeversammlung ohnehin gegeben. Zudem müssen Gegenstände wie Mikrofone nach jedem einzelnen Einsatz desinfiziert werden, schreibt der Kanton in einer Information an die Gemeinden.

Bei allem Optimismus bleibt ein Wermutstropfen: Rückblickend wäre es sicherer gewesen, die Sommergmeind an ihrem ursprünglichen Datum, dem 3. Juni, durchzuführen. Nie war die Zahl laborbestätigter Fälle in der Schweiz tiefer als in jener Woche.

Die täglichen Neuansteckungen lagen im tiefen zweistelligen Bereich, an einzelnen Tagen gar unter zehn. «Die damals geltenden Massnahmen hätten die Durchführung einer Gmeind allerdings nicht erlaubt», sagt Leuthard.

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