Baden
Er kennt die mächtigsten und dicksten Bäume der Stadt

Seit über 15 Jahren fotografiert Michel Brunner die imposantesten Bäume – sein Baumarchiv ist das Grösste in Europa. Einer der dicksten Bäume der Schweiz steht sogar in Baden.

Stefanie Suter
Merken
Drucken
Teilen
Michel Brunner steht neben einem Kolchischen Ahorn: Mit einem Umfang von 3,2 Metern gehört der 130-jährige Baum zu den dicksten seiner Art.

Michel Brunner steht neben einem Kolchischen Ahorn: Mit einem Umfang von 3,2 Metern gehört der 130-jährige Baum zu den dicksten seiner Art.

Die knorrigsten, höchsten und mächtigsten Bäume in Baden und der Region – Michel Brunner kennt sie alle: «Fast alle», korrigiert er, «es kann sein, dass irgendwo im Wald oder in einem privaten Park ein Baum steht, den ich noch nicht entdeckt habe und der alle Rekorde bricht.» Die imposantesten Bäume der Stadt könne man im Kurpark oder in der Parkanlage der Villa Boveri finden, erklärt der gelernte Grafiker. Seit über 15 Jahren fotografiert der 35-Jährige Bäume in ganz Europa.

21,5 Meter lange Äste

Alle Rekorde bricht ein Baum im Park der Villa Boveri: Die Atlaszeder ist mit über vier Meter Umfang vermutlich die dickste der Schweiz. Trotz Blitzeinschlag ist sie sehr vital. Einer der bedeutendsten Kolchischen Ahorne steht im Kurpark. Mit einem Umfang von über 3,2 Metern gehört der 130-jährige Baum zu den dicksten seiner Art. Im selben Park steht mit vier Meter Umfang eine der mächtigsten Schwarznussbäume. «Sie hat mit 33 Meter Durchmesser eine sehr breite Krone», erklärt Brunner. «Die Äste sind extrem breit. Der Längste misst 21,5 Meter.»

Unter der Linner-Linde werden auch heute noch Feste gefeiert
5 Bilder
Einer der Äste dieser Schwarznuss ist 21,5 Meter lang
Die Linner-Linde ist über 660 Jahre alt
Die Schwarznuss im Herbst
Der Kolnische Ahorn gehört zu den Dicksten der Schweiz

Unter der Linner-Linde werden auch heute noch Feste gefeiert

Stefanie Suter

Ein Baum, den Brunner besonders beeindruckt, steht auf dem Bözberg: die Linner-Linde. Sie hat elf Meter Umfang und ist rund 660 Jahre alt. «Die Legende besagt, dass das ganze Dorf 1349 an der Pest gestorben ist – bis auf wenige Menschen.» Zum Gedenken hätten sie die Linde gepflanzt.

Werden solche imposanten Bäume gefällt, kommt das für Brunner einem kulturellen Wertezerfall gleich: «Es ist sehr schade, wenn so mächtige Bäume wie der Trompetenbaum auf dem Kirchplatz in Baden gefällt werden müssen.» Dieser Baum sei krank gewesen – oft würden sie aber unnötig abgeholzt: Bei Bäumen, die innen hohl sind, befürchte man, dass sie umknicken könnten. «Aber ältere Bäume müssen innen hohl sein», erklärt er, «aus statischen Gründen – so wird der Baum leichter.»

Über 4000 Bäume hat Michel Brunner schon fotografiert und kartiert – einige davon präsentiert er am Mittwoch im «Roten Turm» in Baden. Das Ziel seiner 110-minütigen Bilderreise quer durch Europa: «Ich möchte, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer lernen, Bäume aus einer anderen Perspektive zu betrachten, und verstehen, wieso ein Baum so kurios gewachsen ist.»

Vortrag «Baumriesen Europas» Mi, 22. Januar, 20 Uhr, «Roter Turm», Baden; Eintritt: 25 Franken, AHV-/IV-Bezüger: 22 Franken, Studenten/Schüler: 18 Franken.

Falls Sie einen aussergewöhnlichen Baum entdecken – hier können Sie ihn melden: http://de.proarbore.com/#!/home