Niederrohrdorf
Er macht aus oft achtlos Weggeworfenem Kunst

Charly Aemmer aus Niederrohrdorf stellt seine Werke zurzeit noch im Egro-Areal aus.

Ursula Burgherr
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Charly Aemmer lacht, wenn das Motiv erst im zweiten Blick entdeckt wird. ubu

Charly Aemmer lacht, wenn das Motiv erst im zweiten Blick entdeckt wird. ubu

Flachmaler und Kunstmaler: Zwei Seelen wohnen ach in seiner Brust! Mit dem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe könnte man Charles Aemmer – genannt Charly – wohl am besten charakterisieren. Schon als Kindergartenkind träumte er davon, Kunstmaler zu werden. Die Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule Zürich bestand er später mit Bravour. «Aber mein Vater wollte, dass ich etwas ‹Anständiges› lerne. Weil ich Freude an Farben hatte, machte ich eine Malerlehre.»

Zum Malermeister avanciert, übernahm er als junger Spund ein Geschäft in Baden und machte es zu einem florierenden Unternehmen. Dieses Jahr feiert er sein 30-jähriges Bestehen. Die Kunst hat ihn trotzdem nie losgelassen. Die aktuelle Ausstellung in der Niederrohrdorfer Galerie im Egro-Park zeigt vor allem eines: Auf einen Stil festlegen, lässt sich Aemmer, der zusammen mit seiner Frau Lydia in Baldingen wohn, aber nicht.

Sammler und Wiederverwerter

Er ist ein Sammler. Hortet einfach alles, was ihm in die Hände kommt: Eisenabfälle, verbogene Löffel, abgebrochene Henkel, alte Schlüssel, leere Parfümfläschchen, vertrocknete Farbresten, Abstreifgitter aus der Malerwerkstatt usw. Oft achtlos weggeworfenes Material finden in seinen Collagen zu neuer Wertigkeit.

So wird aus Metallteilen und einem mit Totenkopf bemalten Farbdosendeckel das Werk «Fischlein deck Dich» – als Symbol für die Leerfischung der Meere. Ein Exponat aus Koch-CD mit Gemüsebild auf dem Cover und zu einer Art Schlitten zusammengefügten Recyclingteilen nennt er «Ratahui» – statt Ratatouille. Ein leeres Flakon von Gaultier mit einem alten Fensterriegel auf bemalter Leinwand betitelt er mit «Potenz». Damit trifft er bei weitem nicht jeden Geschmack.

Charly Aemmer betont, dass er die Kunst in erster Linie aus Spass und eigentlich nur für sich mache. Sie in der Öffentlichkeit zu präsentieren, sei für ihn sekundär. Spitzbübisch lacht er, wenn der Betrachter bei Collagen aus zerschnittenen Fotos und Malerei das Motiv erst auf den zweiten Blick entdeckt und entsprechend verblüfft ist. Lustvoll experimentiert er mit nachgemachtem Rost als Bilduntergrund, bemalt Sagex, das von Computerverpackungen stammt und kombiniert es mit Feriensouvenirs wie Muscheln.

Auch reine Malereien eher klassischen Genres und Metallskulpturen findet man im kunterbunten Œuvre des gebürtigen Wettingers, der heute in Baldingen lebt. «Das sind alles reine Bauchgeschichten – nichts Durchkonzipiertes», erklärt er sein Schaffen. Kreativ ist er ständig. Er entwirft Plakate, schreibt Kolumnen und Liedtexte und spielt Schlagzeug. In Charly Aemmers Brust wohnen nicht nur zwei Seelen, er hat auch einen Geist, der niemals ruht.

Die Ausstellung von Charly Aemmer in der Galerie im Egro-Park, 5443 Niederrohrdorf, findet noch am Sa, 29.11.2014, 13.30 bis 18 Uhr und am Sa, 6.12.2014, 13.30 bis 18 Uhr (mit einem Schluss-Apéro) statt.