Untersiggenthal
Er melkt seine Kühe für den Fastfood-Riesen McDonalds

Schon als kleiner Junge stellte er seine kleinen Stiefel neben die grossen des Vaters. Für Andreas Hitz hiess das unmissverständlich: Sohn Christian will mit zu den Kühen in den Stall.

Stefan Hürst (Text) und Alex Spichale (Foto)
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Landwirt Christian Hitz liefert Milch an McDonalds

Landwirt Christian Hitz liefert Milch an McDonalds

Alex Spichale
So präsentiert sich Christian Hitz zurzeit auf Plakaten von McDonald’s. Ho

So präsentiert sich Christian Hitz zurzeit auf Plakaten von McDonald’s. Ho

Heute, 30 Jahre später, trägt dieser selber die grossen Stiefel – und die Verantwortung für den Weidhof in Untersiggenthal. Etwas versteckt liegt dieser hinter einem kleinen Hügel ausserhalb des Dorfes. Ein grosses Versteck, denn der Weidhof ist mit 40 Hektaren Land und 160 Tieren wahrlich kein Kleinbetrieb. Christian Hitz führt diesen seit 2013 in einer Generationengemeinschaft mit seinen Eltern.

Doch obwohl der 34-Jährige viel Zeit dort verbringt, häuften sich in letzter Zeit Nachrichten von Personen aus dem Bekanntenkreis, die ihn an den unmöglichsten Orten gesehen haben wollen. Es sind Momente, in denen der Landwirt zunächst stutzt. Grund für die Begegnungen ist allerdings kein mysteriöser Doppelgänger, sondern eine neue Kampagne von McDonald’s.

Mit dem Slogan «Meine Milch. Dein Cappuccino» posiert Hitz zurzeit auf Plakaten oder zur Abwechslung gar mal auf einem Tablett der Fastfood-Kette. Hintergrund der plötzlichen Bekanntheit: Christian Hitz verkauft Milch an den Verarbeitungsbetrieb Emmi, welcher wiederum McDonald’s beliefert. Der Schweizer Ableger des Weltkonzerns wirbt zurzeit mit Plakaten für die einheimische Herkunft seiner Produkte.

Dass ausgerechnet der Untersiggenthaler für die Kampagne des Fastfood-Riesen gewonnen wurde, ist kein Zufall. «Mein Vater ist Mitglied in Führungsgremien verschiedener Verbände», erklärt Hitz, «so entstand vor einigen Jahren der Kontakt zu Swissmilk, die ein Foto-Shooting mit Kühen und Jungtieren machen wollten.» Er habe eingewilligt, da er Werbung für einheimische und regionale Produktion für eine gute Sache hielt. «Heutzutage hört man viele Landwirte jammern. Auch ich habe natürlich an den sinkenden Milchpreisen keine Freude, aber jammern alleine hilft nicht weiter. Man muss innovativ bleiben und sich weiterentwickeln», sagt Hitz.

Durch die Zusammenarbeit mit Swissmilk gelangte sein Name in die Büros der Marketing-Abteilungen. Nur so ist zu erklären, dass McDonald’s mit dem Landwirt Kontakt aufnahm und ihm die Idee der Kampagne präsentierte. «Aus Freude am Essen» lautet der Slogan, unter dem verschiedene Hersteller und Lieferanten vorgestellt werden.

Stört sich der junge Landwirt nicht daran, dass der Betrieb, für den er Werbung macht, oftmals mit ungesundem Essen in Verbindung gebracht wird? Hitz winkt ab: «Für mich steht die regionale Produktion dabei im Vordergrund.» Ausserdem sei es wie bei vielem im Leben: Auf die Dosierung kommt es an. Beim Arbeitspensum auf dem Bauernhof funktioniert das eher weniger. «Etwa 70 bis 80 Arbeitsstunden sind in einer normalen Woche die Regel», sagt Christian Hitz. Bei 80 Milchkühen, die täglich gemolken, gefüttert und gepflegt werden müssen, wenig erstaunlich. Einen anderen Beruf hat sich Hitz dennoch nie vorstellen können.

Seit 1991 lebt er auf dem Hof in Untersiggenthal, heute zusammen mit seiner Frau und seinem zweieinhalbjährigen Sohn. Da ist auch ein Besuch bei McDonald’s nicht ausgeschlossen. Die Methode mit den Stiefeln hat der Nachwuchs aber nicht übernommen, erklärt Hitz: «Er sagt es mir gleich direkt, wenn er in den Stall will.»