Ehrendingen
Er ordnet einer Bodybuilder-Karriere fast alles unter

Carlos Garcia ordnet seinem Ziel fast alles unter: Essen, Training und Schlaf bestimmen sein Leben, um ein guter Bodybuilder zu werden.

Pirmin Kramer
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Carlos Garcia (Mitte), Bodybuilder aus Ehrendingen, freut sich an seinem erfolgreichen Muskel-Posing. zvg

Carlos Garcia (Mitte), Bodybuilder aus Ehrendingen, freut sich an seinem erfolgreichen Muskel-Posing. zvg

Sechs Mahlzeiten nimmt Carlos Garcia (20) zu sich pro Tag, je nach Trainingsphase bis zu 8000 Kalorien, ein Teil davon mit Nahrungsergänzungsmitteln. Auch während des Gesprächs isst er, Rindfleisch mit Süsskartoffeln und Broccoli.

Vor fünf Jahren noch sei er ein schmächtiger Athlet gewesen, der davon träumte, Fussballprofi zu werden. Er spielte bei den Junioren des FC Baden im rechten Mittelfeld. Als er seine Lehre als Koch in Bad Zurzach begann, wo er aufwuchs, fehlte aber immer öfter die Zeit für ein seriöses Fussball-Training. «Darum begann ich, im Kraftraum zu trainieren.» Der grosse Vorteil war, dass er zeitlich unabhängig war, keine Rücksicht auf feste Trainingszeiten nehmen musste. «Schnell merkte ich: Da geht was», sagt Garcia.

«Eltern unterstützen mich voll»

Training für Training, Woche für Woche wurde Garcia kräftiger. «Als ich meinen Eltern sagte, dass ich nun Bodybuilder werden möchte, waren sie zuerst nicht gerade begeistert. Diese Sportart hat nicht ausschliesslich einen guten Ruf, wird mit Doping in Verbindung gebracht. Seit sie aber begriffen haben, wie hart und seriös ich trainiere, unterstützen sie mich voll und ganz.»

Aus dem schmächtigen Carlos ist inzwischen ein Kraftmensch geworden, ein Muskelprotz. Im Fitnesscenter in Schlieren, wo der Ehrendinger derzeit ein Praktikum absolviert, stemmen viele Jungs täglich Gewichte; doch selbst dort fällt Garcia auf, mit seinen 1,84 Metern, 103 Kilo und den Adern, die sich dick auf dem Oberarm abzeichnen und seinem voluminösen Oberkörper, auf den sogar Comic-Held Superman neidisch wäre. Diesen Herbst hat Garcia erstmals an einem Bodybuilding-Wettbewerb teilgenommen. Er hat gewonnen und ist Junioren-SchweizerMeister geworden, obwohl er drei Jahre jünger war als die Konkurrenten. «Ich habe grosse Ziele, möchte Schweizer Meister bei der Elite werden und an internationalen Wettbewerben teilnehmen», sagt er.

Der dominikanisch-schweizerische Doppelbürger sitzt auf einem Sofa in einer Ecke des Fitnesscenters, während er mit leichtem Akzent von seinen Karrierezielen erzählt. Er bezeichnet sich selber als ruhigen, aber äusserst zielstrebigen Typen. «Wenn ich ein Ziel erreichen will, lasse ich mich nicht vom Weg abbringen. So ist das.»

Diese Erfahrung machte auch sein ehemaliger Trainer, dem er fünf Wochen vor dem Wettkampf die Zusammenarbeit kündigte, wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Trainingsgestaltung. Mit dem neuen Coach habe er intensiv am Posing gearbeitet, was mitentscheidend für den Sieg an den Junioren-Schweizer-Meisterschaften gewesen sei. Beim Bodybuilding präsentieren die Athleten der Jury ihren Körper; sie bereiten sich auf den Wettkampf vor mit einer Kombination aus Muskelaufbau und gezielter Ernährung, um den Körperfettanteil zu senken. Immer wieder kommt Koch und Bodybuilder Garcia denn auch auf das Thema Essen zu sprechen.

Im Fitnesscenter arbeitet zusammen mit Garcia auch der ehemalige Fussballprofi Pascal Castillo, der unter anderem für den FC Zürich und die Grasshoppers verteidigte. «Carlos ist ein ruhiger und höflicher Typ. Wichtig ist jetzt, dass er auf dem Boden bleibt. Ich bin überzeugt, dass er das schafft und nicht abheben wird», sagt Castillo.

Lieber schlafen als Ausgang

Seinem Ziel, es ganz weit zu bringen in diesem Sport, ordnet Garcia fast alles unter. «Ab und zu gehe ich schon in den Ausgang, oft aber möchte ich lieber früh ins Bett gehen und lange schlafen, damit sich mein Körper genügend erholen kann.» Alkohol? «Ab und zu ein Bier liegt schon drin, aber Alkohol ist sicher nicht das Beste für diesen Sport.»

Gibt es in Carlos Garcias Leben noch Raum und Zeit für etwas anderes als Bodybuilding? Seine Freundin Célina Weiss, die bei der Gemeindekanzlei Leibstadt als Leiterin der Einwohnerkontrolle arbeitet und selber auch Kraftsport betreibt, sagt: «Er befasst sich jeden Moment des Tages mit dem Bodybuilding. Es kam auch schon vor, dass ich ihm sagte: Jetzt bremse ein bisschen.» Ihr Freund betreibe seinen Sport mit vollem Herzblut, sagt Weiss. «Viele Leute sagen ihm, er könne es wirklich weit schaffen, und das nimmt er sich auch zu Herzen. Ich werde ihn so gut es geht unterstützen und lebe diesen Lifestyle mit ihm mit, ansonsten würde eine solche Beziehung gar nicht klappen.»

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