Baden

Er pendelt zwischen Weltbühnen und Kanti-Klassenzimmer

Der Pianist Jason Paul Peterson lebt in Ennetbaden und hat schon die grössten Bühnen der Welt bespielt, zum Beispiel die Carnegie Hall in New York. Sandra Ardizzone

Der Pianist Jason Paul Peterson lebt in Ennetbaden und hat schon die grössten Bühnen der Welt bespielt, zum Beispiel die Carnegie Hall in New York. Sandra Ardizzone

Der amerikanische Pianist und Kantilehrer Jason Peterson (32) präsentiert ein Album mit selten gehörten Werken von Schweizer Komponisten.

Das Prunkstück in Jason Paul Petersons Badener Wohnung ist der Bechstein-Flügel aus dem Jahre 1892. Davor steht sein E-Piano, auf dem er mit Kopfhörern oft bis spät in die Nacht übt. Der amerikanische Berufspianist spielt zur Einstimmung ins Interview Chopin. Seine Finger fliegen über die Tasten und bringen das Instrument volltönig und markant zum Klingen. Seit 2012 wohnt der 32-Jährige in Baden; zog mit seiner deutschen Ehefrau hierher, weil diese in seiner US-Heimat als Bauingenieurin keine Stelle bekam. In der Limmatstadt wurde sie fündig und Peterson hatte ebenfalls Glück: 2013 erhielt er eine 80%-Stelle als Klavierlehrer in der Kantonsschule Baden. Damit kommen die Schülerinnen und Schüler in den Genuss einer der wohl bekanntesten Lehrpersonen, die jemals an der Kanti unterrichtete.

Denn Peterson, der sein Musikstudium an verschiedenen Universitäten Amerikas und in Weimar absolviert hat, gab wegen seines grossen Könnens schon Konzerte im In- und Ausland; mehrere davon in der Carnegie-Hall New York. Das letzte Mal spielte er im weltweit renommiertesten Bühnenhaus Werke von den Schweizer Komponisten Werner Wehrli, Peter Mieg und Emil Frey, die in den USA bisher völlig unbekannt waren. Wie hat das Publikum reagiert? «Es zeigte sich total begeistert», freut sich der Künstler. Die Musik kam sogar so gut an, dass er beschloss, eine CD daraus zu machen. «Swiss Piano Masterworks» heisst Petersons neuster Tonträger – es ist bereits der sechste, und er hält die wunderbaren Konzertmomente in der Carnegie-Hall für die Ewigkeit fest. Finanziert wurde das Album von der Peter-Mieg-Stiftung und dem Werner Wehrli-Fonds.

Seine Hände sind nicht versichert

Peterson wagt sich gern an Neues und Unbekanntes. «Viele Leute haben das Gefühl, klassische Musik sei verstaubt und festgefahren», schildert er, «ich will aufzeigen, dass dem nicht so ist. Dieses Genre ist sehr lebendig und bietet immer noch viele Entdeckungsmöglichkeiten.» Auf dem Vorgänger-Album von «Swiss Piano Masterworks» begleitet Peterson den weltbekannten französischen Bariton Edwin Crossley-Mercer, der über 2000 Jahre alte Gedichte von Catullus zum Klingen bringt. Aber auch Klassiker wie Mozart, Schubert oder Ravel spielt er immer wieder gerne. Jason Paul Peterson besticht durch seine fröhliche und bescheidene Art. Dabei gewann er als bisher einziger Musiker viermal hintereinander den ersten Preis der Chopin Foundation of the United States. Wie viel Übung braucht ein Pianist seines Niveaus? «Vor Konzerten 5 Stunden, sonst mindestens 3 Stunden täglich», erzählt er. Ist das Herz immer noch mit dabei, wenn man den ganzen Tag hinter dem Klavier sitzt? «Ja», sprudelt es aus dem Virtuosen heraus, «ich habe einen Traumberuf und Routine gibt es bei mir nicht.» Das Kapital eines Pianisten sind seine Hände. Hat er sie versichert? «Nein», sagt er lachend und fügt hinzu, «dann müsste ich ja auch mein Hirn, das Herz und die Seele versichern lassen. Denn beim Klavierspielen braucht es alles.»

Nächstes Konzert von Jason Paul Peterson, 2. Juli 2015, 19.30 Uhr in der Villa Brown Boveri.

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