Region Baden
Er schlug und beleidigte die Patientin: Wenn der Arzt zum Täter wird

Ein Arzt in der Region schlug und beleidigte seine Patientin. Was das Opfer und die Aufsichtsbehörde dazu sagen.

Martin Rupf
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Der Arzt ohrfeigte die Frau mehrmals. (Symbolbild)

Der Arzt ohrfeigte die Frau mehrmals. (Symbolbild)

zvg

Als Katja W.* wegen Rückenschmerzen einen Termin bei ihrem Hausarzt Lars M.* vereinbarte, ahnte sie nicht, dass sie mit noch mehr Schmerzen vom Arzttermin zurückkehren würde. Bei ihrem Besuch in einem Ärztezentrum in der Region Baden wurde sie von ihrem Arzt geschlagen, beleidigt und gedemütigt. Der Grund: «Der Beschuldigte fühlte sich provoziert», wie es im Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 6. Oktober heisst. Der Fall löste sowohl bei der Betroffenen als auch in ihrem Umfeld grosse Bestürzung aus und sorgte für Gesprächsstoff in ihrem Umfeld. Doch was genau hat sich am 9. Juni im Arztzimmer abgespielt?

Katja W. erinnert sich an den Tatmorgen: «Ich begann dem Arzt meine Beschwerden zu schildern, hatte jedoch das Gefühl, dass er mich aufgrund der Schweizerdeutschen Sprache nicht richtig verstanden hatte. Daraufhin fragte ich ihn, ob dies der Fall sei.» Dann sei er ausgerastet. Im Strafbefehl sind die darauffolgenden Szenen wie folgt beschrieben: «Er forderte sie auf, sich hinzuknien und sich bei ihm zu entschuldigen. Katja W. kam dieser Aufforderung nach. Dann drückte er ihren Kopf mit dem Gesicht voran für wenige Sekunden auf einen gepolsterten Stuhl.

Der Beschuldigte ohrfeigte Katja W. in der Folge kräftig mit der rechten und linken offenen Hand. Danach verliess der Beschuldigte das Untersuchungszimmer. Katja W. begab sich in Begleitung des inzwischen dazugekommenen leitenden Arztes des Ärztezentrums ins Wartezimmer, um auf eine Weiterbetreuung durch diesen zu warten. Währenddessen kam der Beschuldigte und forderte Katja W. energisch auf, die Praxis zu verlassen.» In der Folge griff Lars M. die Patientin in ihrer Ehre an, wie sie bestätigt: «Er nannte mich Ratte und sagte, ich solle zum Tierarzt gehen.»

Zurück blieb eine geschockte Katja W. mit Hämatomen an beiden Wangen sowie einer Schwellung am Auge. Nachdem sie sich gefasst hatte, ging sie zur Polizei und erstattete Anzeige gegen den Arzt. Der Strafbefehl ist inzwischen rechtskräftig und Lars M. wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 27 200 Franken sowie einer Busse von 2000 Franken verurteil.

Wird Arbeitsbewilligung entzogen?

Doch was bedeuten die Vorkommnisse für die berufliche Karriere des Arztes? Auf der Website des betroffenen Ärztezentrums ist Lars M. nicht mehr aufgeführt. Der leitende Arzt des Zentrums bestätigt gegenüber der «Schweiz am Wochenende»: «Nach diesem betrüblichen Vorfall haben wir den Arzt sofort entlassen.» Nach seinem Wissensstand sei es vorher nicht zu ähnlichen Übergriffen gekommen. Ob Lars M. die Berufsausübungsbewilligung entzogen wird, hat der Kanton, genauer gesagt das Departement Gesundheit und Soziales, zu entscheiden. Auf Anfrage sagte der Aargauer Kantonsarzt Martin Roth, dass es zu einem Entscheid gekommen sei.

Er wolle diesen aber nicht kommentieren, da er noch nicht rechtskräftig sei. Wird dem Arzt die Bewilligung entzogen, wäre dies nur ein kantonales Berufsausübungsverbot. «Wenn ein Arzt in einem anderen Kanton eine Berufsausübungsbewilligung beantragt, ist eine Unbedenklichkeitsbestätigung des bisherigen Kantons nötig», erklärt Dorina Jerosch, Leiterin des Fachbereichs Bewilligungen und Aufsicht im Departement Gesundheit und Soziales. Auch der Aargauer Ärzteverband diskutiert in diesen Tagen über einen Ausschluss von Lars M. Im Falle eines Verbandsausschlusses, könnte M. zwar noch als Arzt arbeiten, aber: «Er ist nicht mehr Teil unseres Vertrags mit den Krankenkassen.»

Für Katja W. gilt der Fall inzwischen als abgeschlossen. Doch das Erlebnis habe trotzdem Spuren hinterlassen. «Letztens liess ich eine Tasse Kaffee fallen, weil mich jemand unvorhergesehen berührte.» Lars M. war für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht auffindbar.

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