Wahlen

Er schrieb Sportgeschichte — Europameister kandidiert für Grossen Rat

Vor 30 Jahren wurde Daniel Giubellini Schweizer Meister, jetzt möchte er Grossrat werden.

Vor 30 Jahren wurde Daniel Giubellini Schweizer Meister, jetzt möchte er Grossrat werden.

Daniel Giubellini aus Kirchdorf, der frühere Weltklasse-Kunstturner und Schweizer Sportler des Jahres 1990, steht auf der Liste der EVP. Vom fünften Listenplatz aus geht er ins Rennen. Der Glaube spielt in Giubellinis Leben seit einem tragischen Unfall eines Jugendfreundes eine wichtige Rolle.

Am 27. Mai 2020 war Daniel Giubellinis Name in vielen Schweizer Zeitungen zu lesen, obwohl er gar nichts getan hatte. Zumindest nicht an diesem Tag. Aber exakt 30 Jahre zuvor gelang ihm eine Leistung, die so aussergewöhnlich war, dass sie auch drei Jahrzehnte später von vielen Medien mit einem Rückblick gewürdigt wurde: Giubellini wurde am 27. Mai 1990 in Lausanne Europameister am Barren und schrieb damit ein Stück Schweizer Sportgeschichte.

Die Nation hatte zum ersten Mal seit 31 Jahren wieder einen Europameister im Kunstturnen. Im selben Jahr wurde Giubellini zum Schweizer Sportler des Jahres gewählt und war damit Nachfolger von Radstar Tony Rominger und Vorgänger von Kugelstosslegende Werner Günthör.

Er trat mit 24 Jahren vom Kunstturnen zurück

Diesen Herbst ist Giubellini erneut Teilnehmer einer Wahl. Der 51-Jährige kandidiert für die EVP des Bezirks Baden für den Grossen Rat. Vom fünften Listenplatz aus geht er ins Rennen. «Als ich von der Partei angefragt wurde, war für mich klar, dass ich mit meiner Kandidatur helfen möchte», sagt der Kirchdorfer, «mir ist es wichtig, dass die Mitte-Parteien in unserer zunehmend polarisierten Gesellschaft mehr Gewicht haben.»

In einem Porträt der Schweizer Sportagentur wird Giubellini als «ruhig, introvertiert und gläubig» beschrieben. Für ihn war das Leben neben dem Sport schon immer wichtig. Dem ständigen Wechsel zwischen den Fronten, dem Abwägen zwischen Beruf und Spitzensport, setzte Giubellini bald ein Ende. Zehn Monate nach den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona trat er im Alter von erst 24 Jahren vom Kunstturnen zurück.

Durch tragischen Unfall zum Glauben gefunden

Giubellini hat die Handelsschule absolviert und studierte danach Betriebsökonomie. Seit sechs Jahren ist er beim Versicherungsunternehmen Swiss Life als Geschäftsführer der Vorsorgestiftungen tätig. Nach seiner Heirat verlegte der Meilemer 1994 den Wohnort in den Aargau, den Heimatkanton seiner Frau Sabine. Mit den Kindern Luca (17), Matteo (16), Chiara (14) und Elio (11) wohnt die Familie in Kirchdorf.

Der Glaube spielt in Giubellinis Leben seit einem tragischen Unfall eines Jugendfreundes eine wichtige Rolle. «Weil sich meine christlichen Werte mit jenen der EVP decken, habe ich zu dieser Partei gefunden», sagt das Mitglied einer Freikirche.

Die Schöpfung und die Altersvorsorge bewahren

Nachhaltigkeit und Umweltschutz seien für ihn wichtige Themen. «Schon die Bibel sagt, dass wir die Schöpfung bewahren sollen», sagt Giubellini. Aber in ihm schlägt auch eine liberale Ader, die seinen beruflichen Werdegang spiegelt. «Der Bürger trägt eine Selbstverantwortung, etwa in der Altersvorsorge. Es ist wichtig, dass ihre drei Säulen im Gleichgewicht stehen.»

Politisch ist Giubellini bisher als Einwohnerrats-Kandidat in Obersiggenthal in Erscheinung getreten. 2017 verpasste er als Drittplatzierter den Einzug um rund 80 Stimmen. Im Grossen Rat ist die EVP des Bezirks Baden durch Lutz Fischer-Lamprecht mit einer Person vertreten. Allzu grosse Wahlchancen rechnet sich Giubellini nicht aus. Doch schon an der Kunstturn-EM in Lausanne trat er als Aussenseiter an. Den Einzug in den Gerätefinal hatte er gerade noch als Achter geschafft. So gesehen ist der fünfte Listenplatz keine schlechte Ausgangslage.

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