Das Bezirksgericht Baden lud in diesen Tagen zur Verhandlung zwischen einem 24-jährigen Kosovaren und einer 21-jährigen Schweizerin. Sie waren einst ein Liebespaar. Doch diese Beziehung endete brutal: Der Angeklagte habe seine Ex-Freundin gegen ihren Willen rund drei Stunden in seiner Wohnung in Neuenhof gefangen gehalten.

Das ist der Grund für die Anzeige wegen Freiheitsberaubung, welche Karin (Namen geändert) bei der Polizei erhob. Weiter musste sich Agon, vor Gericht unauffällig gekleidet und mit kurzen dunklen Haaren, wegen Sachentziehung, mehrfacher versuchter Nötigung sowie Tätlichkeiten verantworten. Der Beschuldigte klagte seinerseits gegen die Dunkelhaarige mit asiatischen Wurzeln ebenfalls wegen Tätlichkeiten.

Die Vorfälle begannen Mitte 2017. Damals habe Agon am Geburtstag von Karin eine Nachricht auf ihrem Handy gesehen: «Jemand schrieb ‹Baby›. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich mit einem anderen Mann trifft, also sagte ich ihr, sie soll ihre Sachen packen und gehen.» Das sei das Ende ihrer Beziehung gewesen, erklärte Karin dem Gerichtspräsidenten Bruno Meyer, worauf Agon jedoch widersprach: «Ich habe da nicht gesagt, dass Schluss sei.»

Zwischen den beiden, die vor Gericht gelassen wirkten, herrschte Uneinigkeit über die Vergangenheit. Rund einen Monat nach dem Geburtstag schrieb Agon per Whatsapp Drohungen an Karin. Dabei fielen Sätze wie: «Weish was ich gib dir e chance zum zrugg cho zu mir. Ich han dis lebe soo i minere hand, han nacktvideos vo dir und alles, ich weiss wo du id shuel gash, wo du shaffsh und wo du wohnsh (...).» So steht es in der Anklageschrift.

Hilferuf aus dem Badezimmer

Agon bereue diese Nachrichten mittlerweile: «Die Erpressung war ein Fehler.» Einen Tag danach kam es am frühen Morgen vor der Migros in Berikon zu einem Streit zwischen den beiden. Dabei soll Karin ihn gestossen haben, worauf er zu Boden fiel, sich aber nicht verletzte. «Ich wollte mich nur aus seinen Händen befreien», wehrte sie sich gegen den Vorwurf ihres Ex-Freundes.

Bei der Auseinandersetzung nahm Agon ihr das Handy weg, um herauszufinden, mit wem sie sich ohne sein Wissen verabredete. Um das Telefon wieder zu erhalten, folgte Karin ihm in seine Wohnung nach Neuenhof.

Dort erhielt sie unter dem Vorwand, ihren Arbeitgeber über ihr Fernbleiben zu informieren, Agons Handy und rief im Badezimmer seine Schwester an, zu der sie eine gute Beziehung hatte: «Ich wollte, dass seine Schwester ihn zur Vernunft bringt.» Der wütende Agon nahm ihr sein Telefon wieder weg, sperrte sie rund drei Stunden in seiner Wohnung ein und ging weg. Seine Schwester befreite Karin schliesslich.

Anfangs 2018 erschienen auf Instagram Drohungen, die der Beschuldigte dem neuen Freund von Karin schrieb. Darunter hiess es etwa: «Denn ich bin mit ihr noch nicht fertig. Eine grössere Schlampe gibt es nicht.» Oder: «Und ihr werde ich trotzdem den Kopf wegenehmen du wirst es noch sehen!!» (sic).

Eine Verurteilung blieb für einmal aus: Agon und Karin fanden vor Einzelrichter Meyer ein für den Moment versöhnliches Ende der Streitereien. Meyer schlug den beiden vor, gemeinsam schriftlich zu erklären, dass man sich künftig in Ruhe lasse und mit Respekt begegne. Beide seien in neuen Beziehungen und die Vorfälle lägen weit in der Vergangenheit. Zudem einigte man sich, gegenseitig einen Teil der Verfahrenskosten zu zahlen.