Baden
Er stand schon mit Justin Timberlake auf der Bühne

José Jaldon aus Baden trat schon mit Justin Timberlake und den Backstreet Boys auf. Nach Höhen und Tiefen in seinem Leben produziert José Jaldon nun ein eigenes Album. Demnächst ist der Videodreh.

Erna Lang-Jonsdottir
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Musiker José Jaldon aus Basen

Musiker José Jaldon aus Basen

Solothurner Zeitung

Der 37-jährige spanische Secondo aus Baden sitzt am Küchentisch. Konzentriert blickt er auf den Bildschirm seines Rechners. Im Flur hängen Familienbilder an der Wand. Am Boden stehen zwei grosse Taschen voll mit Erinnerungen. Erinnerungen an eine Zeit, in der José Jaldon während vier Jahren mit seiner Boy-Band
Stepahead um den halben Globus reiste, Auftritte in unzähligen TV-Shows hatte und es unter anderem auf die Front von «Bravo», «Pop-Rocky» und «Popcorn» schaffte. Als er die Taschen zur Seite räumen will, fallen Band-Flyer, Autogrammkarten, Model-Bilder, Zeitungsausschnitte und Fanpost auf den Boden. «Ich muss die Sachen endlich aufräumen», entschuldigt er sich und schmunzelt.

Schon als Kind ist José Jaldon alias Lolo-J klar, dass er Musiker werden will. Mit sieben Jahren lernt er Gitarre spielen. Später kommen noch andere Instrumente hinzu. Als 14-Jähriger tanzt er in einer Break Dance Crew und rappt mit einem Beatboxer spanische, französische und deutsche Texte. «Mir war bereits damals bewusst, dass ich mein Herz und meine Liebe der Musik vergeben hatte.» Dennoch beginnt er eine Banklehre. Doch kurz nach dem Start verändert sich sein Leben drastisch: Er muss zusehen, wie ein Freund von einem Schnellzug am Bahnhof Neuenhof erfasst und in Stücke gerissen wird. «Wie durch ein Wunder wurde ich vom Zug weggeschleudert und kam mit ein paar Brüchen davon.»

Lehr abgebrochen

Lolo-J fällt in ein Loch und bricht die Lehre ab. Einige Monate später rafft er sich auf und absolviert erfolgreich die Aufnahmeprüfungen an die Kanti Wettingen. Dort lernt er seine Jugendliebe Emel kennen. Lolo-J begleitet seine Freundin ins Studio und erlebt die Entstehung der Welt-Hit-Single «Somebody dance with me» mit DJ Bobo hautnah mit. «Leider brach unsere vierjährige Beziehung kurze Zeit später auseinander. Unsere Freundschaft jedoch nicht. Sie ist Gotte meiner fünfjährigen Tochter.»

Lolo-J bricht nach dem Beziehungsende mit Emel die Kanti ab und beginnt an einer Musik-Akademie in Zürich eine Musikerausbildung. Um sich zu finanzieren, arbeitet er in Bars und modelt für diverse Zeitschriften, auch für das «Bravo Girl». Im Merkker Baden bessert er sein Budget mit dem eigenen Event «Jazz Meets House» auf. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten: Er wird von einem deutschen Produzenten entdeckt und steigt in das internationale Boy-Band-Projekt «Stepahead» ein. Die Band hat Erfolg und landet mit dem Hit «Straight from your heart» – geschrieben und produziert von Uwe Fahrenkrog, Komponist von Nenas «99 Luftballons» und Produzent von Kim Wilde – in den Top 40 der Eurocharts.

Vier Jahre lang tritt Lolo-J als Gitarrist und Sänger mit dieser Band auf internationalen Bühnen, mit N’SYNC (Justin Timberlake), den Backstreet Boys, Melanie Thornton und den Lemonheads, als Vorgruppe von Blümchen, bei TV-Shows von Stefan Raab, Andreas Türck, Arabella Kiesbauer und Kai Pflaume auf. Dass Lolo-J inzwischen wieder eine Freundin hat und dazu einen einjährigen Sohn, darf er gegenüber den Medien nicht erwähnen. 2002 löst sich die Band wieder auf. «Diese Zeit war wie eine vierjährige Lehre im Show-Bizz», blickt José Jaldon heute zurück.

Die Matur nachgeholt

Lolo-J kehrt zu seiner Familie zurück und holt die Zeit mit seinem Sohn nach, die er aufgrund der vielen Tourneen verpasst hat. Er übt sich in «normalen» Jobs und absolviert die eidgenössische Maturitätsprüfung. Nebenbei gründet er die Band Jaldon, tritt auf verschiedenen Bühnen in der Schweiz und im Ausland auf und schreibt unzählige Songs. Nach einem erneuten Schicksalsschlag und einer Phase der Selbstreflexion kommt er zum Schluss, dass die Business-Welt nichts für ihn ist. «Musik ist die beste Therapie. Ich habe für mich selber endlich anerkannt, dass ich ein Künstler bin.»

Als «Lolo-J» steurt Jaldon mit selbstgeschriebener Musik und Lyrics ein Comeback an: Gemeinsam mit zwei Produzenten und seinem engen Freund und Drummer Gianfranco Gallo arbeitet er seit zwei Jahren an einem Album. «Zwei Maxi-Singles sind jetzt fertig produziert, das Album ist abschlussbereit. Mit einem eigenen Label und der ersten Single ‹Soy un freak›, fokussieren wir, nebst der Schweiz und Deutschland, in erster Linie den spanischen und lateinamerikanischen Markt.» Die erste Single und das Album sollen demnächst erscheinen. Die Stilrichtung? «World Music, eine Fusion aus Pop-Rock-Funk-Elektro und Dance. Es ist Musik, die in Clubs und an Konzerten gespielt werden kann.» Der Dreh zum Video «Soy un freak» findet Mitte November im Zwinglihaus in Zürich statt. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, genauso wie Lolo-J, der zufrieden ist mit seinem Künstlerleben und sich glücklich schätzt, «dass ich eine starke Frau an meiner Seite habe».

Infos: www.loloj.ch oder www.jaldon.com