Ein Nachmittag letzte Woche: Es ist brütend heiss auf der Baustelle im Bäderquartier. Gesamtprojektleiter Antony Strub empfängt den Journalisten im Kurzarm-Hemd und bestens gelaunt. Das dürfte nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass es in den Bädern nun rasant vorwärtsgeht. Dies nachdem mit den Hochbau-Arbeiten nicht direkt nach den Abbrucharbeiten begonnen werden konnte, sondern die Arbeiten auf dem Baufeld 1 und 2 während fast eines halben Jahres ruhten (die AZ berichtete). Doch seit im März mit den Hochbauarbeiten losgelegt wurde, verändert sich das Bild der Baustelle fast täglich.

Seit eineinhalb Jahren hat Antony Strub die Gesamtprojektleitung inne. Der studierte Architekt hat in seiner Laufbahn schon einige Baustellen bauherrenseitig betreut, so etwa das Projekt Erweiterungsbau der Credit Suisse im Uetlihof in Zürich. Trotzdem nennt er aber das Bäder-Projekt ein «einzigartiges». Der 55-Jährige arbeitet als Leiter Immobilienprojekte für die Stiftung Gesundheitsförderung, die Gesundheitsstiftung Bad Zurzach + Baden, die als Mehrheitseigentümerin der Verenahof AG das Bäderprojekt realisiert. Streng genommen sind es drei Projekte: Auf dem Baufeld 2, wo früher der Staadhof stand, das Ärztehaus. Auf dem Baufeld 1 das ebenfalls von Architekt Mario Botta entworfene Thermalbad. Und die Reha- und Präventionsklinik im historischen Verenahof-Geviert (Baufeld 3). «Jede Baustelle hat ihre ganz eigenen Gesetzmässigkeiten und Anforderungen», sagt Strub.

Bewusstsein um Erbe ist da

Während sich der Bau des Ärzte- und Wohnhauses als am wenigsten komplex erweist, seien die Herausforderungen in den historischen Gemäuern des Verenahof-Gevierts besonders gross. «Wir bauen hier auf Historie auf.» Dieses Bewusstsein sei sogar bei den einzelnen Bauarbeitern gegeben. «Das heisst, es wird jeden Morgen jeweils zusammen mit dem Vorarbeiter genau definiert, welcher Bauteil wegmuss, und was stehen bleiben muss», so Strub. Dabei pflege man einen sehr guten und konstruktiven Austausch mit der kantonalen Denkmalpflege. «Auch für diese ist das Bauprojekt von höchster Priorität. Sollten wir auf Probleme stossen oder Fragen aufkommen, dürfen wir – nein sollen wir – die Denkmalpflege unverzüglich informieren.» Er habe in seiner beruflichen Laufbahn immer mal wieder mit Denkmalpflegen zu tun gehabt. «Bei diesem Projekt erlebe ich sie als sehr pragmatisch, und es finden sich immer gute Lösungen.»

Zusammen mit Strub besichtigen wir denn auch das ausgekernte Verenahof-Geviert. «Wenn ich die Bausubstanz als reiner Bau-Mensch betrachte, dann ist man im ersten Moment schon geneigt sich zu hinterfragen, weshalb man überhaupt diesen Aufwand auf sich nimmt und nicht einfach alles abreisst und ein neues Gebäude hinstellt.» Umso mehr erfülle es ihn mit Stolz, zusammen mit Villa Nova Architekten aus Basel hier in Baden ein schweizweit einzigartiges Projekt realisieren zu können. «Es ist ein grosses Spannungsfeld, auf der einen Seite eine modere Präventions- und Rehabilitations-Klinik zu realisieren und gleichzeitig die Historie dieser Gebäude zu schützen und zu berücksichtigen», so Strub.

Die Art und Weise, wie Strub über «seine» Baustelle spricht, zeigt, dass bei der Stiftung das historische Bewusstsein durchaus vorhanden ist. Zur Erinnerung: In der Vergangenheit wurden immer wieder Stimmen aus Politik und Fachkreisen laut, die sich besorgt zeigten über den aus ihrer Sicht mangelnden Umgang mit dem historischen Erbe der Bäder. «Wir sind uns absolut bewusst, dass wir hier aller Rentabilität zum Trotz nicht nur für den Markt bauen, sondern auch für die Stadt und eine ganze Region.» Das Bäderprojekt sei für die Stiftung derzeit klar das wichtigste und grösste Projekt. «Für mich persönlich ist es eine grosse Ehre, dieses Projekt zu leiten und meinen Beitrag zu leisten, dass die Badener ihr langersehntes Bad erhalten», führt Antony Strub aus.

Dieses Bewusstsein orte er übrigens auch ganz stark bei der Stadt Baden und ihrem Stadtammann Markus Schneider. Dies liege nicht zuletzt daran, dass die Stadt mit dem Kurplatz, der Erneuerung der Strassenbeläge im Quartier und der neuen Limmat-Promenade für die Gestaltung des öffentlichen Raums verantwortlich zeichne.

Wie sich dieser dereinst präsentieren wird, kann man auf der jetzigen Baustelle nur vage erahnen. Strub ist aber überzeugt, dass die Badener am neuen Bad und der Promenade ihre Freude haben werden. Und damit stehe er nicht allein da. Auch Stararchitekt Mario Botta teilt diese Meinung. Strub beschreibt die Zusammenarbeit mit dem Tessiner Architekten als hervorragend. Mario Botta sei äusserst unkompliziert und angenehm in der Zusammenarbeit. Und er betone ihm gegenüber immer wieder, dass «Baden» derzeit für ihn das wichtigste Projekt in der Schweiz sei.

Das wichtigste Projekt von Botta

Was sagt Strub eigentlich zur immer wieder auflammenden Kritik, wonach die Bäderbaustelle zu wenig zugänglich und öffentlich sei? «Ich habe absolutes Verständnis für den Wunsch und das Bedürfnis, den Baufortschritt verfolgen und miterleben zu können.» Doch die Sicherheit auf der im Limmatknie eingeklemmten Baustelle habe erste Priorität. Immerhin klafft nun in der Baustellenwand bei der Kapelle ein grosses Loch, durch das Besucher einen Blick auf die Baustelle erhaschen können. Zudem könne man über eine Webcam auf der Website www.bäderbaden.ch das Geschehene und die Entwicklung auf der Baustelle beobachten. «Ab September planen wir zudem monatliche Baustellen-Führungen, die ich am Anfang selber führen werde», so Strub.

Am Schluss des Gesprächs gibt Strub noch eine kleine Neuigkeit preis. So soll die Präventions- und Rehabilitationsklinik im Verenahofgeviert nicht wie geplant ein halbes Jahr früher als das Bad und das Ärzte- und Wohnhaus eröffnen, sondern gleichzeitig mit diesen im Herbst 2021. «Wenn hier die ersten Gäste wohnen, dann muss alles reibungslos funktionieren», so Strub. Funktioniert hat bisher alles bei den Arbeiten. Das Wichtigste: Bei den Abbrucharbeiten nahm keine der 21 Quellen Schaden. «Das wäre der absolute Super-GAU gewesen. Die Thermalquellen sind unser Heiligtum. Ohne Thermalwasser kein Thermalbad.»