Baden
Er war Milliardär und Bäder-Investor – nun steht er vor dem Schuldenberg

In den 90er-Jahren wollte der Israeli Motti Zisser – damals noch Milliardär – ein neues Thermalbad in Baden bauen. Es kam anders.

Pirmin Kramer
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Motti Zisser, Investor aus Israel.

Motti Zisser, Investor aus Israel.

ZVG

Wer heute vom neuen Badener Thermalbad spricht, meint das Projekt von Investor Benno Zehnder und von Architekt Mario Botta. Was immer mehr in Vergessenheit gerät: Bereits vor 25 Jahren gab es Pläne für einen Thermalbad-Neubau.

Der israelische Milliardär und Investor Mordechai «Motti» Zisser hatte vor, die «alte Grandeur» des Kurortes wiederherzustellen – mit Badeanlagen, Spielcasino, Hotel, Luxuswohnungen, Feinschmeckerrestaurants und Kinos. Wahrzeichen des 150-Millionen-Franken-Projekts mit dem Namen «Riverfront» sollte ein Turm mit 20 Stockwerken werden.

Die Schweizer hätten aufgehört, an sich selber zu glauben, sie vernachlässigten den Ausbau der Infrastruktur, stellte Motti Zisser fest. Ihm hingegen fehlte es nicht an Selbstvertrauen. Bis heute erinnern sich viele Badener an seine Sprüche: «Bei mir mutieren Träume zu Gebäuden», liess er verlauten, und weiter: «Ich kann meine Träume in die Sprache der Realität umsetzen.» Doch seine Badener Träume musste Zisser begraben – unter anderem, weil der Stadtrat nicht voll hinter «Riverfront» stand. Die Bauten seien «nicht gut in die Umgebung integriert».

Danach kaufte Zisser die Firma «Elbit Imaging», die unter seiner Führung bei Immobiliengeschäften in Europa mehrere hundert Millionen Franken erwirtschaftete. Den Journalisten diktierte er in den Notizblock, er habe es schon immer gemocht, gegen den Strom zu schwimmen, denn nur auf diese Weise kämen grosse Dinge zustande. 2013 aber crashte seine Firma – gemäss der israelischen Tageszeitung «Ha’aretz» steht Zisser mit seiner Immobilienfirma inzwischen vor einem Schuldenberg von umgerechnet 250 Millionen Franken. Sein Luxus-Haus nahe Tel Aviv mit Swimmingpool, Kino und Synagoge und nahe Tel Aviv musste er kürzlich verkaufen. «Kein Problem», so Zisser gegenüber «Ha’aretz», «ich werde mich zurückkämpfen. Ich bin ein Mann, der mit nichts anfing, ich kenne dieses Gefühl.»

Für immer ein Traum

Beim Blick ins Archiv fällt auf, dass Zisser mit ähnlichen Widerständen zu kämpfen hatte wie heute sein Nachfolger-Investor Benno Zehner. Für Kritik sorgte in den 90er-Jahren insbesondere das Verkehrskonzept, das zu wenig ausgereift sei; er schenke ökologischen Aspekten zu wenig Beachtung. Zisser konterte trocken, Baden habe sowieso bereits ein Verkehrsproblem, und sein Projekt sei für die Stadt vielmehr eine Chance, einige Schritte vorwärtszumachen. Man könnte zum Beispiel eine Brücke über die Limmat bauen und das neue Bäderzentrum vom anderen Ufer her zugänglich machen, schlug er vor. So wie alle Ideen Zissers für Baden dürfte auch dieser Vorschlag für immer ein Traum bleiben.