Gedenken
Er war schalkhaft, fröhlich und engagiert

Eugen Meier-Amrein, Wettingen (1922–2016), ehemals Bezirksschullehrer und Rektor

Peter Meier*
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Eugen Meier

Eugen Meier

EMANUEL FREUDIGER FOTOGRAFIE

Anfang Dezember nahm Wettingen auf dem Friedhof Brunnenwiese Abschied von einem fröhlichen, eigenwilligen – kurz: von einem besonderen Menschen. Eugen Meier, er starb mit 94 Jahren, war ein Original und eine Persönlichkeit, die Wettingen über Jahrzehnte mit ihrer Art prägte: So als Lehrer und Rektor der Bezirksschule, als kulturell und politisch aktiver Gestalter des Gemeindelebens, als Wettinger, der sein grosses Dorf liebte, als initiatives Mitglied der Kulturkommission und als ausgezeichneter Kenner der lokalen Geschichte und Heimatkunde.

Davon zeugt unter anderem das grossartige Fotobuch «Wettingen früher», das nach der gleichnamigen Ausstellung im Gluri Suter Hus von Eugen Meier und Walter Scherer 1981 im BT-Verlag erschienen ist.

Er gestaltete, oft zusammen mit Fachleuten, die er beizog, weitere Ausstellungen im Dorf und auswärts. Sehr eindrücklich die Ausstellung 2011 im «Melonenschnitz»: «Überflieger hierzulande. Flugpioniere in der Region Baden-Wettingen.» Ganz besonders interessierte ihn der Wettinger Flieger Hans Schmid, den er anhand von zahlreichen Dokumenten und eindrücklichen Bildern präsentierte.

Der Verstorbene war Gründungsmitglied des Quartiervereins «Lägern», später dessen Präsident und Ehrenmitglied. Er setzte sich immer – oft im Hintergrund – für ein lebenswertes Wettingen ein und engagierte sich mit einer Gruppe mit Erfolg gegen die geplante Überbauung am Sulperg.

Eugen Meier war offen gegenüber Neuem, Unkonventionellem, Überraschendem: Als einer der Ersten setzte er audiovisuelle Mittel wie Filme und Hörspiele im Unterricht ein und machte Versuche mit sprachlaborähnlichen Unterrichtsformen. Ein Profi-Revox-Gerät war zu dieser Zeit eines seiner Markenzeichen – nebst der Gauloise im Mundwinkel, denn damals war Rauchen im Schulhaus erstaunlicherweise noch kein Tabu.

Er war einer der Begründer der grossen Theatertradition an der Wettinger Bezirksschule. Dazu liest man im Jubiläumsbuch der Schule in seinem Bericht selbst: «Als ich im Französisch fragte, ob die Schüler einmal Zirkus spielen wollten, hatten sie null Bock darauf. Ich begann trotzdem. Meine Begeisterung übertraf die der Schüler. So entstand das Spektakel ‹Grand Cirque Barnum›. Es kam zu etlichen Aufführungen, auch auf einer Dorfbühne. Nun war der Geist eingefahren. Die Schüler wollten nicht mehr aufhören.»

Unvergesslich auch die Produktion in den 70er-Jahren mit dem Schweizer Fernsehen, das für einige Tage das Bezirksschulhaus besetzte und mit allen Schülern und Lehrkräften ein wildes, fantasievolles Werk schuf: «Geni und seine Bande». Eugen war damals Rektor der Schule.

Eugen Meier unterrichtete zuerst an der Bez Baden. Als 1956 die Wettinger Bezirksschule nach kürzester Planungs- und Bauzeit eröffnet wurde, wechselte er mit den rund 150 Wettinger Bezlern ins neue Schulhaus der Architekten Altherr/Hotz an der Zwyssigstrasse.

Eugen Meier war bis ins hohe Alter fasziniert und begeistert von allem Schönen: Musik, Kunst, Theater. Nicht nur als Geniesser und Konsument, sondern er war selber aktiv: Er spielte Fagott und oft sah man ihn in seiner grünen Jacke – das Instrument quer auf den Gepäckträger geklemmt – auf dem Velo (ein Auto besass Eugen nicht) durch das Dorf Richtung Baden fahren, in die Musikstunde oder zum kleinen Orchester, wo er mitspielte. Noch mit 90 Jahren kurvte er übrigens auf seinem Velo durch Wettingen.

Pfarrerin Kornelia Baumberger gestaltete eine eindrückliche Abschiedsfeier, bei der man die Persönlichkeit Eugens mit all ihren Facetten, vor allem auch seiner schalkhaften Fröhlichkeit, seiner Eigenwilligkeit, seinem Engagement in Beruf, Gemeinde und Kultur, noch einmal erleben durfte.

*Im Namen aller pensionierten Bezirksschullehrer der Bez Wettingen.

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