Wettingen
Er will die Kinder für den Wald begeistern

Nach 37 Jahren hat Revierförster Philipp Vock sein Abschiedsbündel geschnürt – doch ans Aufhören denkt er keineswegs.

Carolin Frei
Drucken
Teilen
Förster Philipp Vock denkt nicht daran, dem Wald den Rücken zu kehren. Carolin Frei

Förster Philipp Vock denkt nicht daran, dem Wald den Rücken zu kehren. Carolin Frei

Carolin Frey

Wie in einem Märchen scheint der Wald ihn einfach nicht freigeben zu wollen. Philipp Vock, der frisch pensionierte Revierförster, wird auch künftig die Waldschule betreuen und als Kursleiter im Waldwirtschaftsverband tätig sein. Zudem wird er federführend Naturschutzarbeiten für die Gemeinde Wettingen planen und anleiten. «Die Waldschule, die ich vor 15 Jahren ins Leben gerufen habe, wird im gleichen Stil weitergeführt», betont er. Andere Schwerpunkte würden sich jedoch durch das neue Schulsystem 6/3 eröffnen. «Da werde ich noch gefordert sein», sagt er. Der 62-Jährige möchte das Thema Wald und Natur mit einzelnen Klassen gerne vertiefen. Nicht alle Kinder haben einen Bezug zur Natur. «Das sieht man daran, dass ihnen die Schönheiten im Wald gar nicht auffallen.» Und genau dafür möchte er alle Kinder sensibilisieren.

Trotz dieser Aktivitäten wird nun Zeit bleiben, um seine Hobbys intensiver zu pflegen. Nebst der Jagd gehören Wandern und Fotografieren zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Vor allem aber möchte er sich mehr Zeit für seine Frau Susanne, die zwei erwachsenen Töchter und die sechs Monate alte Enkelin Vanja nehmen. Doch zuerst wolle er jetzt mal im Ruhestand ankommen. «Ich möchte einfach mal ein wenig sein, den Tag geniessen und ihn spontan planen können», sagt er.

Psychische Belastung nimmt zu

Sein Abschiedsbündel ist vollgepackt mit Erinnerungen. Vor allem die Gestaltung des Waldbilds war eine Herausforderung, die ihm grosse Freude bereitet hat. «Die langfristige Planung, wo verjüngt und wo Waldstücke extensiv genutzt werden sollen, war spannend.» Interessant sei auch gewesen, die geplante Entwicklung des Waldes zu verfolgen. In den letzten 37 Jahren hat er einiges an Veränderungen miterlebt. Während der Lehre sei noch viel Körperarbeit an der Tagesordnung gewesen. Dank der Mechanisierung und Rationalisierung falle dies nun meist weg. «Dafür nimmt die psychische Belastung zu», ist Vock überzeugt. Gut 750 ha öffentlicher Wald und gut 250 ha private Waldstücke gilt es durch den Revierförster und sein 7-köpfiges Team in Wettingen, Neuenhof und Würenlos zu betreuen. Der Holzschlag gehört immer noch zu den Hauptaufgaben. Dank der Vielfalt an Standorten können verschiedenste Hölzer an die Sägereien geliefert werden. «Und mich freuts natürlich, dass in den Wettinger Schulanlagen Schnitzelheizungen installiert sind.» Gefreut hat ihn zudem mitzuerleben, wie sich der Wald nach dem Sturm Lothar wieder erholt hat.

Mit Waldarbeit zum Taschengeld

Schon als Bub hat Philipp Vock viel Zeit im Wald verbracht. «Um mein Taschengeld aufzubessern, habe ich beim Forstbetrieb in Liestal, wo ich aufgewachsen bin, im Pflanzbetrieb oder im Wald mitgearbeitet. Das habe ihn geprägt, die Freude an der Natur geweckt. Die ist bis heute geblieben und zeigt sich in vielen nachhaltigen Projekten, die unter Philipp Vock umgesetzt wurden. Etwa die Schaffung von abwechslungsreichen Waldbildern mit artenreichen Naturverjüngungen sowie ein Naturwaldreservat integriert in den Felsfluren.

In seiner Abschiedsrede bedankte sich Philipp Vock für das gute Netzwerk und das Verständnis, das ihm seitens Gemeinderat und Kommissionen stets entgegengebracht wurde. Er habe alle Freiheiten gehabt, habe sich voll entfalten können. Das habe er sehr geschätzt, genauso wie die gute Zusammenarbeit mit seinem Team. Der Dank ging auch an seine Familie, ohne deren Unterstützung er seine Arbeit nicht mit dem gleichen Elan und der gleichen Freude hätte machen können.

Aktuelle Nachrichten