Runde zwei im bitterbösen Nachbarschaftsstreit zwischen Köbi und Guschti (Namen geändert) plus weiblichem Anhang ist für Rentner Guschti vor Gericht glimpflich ausgegangen. Während Köbi, damals als Beklagter, im letzten November zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt worden war, wurde der nunmehr beklagte Guschti freigesprochen.

Köbi hatte seinen ehemaligen Freund und jetzigen Erzfeind der Tätlichkeit, Beschimpfung und Drohung beschuldigt. Im Strafbefehl stand unter anderem, dass Guschti einen Stein gegen Köbi geworfen, ihm – ein Hackebeilchen schwingend – die Worte «schlo der de Chopf ab» an denselben geworfen sowie Köbis Ex-Freundin als «Dorfmatratze» bezeichnet habe.

Vor Einzelrichter Daniel Peyer war unüberseh- und vor allem -hörbar, dass die beiden Kontrahenten sich alles andere als grün sind. Der eine oder andere Vorfall hätte sich so oder ähnlich durchaus zugetragen haben können. Guschti aber räumte einzig ein, Köbi und dessen Ex-Freundin als «blödi Sieche» bezeichnet zu haben, alle übrigen Vorwürfe wies er weit von sich. Und da man «blödi Sieche» nun wirklich nicht als strafbare Beschimpfung bezeichnen kann, lag ein Freispruch nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» auf der Hand.

Ex-Freundin nicht unbefangen

«Es ist ein klassischer Fall von Aussage gegen Aussage», begründete Richter Peyer das Urteil. Ein Entscheid, wer von den beiden Streithähnen die Wahrheit sagt, sei bei der Ausgangslage nicht möglich, zumal auch nicht auf die Aussagen der Zeugin abgestellt werden könne. «Als Ex-Freundin von Köbi, die nach wie vor bei ihm wohnt, ist sie bei ihrer Sicht der Dinge klar nicht unbefangen.» Bei diesem Verfahrensausgang gehen sämtliche Kosten zulasten des Staates.

«Bei Philippi sehen wir uns wieder», hiess es bei den alten Griechen. Bleibt zu hoffen, dass es für Guschti und Köbi nicht «bei Daniel Peyer sehen wir uns wieder» heisst.