Baden/ Rütihof
Erfolgreiche Premiere trotz Theater-Knatsch

Das Stück «Die dritte Kolonne» feierte im Theater Remise 5406 Premiere.Vorgängige Unstimmigkeiten hinter den Kulissen wirkten sich nicht auf das Stück aus.

Ursula Burgherr
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Jaan Hellat, Marianne Kamm (Regie), Monika Peter und Ruth Rohr nach gelungenen Premiere (Bild ub)1
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Theater Rütihof Baden
Die Neue (Ruth Rohr, l.) stellt den Alltag der Alten (Monika Peter) auf den Kopf

Jaan Hellat, Marianne Kamm (Regie), Monika Peter und Ruth Rohr nach gelungenen Premiere (Bild ub)1

Ursula Burgherr

Nach dem Regisseurin Eva Schneid sich mit dem Theaterteam Remise 5406 aus Rütihof zerstritten und mitten in den Proben zu «Die dritte Kolonne» den Hut genommen hatte, zeigte sich das Publikum bei der Premiere sehr gespannt auf die Bühnenperformance des Mimentrios Monika Peter, Ruth Rohr und Jaan Hellat. Und es sei gleich vorweggenommen: Der Knatsch zeigte keine Auswirkung auf das Endprodukt. Profischauspielerin und Regisseurin Marianne Kamm, die drei Wochen vor der ersten Vorstellung notfallmässig als künstlerische Leiterin eingesprungen war, gelang ein hervorragendes «Finish». Das Ensemble begeisterte die Zuschauerinnen und Zuschauer mit seinem temporeichen und ausdrucksstarken Spiel und brachte die komische, groteske und gleichzeitig beklemmende Atmosphäre von Franz Hohlers Theatersatire lebendig zum Ausdruck.

Die Bühne im Remise-Theater 5406 in Rütihof wird zum unterirdischen Lagerraum eines Medikamentengrossisten. In Regalen türmen sich Pillenschachteln. Bestellungen plumpsen aus der Rohrpostanlage in einen Behälter, ab und zu quäkt die Stimme des Chefs im Befehlston aus der Gegensprechanlage. Das Klimagerät rauscht, die Beschallungsanlage knistert und es ist so gemütlich, wie in einem Grab. In dieser eintönigen und kalten Welt der vollkommenen Ordnung funktioniert seit Jahr und Tag eine ältliche Frau mit automatenhaften Bewegungen und einer Mimik, die sich keine Entgleisungen erlaubt. Doch dann kommt die «Neue». Sie trägt Blumen im Haar, kaut Kaugummi, macht Witze und lockt sogar den Patron aus der Reserve. Plötzlich dringt Chaos in den Keller ein. Noch gefährlicher: Es kommt sogar Leben auf. Selbst die vertrocknete, ältliche Kraft entdeckt Spuren von Lebendigkeit in sich.

Zwischen Tragik und Komik

Mit skurrilen Elementen wie einem Schweinekopf wird in «Die dritte Kolonne» gezeigt, wie leicht die sogenannte Normalität in den Wahnsinn kippen kann. Franz Hohler stellt in seinem Theaterstück aus den 70er-Jahren spöttisch die viel gepriesene Schweizer Ordnung und Disziplin infrage. Konnte Regisseurin Marianne Kamm dem Bühnenwerk trotz des Kurzeinsatzes ihre eigene Handschrift verleihen? «Ja», meint sie, «während die Schauspieler vorher ihren Fokus vor allem auf die witzigen Pointen setzten, versuche ich auch die psychologische Tiefgründigkeit des Bühnenwerks zum Vorschein zu bringen».

Vorstellungen 19., 21., 22., 28. und 29. August, 20.15 Uhr, Theater Remise 5406, Kirchgasse 16, Rütihof.