«Wir sind froh, dass wir einen guten Abschluss gefunden haben», sagt, sichtlich erleichtert, Doris Zimmerli.

Und ihre Nachbarin Marianne Candreia ergänzt: «Auf der Strasse haben mir schon mehrere Leute gratuliert.»

Die beiden Frauen haben sich mit den anderen Bewohnern des Hauses Bahnhofstrasse 18 in Turgi gegen den geplanten Begegnungsraum der Siebenten-Tags-Adventisten gewehrt. Die Adventisten wollten das Haus als Basis für «Strassen-, Markt- und Kontaktaktionen» nutzen.

Mission misslungen, Adventisten gehen.

Mission misslungen, Adventisten gehen

In einer Stellenausschreibung für das Projekt Turgi schrieben sie: «Die Gemeindeleitung hat eine stark missionarische Ausrichtung und wünscht, dass ihre Bemühungen fruchtbarer werden können.» Darob fühlten sich nicht nur die Stockwerkeigentümer, sondern auch Anwohner die Gewerbetreibenden sehr verunsichert.

«Meine Bank erklärte ganz klar, dass der Wohnungswert sinken wird», sagt Zimmerli. 

«Noch nie haben wir eine so starke Gegnerschaft erlebt wie in Turgi», sagt Herbert Bodenmann, Mediensprecher der Siebenten-Tags-Adventisten. «Deshalb hat es keinen Sinn gemacht, am Projekt festzuhalten.»

Vorerst werden die Adventisten ihre Gottesdienste wie bisher in der reformierten Kirche Turgi abhalten. Wie lange dies noch möglich ist, hängt von den Plänen der Reformierten Kirchgemeinde Birmenstorf Gebenstorf Turgi ab.

Diese hat beschlossen, die Kirche abzureissen und auf dem Areal neben Wohnhäusern eine neue Kirche aufzustellen.

Bereits wurde gegen dieses Vorhaben beim Gemeinderat Turgi eine Petition eingereicht. Für Bodenmann ist das Leben der Adventisten nicht zwingend an Turgi gebunden, er kann sich auch einen anderen Standort in der Region vorstellen.

Konkret gäbe es aber keine Pläne. Eine vor etwa einem halben Jahr in Aussicht genommene Möglichkeit hat sich, so Bodenmann, «am Preis zerschlagen». Prediger Arnold Zwahlen will sich zum Fall Turgi nicht mehr äussern.

Angefangen hatte die Auseinandersetzung vor rund anderthalb Jahren. Das erst im Rohbau erstellte Lokal im Erdgeschoss stand lange leer. Darauf kaufte Max Egger aus Wil ZH das Laden.

Er reichte ein Baugesuch für das Begegnungszentrum der Adventisten ein. Gegen dieses regte sich in Turgi sofort Widerstand. Mehrfach wurde Einsprache erhoben und zudem wurde eine Petition lanciert.

Innert kurzer Zeit kamen 528 Unterschriften zusammen. Es folgten teils sehr mühsame Verhandlungen.

Schliesslich einigten sich Stockwerkeigentümer und Adventisten auf den Verkauf. «Selbstverständlich haben wir unsere Einsprache zurückgezogen», sagt Marianne Candreia.

Drei Paare aus dem Haus haben jetzt das Lokal gekauft. «Nun liegt es in unserer Hand, darüber zu entscheiden», sagt Zimmerli.

Ob sie es verkaufen oder vermieten werden, sei noch offen: «Wir suchen einen Betrieb, der zur Belebung der Bahnhofstrasse beiträgt und keines der bestehenden Geschäfte konkurrenziert.»