Baden/Wettingen
Erfolgsrezept: So überleben zwei Spieleläden im Online-Zeitalter

In den letzten Jahren haben Smartphones, Tablets und Konsolen die Vorherrschaft in Kinderzimmern übernommen. Spielfachgeschäfte Playland in Wettingen und Miracoolix in Baden unterstützen diese Spiele nicht – ganz bewusst.

Leonie Voelkin
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Monika Weiss und Markus Hadorn vom Spielfachgeschäft Miracoolix spielen zusammen Indoorcurling.

Monika Weiss und Markus Hadorn vom Spielfachgeschäft Miracoolix spielen zusammen Indoorcurling.

Leonie Voelkin

Bis zur Industrialisierung wurden Spielzeuge vorwiegend selbst hergestellt. Heute setzt die Spielindustrie weltweit pro Jahr rund 100 Milliarden Franken um. Trotz digitaler Spiele, internationaler Unternehmen wie Toys’r’us und Onlinekäufen halten sich kleinere Fachgeschäfte wie das Playland in Wettingen und das Miracoolix in Baden erstaunlich gut. – Sie haben ihr eigenes Erfolgsrezept.

Rückblick: 1966 eröffnete Familie Bodenmann in Wettingen das Playland. Das Geschäft wuchs stetig und sie teilten das Playland in Spielwaren und Bahn+Hobby. «Letztes Jahr mussten wir uns von Bahn+Hobby trennen. Modelleisenbahnen sind nicht mehr so gefragt und rentieren nicht mehr», sagt Brigitte Carlyle-Bodenmann, Inhaberin. Dafür habe es mehr Platz gegeben, um Waren wie Bobbycars oder Laufgestelle besser präsentieren zu können. Das Geschäft bietet für jedes Alter Spielwaren. «Senioren kaufen bei uns Puzzles und frisch gebackene Götti Rasseln für Babys», sagt Carlyle. «Als Fachgeschäft sind wir den Kunden sehr nah und können auf die einzelnen Bedürfnisse eingehen und die Sachen können ausprobiert werden», sagt sie.

Keine Zeit mehr zum Spielen

In den letzten Jahren haben Smartphones und Tablets nebst anderen Konsolen wie Nintendo oder Playstation die Vorherrschaft in Kinderzimmern übernommen. «Wir unterstützen diese Art von Spiel nicht, wir verkaufen Brettspiele, Briobahnen und Puppen», sagt Carlyle. «Es ist wichtig und schön miteinander zu spielen ohne Konsolen. Das gilt für Kinder wie auch für Erwachsene.»

Der Wert eines Gesellschaftsspiels gehe oft und schnell vergessen. Wichtig sei auch der Aspekt der Funktion von Spielsachen als Lernmittel. Spielwaren sind pädagogisch wertvoll und Eltern achten darauf Spielzeug auszusuchen, das dem Alter und den Fähigkeiten des Kindes entspricht. «Auf dem Spielzeugmarkt dominieren gewisse Produkte, Figuren zu aktuellen Disney Filmen sind in, hingegen Barbies sind nicht mehr beliebt», sagt Carlyle. «Den Hauptumsatz machen wir mit dem Weihnachtsgeschäft, dann sind wir gefordert, können aber mit Know-how und Erfahrung punkten.»

Ähnliches sagt auch Monica Weiss vom Spieleladen Miracoolix in Baden. Weiss und ihr Partner Markus Hadorn machten sich vor 16 Jahren ihr Hobby zum Beruf. «Der jetzige Standort bringt viel Laufkundschaft.» In dem Geschäft wird vieles aus Holz verkauft. Erzeugnisse aus der Schweiz und Werkstätten und vor allem Brett- und Gemeinschaftsspiele füllen dort die Regale. «Unser Ziel ist es, den Leuten das Spielen näher zu bringen», sagt Monica Weiss. «Dafür gehen wir gerne an Veranstaltungen mit einer Auswahl von Spielen. Gerade haben wir mit dem Indoorcurling an der Herbstmesse erfolg gehabt.»

Seit 5 Jahren ist Miracoolix nun in Baden beheimatet und veranstaltet jeden letzten Mittwoch im Monat einen Spielabend in der Stadtbibliothek. Viele Leute hätten heutzutage nicht mehr viel Zeit zum Spielen, und sie spüre die Übersättigung von Freizeitbeschäftigungen, sagt Monica Weiss. In städtischen Gebieten sei das noch viel extremer als auf dem Land. «Das ist natürlich schade, denn beim Spielen werden Masken abgelegt und die Leute lernen sich dabei richtig kennen. Spielen heisst, immer wieder Abenteuer zu erleben. Mal lustig, mal sehr konzentriert, mal frustriert.»