Der aktuellste Untersuchungsbericht zum Bachwasser in Wohlenschwil vom Dezember 2018 sorgt für Reaktionen. Hintergrund: Im Bericht wies unter anderem der Laubisbach beim Grundwasserpumpwerk Frohberg und beim Bildhauerhüsli einen erhöhten Nitratwert auf. Wie die Gemeinde in ihrem Infoblatt mitteilt, sind die «relativ hohen Nitratwerte auf die intensiven Regenfälle im Dezember» zurückzuführen.

Als Reaktion fordert ein Leser den Gemeinderat im «Reussboten» auf, entweder – wohl nicht ganz ernst gemeint – den Niederschlag auf dem Gemeindegebiet zu begrenzen oder wirksame Einschränkungen bei der landwirtschaftlichen Nutzungen zu erlassen. Die Befürchtung des Leserbriefschreibers: dass Gülle und Düngemittel infolge der landwirtschaftlichen Nutzung das Grundwasser verschmutzen könnten. Doch hängen Bach- und Grundwasser überhaupt zusammen?

Peter Meyer, Nitrat-Obmann der Gemeinde Wohlenschwil, erklärt auf Anfrage, wie es erst zu den erhöhten Nitratwerten kommen konnte: «Weil es im Dezember intensiv geregnet hat, ist es vermutlich in Kombination mit der Trockenheit 2018 zu Ausschwemmungen im Einzugsgebiet des Laubisbachs gekommen. Das hat dazu geführt, dass das in den Böden enthaltene Nitrat via Drainagen ins Bachwasser gelangt ist.» Die erhöhten Werte hätten aber kaum Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität, versichert Meyer, der seit 1994 als Nitrat-Obmann tätig ist und die Entwicklung der Werte mit Argusaugen beobachtet: «Der Laubisbach infiltriert sich nur marginal in das Grundwasser der Gemeinde.»

Christoph Ziltener, Fachspezialist Ressourcenschutz von Landwirtschaft Aargau, ergänzt und betont: «Zwischen den Nitratwerten des Laubisbachs und des Grundwassers besteht kaum ein Zusammenhang. Sie müssen getrennt voneinander betrachtet werden.» Der Laubisbach wird zweimal jährlich beprobt, wobei das Gewässer 2003, ebenfalls nach einem Trockenjahr, das letzte Mal erhöhte Nitratwerte aufwies. Vielmehr als der Nitratwert stehe beim Laubisbach die bakteriologische Zusammensetzung im Vordergrund, da der Bach durch die Grundwasserschutzzone fliesst. «Was hingegen die Nitratbelastung des Grundwassers betrifft, wird diese seit vielen Jahren durch das Nitratprojekt kontrolliert und gesichert», sagt Ziltener.

Nitratprojekt schützt Trinkwasser

Das Wohlenschwiler Nitratprojekt zum Schutz des Grundwassers wurde 1996 lanciert. Die Vorgeschichte: Anfang 1995 lag der Nitratgehalt im Pumpwerk Frohberg über der 50-Milligramm-Grenze. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung hatte das Grundwasser verschmutzt. Die Bevölkerung durfte kein Leitungswasser mehr trinken, «Frohberg» wurde leergepumpt und vorübergehend stillgelegt. Ab 1996 wurden daher im Rahmen einer sechsjährigen Pilotphase namhafte Ackerflächen in extensiv genutzte und ungedüngte Wiesen umgewandelt, wobei die Stilllegung von Ackerbau auf Freiwilligkeit basiert und entschädigt wird. Das Projekt zeigte Wirkung: Der Nitratgehalt im Grundwasser sank bis 2003 um mehr als die Hälfte.

Das Pilotprojekt wurde mittlerweile in ein ordentliches Nitratprogramm überführt. Dieses wird alle sechs Jahre erneuert und heute von Bund und Gemeinde finanziert. «Das Programm hat sich bewährt und ist ein Erfolg. Es ist wichtig, dass alle am selben Strick ziehen; die Gemeinde und die Landwirte», zieht Peter Meyer Bilanz. Für Letztere sei eine Teilnahme nicht selbstverständlich, würden sie doch ihr Ackerland aufgeben und stattdessen Gras säen. «Wir müssen bestrebt sein, die Trinkwasserqualität auch in Zukunft aufrecht zu erhalten.»

2020 läuft das aktuelle Nitratprogramm aus, die Gemeinde muss die Verträge mit den Landwirten neu verhandeln. «Wir hoffen, dass alle wieder daran teilnehmen», sagt Meyer. Er wird – wie in den Jahren zuvor – versuchen, die Landwirte zu überzeugen, dass das Einzugsgebiet des Grundwassers als Wiese zu belassen sei. Denn vielmehr als die Gülle und der Dünger sei der Boden, der durch die Bodenbearbeitung aufgelockert und so anfälliger für Nitrat-Auswaschungen werde, das Problem.