Stadtrat Baden
Erich Obrist tritt ab: SP will Sitz im Stadtrat zurückholen – das sind die drei meistgenannten Kandidaten

Karin Bächli (SP), Gian von Planta (GLP) und Stefan Jaecklin (FDP) sind meistgenannte Kandidaten – was sie selbst sagen.

Pirmin Kramer
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«Überlege mir eine Kandidatur»: Gian von Planta (GLP).
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Vermisst derzeit die Politik: Karin Bächli (SP).
«Konstellation muss stimmen»: Stefan Jaecklin (FDP).
Vermisst derzeit die Politik: Karin Bächli (SP). «Überlege mir eine Kandidatur»: Gian von Planta (GLP). «Konstellation muss stimmen»: Stefan Jaecklin (FDP). Der Badener Stadtrat Erich Obrist tritt per Ende Jahr zurück. Bereits melden erste Kandidatinnen und Kandidaten ihre Ambitionen für die Nachfolge an.

«Überlege mir eine Kandidatur»: Gian von Planta (GLP).

Bilder: asp/zvg/asp Karikatur: Silvan Wegmann

Ende Jahr tritt Erich Obrist (parteilos) als Stadtrat von Baden zurück. Wer will bei den Wahlen im Herbst seinen Sitz erobern? Klare Worte sind von den Sozialdemokraten zu hören. Die Partei, derzeit mit Vizeammann Regula Dell’Anno im Stadtrat vertreten, will einen zweiten Sitz holen – beziehungsweise zurückholen. 2015 hatte Erich Obrist, der verlorene Sohn, der kurz zuvor aus der Partei ausgetreten war, seiner ehemaligen Partei den Sitz weggeschnappt. Parteipräsidentin Selena Rhinisperger macht nun kein Geheimnis aus den Zielen der SP: «Es ist unser Anspruch, doppelt im Stadtrat vertreten zu sein.» Aufgrund der Wähleranteile sei dieser Anspruch berechtigt.

Innerhalb der SP wird eine Kandidatur ernsthaft diskutiert: Karin Bächli, die langjährige Einwohnerrätin und ehemalige Einwohnerratspräsidentin, wollte 2017 schon einmal Stadträtin werden. Doch den Einzug in die Regierung schaffte nicht sie, sondern überraschend die parteilose Sandra Kohler. Für viele SP-Mitglieder wäre Bächli nun erneut die Wunschkandidatin, wie zu hören ist. Die Aussage von Bächli dürfte ihnen Hoffnung machen: «Ja, ich mache mir Gedanken, bei den Gesamterneuerungswahlen anzutreten. Seit meinem Rücktritt aus dem Einwohnerrat bin ich immer wieder in Kontakt mit der Parteileitung, noch bevor Erich Obrist seinen Rücktritt bekannt gegeben hat.» Die vergangenen Monate ohne Politik habe sie einerseits genossen – das Leben sei entschleunigt gewesen. «Aber ich habe die Politik auch vermisst. Es ist ein Privileg, das eigene Lebensumfeld mitgestalten zu können.»

SP entscheidet im März

Die SP wird ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten an der Mitgliederversammlung im März nominieren. Wie ernst es die Partei mit der Rückeroberung des zweiten Stadtratssitzes meint, beweist die Tatsache, dass die Parteileitung schon vor Wochen ein Aufruf startete. «Doch Interessenten zu finden, ist kein einfaches Unterfangen», sagt Selena Rhinisperger, die selbst nicht antreten wird. Sie könne sich nicht erinnern, dass je ein amtierender Stadtrat abgewählt worden sei, mit Ausnahme von Geri Müller. «Durch den Rücktritt von Erich Obrist eröffnen sich nun aber ganz neue Optionen im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen im Herbst.»

GLP: «Wir haben klar Anspruch auf einen Sitz»

Nach der Rücktrittsankündigung von Erich Obrist wird nun wohl auch die GLP ein Wörtchen mitspielen. Die Partei gehörte bei Wahlen in der Stadt Baden in den vergangenen Jahren stets zu den Siegern. Sei es bei Nationalrats-, Grossrats- oder Einwohnerratswahlen. Fraktionspräsident Gian von Planta sagt: «Wir befassen uns seit Ende des letzten Jahres mit den Gesamterneuerungswahlen im Herbst. Aufgrund der Wählerstärke haben wir klar Anspruch auf einen Sitz, wir waren beispielsweise bei den Nationalratswahlen drittstärkste Partei in Baden.» Wären alle amtierenden Stadträte noch einmal angetreten, hätte eine Kampfkandidatur wohl nur mit einer Frau Chancen gehabt, sagt von Planta. Er selbst hatte der Parteileitung schon abgesagt. «Durch den Rücktritt von Erich Obrist bietet sich nun aber eine realistische Chance für alle in unserer Partei. Auch ich überlege mir ­darum eine Kandidatur», sagt von Planta, der sowohl Einwohnerrat- als auch Grossrat ist.

FDP: Eine Frage des Supports

Unklar ist, ob die FDP einen Kandidaten oder eine Kandidatin ins Rennen schicken wird. Oliver Steger, Co-Parteipräsident, sagt: «Die Situation hat sich durch die Rücktrittsankündigung von Erich Obrist verändert. Wir werden die Situation nun analysieren. Im Moment ist es zu früh für eine Aussage.»

Dennoch wird ein Name in Gesprächen mit Politikerinnen und Politikern mehrfach genannt: Stefan Jaecklin. Der FDP-Einwohnerrat kandidierte eben erst, im vergangenen Herbst, als Stadtrat – unterlag dort aber Benjamin Steiner (Team Baden). Auf Anfrage sagt Stefan Jaecklin: «In erster Linie muss die FDP entscheiden, ob sie jemanden ins Rennen um den Sitz schicken möchte. Momentan schaue ich, wie sich die Situation entwickelt. Alle Optionen sind für mich offen.» Damit er nochmals antrete, müsse vieles stimmen: «Der Support muss da sein, die Konstellation muss stimmen. Und ich müsste mir überlegen, ob ich nach dem langen Wahlkampf 2020 erneut Zeit und Energie investieren kann.»

SVP: Zu wenig Support von der Mitte

Vermutlich niemanden ins Rennen schicken wird die SVP. Fraktionspräsident Daniel Glanzmann erklärt: «Ich selbst trete nicht an, auch Parteipräsident Adrian Gräub nicht.» Eine Sitzung habe zwar noch nicht stattgefunden, «aber erfahrungsgemäss wird sich wohl niemand zur Verfügung stellen.» Die Wähleranteile der SVP in Baden seien nicht hoch genug, damit ein Kandidat oder eine Kandidatin realistische Chancen hätte, sagt Glanzmann. «Wir dürften uns nur dann Hoffnungen auf einen Sitzgewinn machen, wenn uns alle bürgerlichen Parteien plus die CVP unterstützen würden, die leider aber in Baden keine bürgerliche Politik mehr macht und auf deren Support wir wohl nicht zählen könnten.»