Baden

Erinnerungen an ein tragisches Badener Künstlerleben

Happy End einer Räubergeschichte 2004: Josef Tremp, Josef Bürge, Sabine Altorfer, Othmar und Berthe Zehnder mit dem gestohlenen Schommer-Bild. Az/Archiv

Happy End einer Räubergeschichte 2004: Josef Tremp, Josef Bürge, Sabine Altorfer, Othmar und Berthe Zehnder mit dem gestohlenen Schommer-Bild. Az/Archiv

Freunde von Erico Schommer ehrten den verstorbenen Badener Künstler mit einem Podiumsgespräch im Kunstraum Baden. Dabei liessen sie die alten Zeiten noch einmal aufleben.

Gemeinsam mit Sabine Altorfer, Kulturredaktorin der az, blicken die Podiumsteilnehmer auf die wilden Badener Jahre zurück, die Erico Schommer mitgestaltet hat. Trauer herrscht keine, ganz im Gegenteil: Man unterhält sich mit einem breiten Schmunzeln über den Künstler und seine Werke: «Er wusste, dass er früh sterben würde, deshalb wollte er nie die AHV zahlen», gibt der Künstler Attila Herendi preis.

«Er trug immer seinen grünen Reportermantel und eine Sonnenbrille», erinnert sich Journalist Urs Tremp. Erico Schommer war kein besonders kommunikativer Mensch. Er hat lieber gezeichnet, lebte zurückgezogen und einsam in seiner abgedunkelten Wohnung.

In seiner Bildsprache teilte er sich umso kommunikativer mit. Inspiriert von Salvador Dalí, schaffte er eine surreale Traumwelt voller Symbolik. In seinen hyperrealistischen Darstellungen spiegeln sich seine Homosexualität, seine chronische Angst vor dem Weltuntergang und sein späterer LSD-Konsum.

«Erico Schommer löste grosse Diskussionen aus. Die Kunst lag mehrheitlich in konservativen Händen und neue Tendenzen wurden nicht akzeptiert», gibt Josef Tremp, ehemaliger Badener Stadtarchitekt, Einblick in die Wahl der Galerien.

Konflikt zwischen Geld und Kunst

Mit dem Gestalten von Schallplattencovers konnte Erico Schommer sich zwar in seiner Geldnot über Wasser halten, aber dadurch herrschte auch ein hoher Produktionsdruck. Ein Konflikt, mit dem viele Künstler bis heute noch kämpfen.

«In den neueren Malereien spürt man nicht die gleiche Intensität, Leuchtkraft und Ausdrucksstärke. Deshalb sind seine alten Werke sicher die besseren», erklärt Sabine Altorfer die Auswirkungen auf seine Arbeit.

«Wir haben nicht das Recht, von einem Künstler zu verlangen, dass er sein ganzes Leben lang einen Hochflug hat», gibt Niklaus Oberholzer, der als Kunstkritiker in Baden fürs «Aargauer Volksblatt» tätig war, zu bedenken.

Abgerundet wurde der Abend mit einem Beitrag von Levent Pinarci, einem jungen Künstler, der mit eigenen Beiträgen auf die Ausstellung des verstorbenen Künstlers reagiert hat.

Er nimmt eine radikale Gegenposition zu den realistischen, surrealen Malereien Schommers ein. Dennoch ähneln sich die Künstler in ihrem Interesse, die Fantasie mit der Realität zu verbinden.

Ausstellung: Erico Schommer im Kunstraum Baden noch bis 17. Januar.

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