Gross war die Euphorie im Frühling, als die langersehnten Bauarbeiten im Badener Bäderquartier endlich losgingen. «Ein Geschenk des Himmels», nannte Architekt Mario Botta die Thermalquellen damals. Das neue Thermalbad soll Baden endlich wieder zu dem machen, was es jahrhundertelang war: ein Wellness- und Badeort allererster Güte. Jetzt ist klar: Das Thermalbad wird voraussichtlich rund ein Jahr später eröffnet als zuletzt geplant. Das Bad soll statt im Herbst 2020 erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 seine Türen öffnen. Das angegliederte Ärztehaus und die Reha- und Präventionsklinik im historischen Verenahof-Geviert sollen dagegen «nur» ein halbes Jahr später, im Frühjahr 2021, eingeweiht werden.

Der Hauptgrund für die Verzögerung: Bei den Bauarbeiten ist man auf eine dreimal grössere Menge von sogenannt «inertem» Aushubmaterial gestossen als erwartet. Als «inertes Material» bezeichnet man in der Fachsprache Bauabfälle, die zu mindestens 95 Prozent aus Steinen, Beton, Ziegel, Glas, Mauerabbruch oder Strassenaufbruch bestehen und, nach einer Trennung vor Ort, in einer speziellen Deponie entsorgt werden müssen. Das habe die Aushubarbeiten um mehrere Monate verlängert, teilt die Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden mit. Die Stiftung ist über ihre Tochtergesellschaft Verenahof AG als Bauherrin federführend beim Bäderprojekt. Mitte April feierten die Stadt Baden, die Stiftung und das Generalunternehmen HRS Real Estate den Spatenstich für die Grossbaustelle.

Keine Finanzierungsprobleme

Aufmerksamen Anwohnern der Badener Bäder ist es in den vergangenen Wochen schon aufgefallen: Auf der Grossbaustelle im Limmatknie wurde zuletzt kaum mehr gearbeitet, die Bagger wurden nach dem Abbruch des alten Bäder-Parkhauses und dem Rückbau der alten Thermalbad-Überreste abgezogen. Es gab auch vereinzelte Gerüchte, dass der Grund für den zwischenzeitlichen Baustopp Finanzierungsprobleme seien. «Gerüchte wie Probleme mit der Finanzierung kann ich klar dementieren. Die genannten Umstände führen dazu, dass die Eröffnung der Gebäude verschoben werden muss», sagt Marc Bertschinger, Kommunikationsleiter der Stiftung Gesundheitsförderung. «Alle am Projekt beteiligten Unternehmen sind selbstverständlich daran interessiert, die Bauvorhaben so bald wie möglich fertigzustellen.»

Aber waren die Materialfunde auf einem so geschichtsträchtigen, seit 2000 Jahren besiedelten Baugrund nicht vorhersehbar? Cassandra Buri, Kommunikationsleiterin der HRS Real Estate, erklärt: «Diese unerwartet grosse Menge inerten Materials kam für alle Beteiligten überraschend.» Bauherrschaft und Generalunternehmen stützten sich bei der Planung auf die Expertise von unabhängigen Experten ab.

Weitere Gründe für die Verzögerung seien zudem neue geologische Erkenntnisse auf der Baustelle. «Man hat entschieden, auf dem Gebiet der geplanten Baupiste eine erneute Prüfung des Untergrunds durchzuführen», sagt Buri. «Dabei wurde die Gefahr, die unter der geplanten Baupiste vorhandene Keuperschicht und die Quellen zu beschädigen, als zu hoch eingestuft.» Deshalb habe man eine Neuführung der Baupiste in Angriff genommen, was ebenfalls eine Verzögerung beim Baufortschritt zur Folge hatte. Um die Keuperschicht und vor allem die darin liegenden Thermalquellen zu schützen, habe man entschieden, die Bauplatz-Erschliessung neu zu planen und die geänderten Pläne der kantonalen Baubehörde einzureichen, heisst es auch von der Stiftung Gesundheitsförderung.

Die grosse Chance für Baden: Spatenstich für das neue Thermalbad

17. April 2018: Spatenstich für das neue Thermalbad

Mit geladenen Gästen wird der symbolische Spatenstich in den Bädern von Baden gefeiert. 

Start des Hochbaus im Frühling

Der nahende Winter lasse nun aus den genannten Gründen den Start der Baumeisterarbeiten erst im Frühling 2019 zu. In der Folge verschiebe sich die Hochbauphase für das Thermalbad sowie das Ärzte- und Wohnhaus, weshalb die Eröffnung der drei voneinander abhängigen Bauvorhaben erst im Jahr 2021 stattfinden könne: Die im Verenahof-Geviert geplante Klinik für Prävention und Rehabilitation und das Ärzte- und Wohnhaus sollen im Frühling 2021, das Thermalbad im zweiten Halbjahr 2021 eröffnet werden.

Die am Bauprojekt beteiligten Partner würden die Verzögerung bedauern, aber einer sicheren, qualitativ hochstehenden Bauweise den Vorzug gegenüber einer stringenten Termineinhaltung geben. «Dennoch werden auch in den Wintermonaten die Arbeiten nicht ruhen, da sowohl beim Bad als auch im Verenahof-Geviert vom Wetter nicht tangierte Bauarbeiten wie Mauer-Abbrüche und Schadstoffentsorgungen weitergeführt werden können», sagt Marc Bertschinger.

Das neue Thermalbad im Limmatknie soll nach seiner Fertigstellung 1000 Quadratmeter Wasserfläche in neun Innen- und Aussenbecken bieten, teilweise mit Aussicht auf die Ennetbadener Goldwand. Im Bad soll es zudem ein Restaurant, zahlreiche Behandlungsräume und eine Saunalandschaft geben. Das 47 Grad heisse Thermalwasser wird aus mehreren der 21 Quellen in Baden und Ennetbaden zugeführt. Die Baukosten für das neue Bad inklusive Parkhaus, die Klinik und das Ärztehaus liegen bei rund 150 Millionen Franken. Insgesamt entstehen im Bäderquartier rund 280 neue Arbeitsplätze.

Thermalbäder in Europa: