Gross war die Erleichterung am 9. Februar, als die «Schweiz am Wochenende» über die Rettung des «Himmels» in Baden berichtete. Quasi in letzter Sekunde wurde der Konkurs des 170-jährigen Traditionshauses abgewendet: Die Bäckerei Konditorei Frei AG mit Sitz in Obersiggenthal übernahm den «Himmel» und das «Delise» in Baden sowie das «Bijou» an der Wettinger Landstrasse und damit auch die 35 Mitarbeitenden. Wie verlief die Übernahme, was hat sich seither getan und wieso sehen die Cafés mehr oder weniger immer noch gleich aus wie vor der Übernahme?

Der neue Inhaber Dominik Frei (48) – er führt das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder Hansjörg – blickt auf intensive und vor allem auch emotionale Wochen zurück: «Als ich am Samstag, als die Übernahme in der Zeitung verkündet wurde, den ‹Himmel› besuchte, waren die Reaktionen überwältigend.» Doch nicht nur vor Ort habe er Rückmeldungen erhalten. «Dank digitalen Medien erreichten mich schon am Samstag Glückwünsche aus der ganzen Welt», sagt Frei. Besonders berührend sei der Moment gewesen, als er zusammen mit dem ehemaligen Geschäftsführer und jetzigen Produktionsleiter Jörg Holstein das Café betreten habe. «Viele Kunden haben geklatscht und sich bedankt, dass das Traditionscafé weiter Bestand haben wird.»

Natürlich sei dieser erste Tag in Sachen Emotionen der intensivste gewesen. «Doch ich erhalte heute noch Rückmeldungen von Menschen, die einfach nur froh sind, existiert das Café weiter, mit dem nicht wenige Kindheitserinnerungen verbinden. Auch wenn er sich – und das betont Frei immer wieder – nicht als der grosse Retter sieht, «so machen solche Rückmeldungen natürlich grosse Freude». Daneben habe es aber auch kritische Stimmen gegeben, wie etwa: «Was hast Du Dir da aufgeladen?! Bist Du sicher, dass Du das ganze Ausmass der wirtschaftlichen Misere des ‹Himmels› erkannt hast?» Oder Stimmen, die davor warnten, dass die Übernahme eventuell das ganze Unternehmen mit seinen bereits elf Filialen in Gefahr bringen könne.

Investitionen werden geprüft

Doch sechs Wochen nach der Übernahme zieht Frei eine positive Bilanz: «Böse Überraschungen sind bisher ausgeblieben.» Im Gegenteil: Die übernommenen Mitarbeiter seien sehr motiviert und würden sich auf Neues einlassen. «Man darf nicht vergessen: Der Betrieb stand kurz vor dem Konkurs.

Am 11. Februar sind wir quasi bei null gestartet, auch wenn wir auf dem Bestehenden aufbauen konnten», sagt Dominik Frei. Auch seine bisherigen 160 Mitarbeitenden seien dabei gefordert. «Wir müssen jetzt zwei Firmenkulturen zusammenführen, das ist eine Herausforderung.» Vom Badener Gewerbe sei er schon einmal sehr gut aufgenommen worden.

In einer ersten Phase sei es darum gegangen, den Betrieb in den drei Filialen zu stabilisieren. In der zweiten Phase seien dann die Arbeitsabläufe angepasst worden. «Und jetzt geht es darum, die Betriebe wieder wirtschaftlich fit zu machen.» Erst, wenn die Wirtschaftlichkeit geprüft worden sei, werde man entscheiden, bei welcher Filiale man was investieren wolle, so Frei. «Das erklärt auch, weshalb man von aussen im Moment noch keine grossen Veränderungen sieht. Wir wollten keine Schnellschüsse.» Vielmehr sei Geduld gefragt – ähnlich wie bei einem guten Brotteig, der auch eine Zeit lang ruhen müsse. «Doch in der zweiten Jahreshälfte wollen wir das angehen.»

«Himmel wird Himmel bleiben» – Dominik Frei nach der Übernahme im Interview:

Dominik Frei: «Himmel wird Himmel bleiben»

(8. Februar 2019)

  

Tradition und Moderne zugleich

Das heisst aber nicht, dass noch gar nichts verändert wurde. «Wir haben – nicht zuletzt wegen der Rückmeldungen – die Qualität des Kaffees verbessert.» Zudem gebe es im «Delise» und im «Bijou» bereits eine grosse Auswahl an «Frei»-Produkten. «Bis Ende April wird es in allen drei Filialen unsere typischen Brot-Auslagen geben.»

Eines ist für Frei klar: «Wir sind uns der Bedeutung des ‹Himmels› in Baden absolut bewusst.» Man wolle dem «Himmel» den Glanz alter Tage zurückgeben. «Die Herausforderung ist dabei, die Tradition mit dem Modernen zu verbinden.» Dabei sei man durchaus offen für Inputs, auch kritischer Natur, wie dies jüngst in der BT-Kolumne von Simon Balissat passierte. «Wir haben unsere Aufgaben verstanden», sagt Frei mit einem Lachen. So sei man bereit, auch Neues anzudenken – verraten wolle er aber noch nicht zu viel. Kern-Geschäft wird aber die Bäckerei bleiben. Frei: «Unser Familienbetrieb steht für natürlich hergestellte und deshalb lang haltbare Brote. So wollen wir den Badenern wieder die Freude am Brot zurückgeben.»

«So viele Emotionen» nach der «Himmel»-Rettung

«So viele Emotionen» nach der «Himmel»-Rettung

Nach der Talfahrt die Erlösung: Kurz bevor der Konkurs des Badener Caféhauses «Himmel» eröffnet worden ist, sprang Dominik Frei, Inhaber der Bäckerei Frei aus Nussbaumen, in die Bresche. Das sorgt für strahlende Gesichter beim Personal und den Kunden des Traditionscafés. Der Tele-M1-Bericht vom Samstag, 9. Februar.