Baden
Erste Notschlafstelle im Aargau geplant

Eine Notschlafstelle soll Obdachlosen im Aargau bereits diesen Winter zur Verfügung stehen. Abklärungen für eine Liegenschaft in Baden laufen.

Ricarda Meyer
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Wer wenig Geld hat, hat es oft schwer, eine Wohnung zu finden - und landet unter Umständen in einer Notschlafstelle. (Symbolbild)

Wer wenig Geld hat, hat es oft schwer, eine Wohnung zu finden - und landet unter Umständen in einer Notschlafstelle. (Symbolbild)

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE

Der Winter naht – und damit steigt die Zahl der Obdachlosen und betreuungsbedürftigen Personen, die eine Unterkunft benötigen. In Baden sollen noch diesen Winter eine Notpension und eine daran gebundene Notschlafstelle eingerichtet werden, die Anlaufstellen für den Kanton Aargau sind.

Für das Projekt setzt sich eine Interessengemeinschaft unter der Führung der unabhängigen christlichen Sozialinstitution «Hope» in Baden ein. In der IG Notschlafstelle vertreten sind auch die Aargauer Landeskirchen, das Beratungszentrum BZBplus Baden sowie die Reformierte Kirchgemeinde Baden. Sie sind sich einig: Eine Notschlafstelle brauche es unbedingt. Es fehle insbesondere an Übernachtungsangeboten für Obdachlose mit psychischen Problemen und Suchterkrankungen, die wenig Verantwortung für ihr teilweise destruktives und unkontrolliertes Verhalten übernehmen können.

Geschultes Personal notwendig

Künftig sollen Obdachlose in der Notfallstelle von 19 Uhr abends bis morgens um 9 Uhr von zwei Personen betreut und verpflegt werden. Eine solche engmaschige Betreuung ist laut Daniela Fleischmann, Geschäftsleiterin von «Hope», nötig: «Wenn jemand austickt, muss geschultes Personal zur Stelle sein.» Damit die Notschlafstelle realisiert werden kann, soll sie organisatorisch an eine Notpension gebunden werden. «Eine Notpension ist eine Unterkunft, die nachts für Menschen geöffnet hat, die von einem Kostenträger dorthin überwiesen werden und längerfristig dort über Nacht bleiben können», erklärt Fleischmann gegenüber Horizonte.

Es gehe um Leute, die nicht in Heimen oder Institutionen untergebracht werden könnten, weil sie dort nicht angemessen betreut werden können und sich auch nicht in bestehende Strukturen einfügen – also häufig Drogenabhängige und sozial sehr auffällige Personen.

180'000 Franken pro Jahr

Durch die Verbindung der beiden Notunterkünfte können Kosten eingespart werden. 180'000 Franken pro Jahr braucht es für die geplante Notschlafstelle, rechnet Daniela Fleischmann gegenüber Horizonte vor. Zudem könne dasselbe Personal bei beiden Einrichtungen eingesetzt werden. Geschulte Freiwillige sollen ebenfalls zum Einsatz kommen, jedoch immer in Zusammenarbeit mit Profis. «Uns ist es ein grosses Anliegen, dass Obdachlose menschenwürdig übernachten können», betont Daniela Fleischmann und hofft, dass über die Kombination von Notschlafstelle und Notpension letztlich Obdachlose wieder in geregeltere Strukturen überführt werden können.

Im Rahmen eines Pilotversuchs soll das Projekt vorerst für drei Jahre laufen. 140'000 Franken der 180'000 Franken für den jährlich benötigten Betrieb sollen von Institutionen übernommen werden, den Rest soll ein noch zu gründender Verein über Privatspenden herbeischaffen. Bereits die Hälfte des Geldes für die besagten drei Jahre ist von verschiedenen Partnern zugesagt worden.

Erste Versuche scheiterten

Es gab bereits Anläufe, bei denen ein «Pfuusbus» eingerichtet werden sollte. In einem Sattelschlepper, wie es ihn in Zürich bereits gibt, werden Schlafplätze eingerichtet und darin die Obdachlosen betreut. Dieses Projekt konnte laut Hildegard Hochstrasser, Leiterin Soziale Dienste Baden, nicht umgesetzt werden, weil es die Gemeinden nicht mittragen wollten.

«Dieses Mal sind verschiedene Player mit grossem Engagement dabei. Darum denke ich, sind die Chancen zur Realisierung vermutlich besser als beim letzten Mal», sagt Michael Schwilk, Geschäftsleiter von dem Beratungszentrum BZBplus Baden. Klar könne man nie wissen, ob das Ganze nicht doch noch an etwas «Kleinem» hängen bleibe – an der Finanzierung beispielsweise, wie Michael Schwilk gegenüber Horizonte sagt. «Da braucht es sicher noch mehr Organisationen, die sich beteiligen.