Corona-Krise
"Es braucht 60 statt 10 Milliarden Franken, um Unternehmen zu retten"

Bund, Kantone und Gemeinden müssten nun den KMU unter die Arme greifen, sagt Michael Wicki, Präsident von Citycom Baden. "Es braucht deutlich mehr Soforthilfe. Die versprochenen 10 Milliarden beruhigen die wenigsten. Viele haben Existenzängste."

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Michael Wicki, Präsident Citycom Baden

Michael Wicki, Präsident Citycom Baden

AZ

«Jetzt hat’s also geknallt», schreibt Michael Wicki, Präsident des Handels- und Gewerbevereins Citycom Baden, in einer E-Mail an alle Mitglieder. «Nicht nur die Event- und Gastroszene, die schon länger unter den Viruseinschränkungen darbt, sondern der Grossteil des Detailhandels liegt darnieder. Und auch das restliche Gewerbe wird über die wegfallenden Mitarbeiter und die absehbaren Bestellungsrückgänge härteren Zeiten entgegensehen.»
Die Situation wegen der Corona-Krise sei «wirklich heavy», sagt Wicki im Gespräch. «Das Hauptproblem für viele besteht in den Liquiditätsengpässen. Die Ausgaben etwa für die Miete ist unverändert hoch. Einige, die Glück haben, können womöglich mit dem Vermieter verhandeln.» Jedoch kämen auch noch die Rechnungen der Lieferanten hinzu für Ware, für die es keinen Abnehmer gebe. «Gleichzeitig kommt überhaupt nichts rein, kein Franken. Angst ist zwar ein schlechter Ratgeber, heisst ein Sprichwort, aber Tatsache ist: Viele Detailhändler haben Existenzängste.»

"10 Milliarden Franken genügen nie"
Die 10 Milliarden Franken, die der Bundesrat für Soforthilfe in Aussicht gestellt habe, beruhige die wenigsten und «genügt nie, um die Schweizer KMU zu retten», ist Wicki überzeugt. Die Aargauische Kantonalbank habe schon angekündigt, ihren Kunden mit Überbrückungskrediten zu helfen - gleiches höre man von der Zürcher Kantonalbank. «Die Finanzierung der Hilfe rein über die Banken wird aber nicht gehen. Der Bund und möglicherweise auch Kantone und Gemeinden sind gefragt.» Vor 12 Jahren habe der Bund die UBS mit 60 Milliarden Franken gerettete. «Den systemrelevanten KMUs in der Schweiz muss nun mindestens in ähnlichem Ausmass Hilfe geleistet werden», fordert Wicki.
Das Schlimmste an der momentanen Lage sei die Ungewissheit: «Niemand weiss, wie lange die Krise andauert, alle tappen völlig im Dunkeln. Grosse Unsicherheit herrscht auch wegen der Frage, was den jetzt getan werden kann. «Kurzarbeit kann angefordert werden – aber ansonsten weiss niemand weiter.»

"Ein Monat verkraftbar - aber dann?"
Einen Monat ohne Einnahmen könnten viele Unternehmer wohl noch verkraften, glaubt Wicki. «Was aber, wenn die Massnahmen des Bundesrates nicht schnell fruchten und die Läden weitere Wochen zubleiben?» Dann drohten Ladenschliessungen und Konkurse. Jene ohne finanzielles Polster werde die Corona-Krise hart treffen, befürchtet Wicki.

Der Bundesrat und die Aargauer Regierung hätten zwar gestern im Fernsehen versprochen, dem Gewerbe und der Industrie zu helfen. «Wie, ist noch nicht klar. Alle haben aber eingesehen, dass eine verkürzte Karenzfrist und ein vereinfachtes Verfahren bei der Kurzarbeitsentschädigung alleine nicht genügen.» Denn viele Selbstständig-Erwerbende oder Inhaber von Einmann-Gesellschaften seien von diesem Gesetz ausgeschlossen.

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