Baden
Es braucht dringend eine Notschlafstelle in Baden

Die Zahl der Obdachlosen nimmt im ganzen Kanton Aargau zu. Im Sommer können sie gut auch einmal draussen übernachten. Doch der Winter kann für die Obdachlosen lebensgefährlich sein. Badens Sozialvorsteherin fordert nun ein Notschlafstelle.

Corinne Rufli
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Obdachlose werden im Kanton Aargau kaum wahrgenommen, trotzdem sind sie vorhanden. Sie sind durch ihren strukturlosen Lebenswandel nicht zählbar und meist erst in Notsituationen sichtbar. Gerade im Winter sind sie lebensbedrohlich gefährdet.

In den kalten Nächten werden SBB- und Postauto-Wartehäuschen von Obdachlosen in Beschlag genommen – sofern sie nicht abgeschlossen sind. Oder auch Parkhäuser: «Einmal hat es da einen Übergriff gegeben, ein Obdachloser wurde zusammengeschlagen», sagt Daniela Oehrli, Stadträtin von Baden und Vorsteherin Soziales. «Es ist ein riesen Defizit im Aargau, dass wir keine Notschlafstelle haben.»

Das Thema sei akut. Schweizweit könne man eine Zunahme von Obdachlosen feststellen. «Es gibt viele Leute, die durch alle Netze fallen», so Oehrli. Als Problem sieht sie, gerade in Baden, dass günstiger Wohnraum fehle. «Diese Menschen können die Wohnungen nicht mehr bezahlen. Sie müssten aus den Zentren in die Agglomeration oder landen auf der Strasse, wenn sie finanziell schwach sind.»

Wohnung zu finden ist schwierig

Gerade Menschen mit Sozialhilfe oder IV-Rente und Betreibungen hätten es sehr schwer, eine Wohnung im gewohnten Umfeld zu finden. Eine Wohnungssuche kann Monate dauern. Oft weichen sie zu Kollegen aus und werden flottant. Es gibt aber auch Obdachlose, die sich aus psychischen oder anderen Gründen nicht in das Gesellschaftssystem hinein geben wollen oder können und sich für ein Leben auf der Strasse entscheiden.

Daniela Fleischmann, Leiterin des Sozialwerks Hope in Baden, in dem es auch ein Wohnzentrum für Menschen in Übergangssituationen gibt, betont ebenfalls: «Es braucht dringend eine Notschlafstelle, am besten zentral gelegen in Baden.» Fleischmann arbeitet an der Basis und weiss, wie es ist, wenn man Obdachlose in einer kalten Nacht wegweisen muss.

Obdachlose gehen zu Pfarrer Sieber

Von Oktober 2010 bis Ende März 2011 wurden 32 Personen vom «Hope» abgewiesen, die eine kurzfristige Übernachtung suchten. Sie brauchten stärkere Betreuung, als das «Hope» sie leisten kann, weil sie zum Beispiel akut süchtig sind. «Diesen Personen musste die Aufnahme verweigert werden, ohne dass wir ihnen kurzfristig eine Alternative im Kanton Aargau bieten konnten», sagt Fleischmann. Das einzige offene Angebot war die private Notschlafstelle von Pfarrer Sieber in Zürich.

Zusammen mit der Polizei und dem «Hope» hat die Stadt Baden letzten März über die Problematik von Obdachlosen diskutiert. Thema waren auch die Randständigen im Metroshop, die nun als Folge dieses Gesprächs einen Container beim Bahnhofplatz bekommen haben. Ideen für ein Notschlafstellen-Projekt gibt es. Doch bis zur konkreten Umsetzung werden wohl noch einige kalte Nächte vergehen.