Während die Bauarbeiten rund um das neu geplante Bäderquartier still stehen, tut sich etwas vor dem Torbogen des «Haus der drei Eidgenossen»: Seit dem ersten September trifft man dort auf Leute beim Frühstück und Kaffeetrinken. Bedient werden die Gäste im «Kafi Zwoi» vom Wirtepaar Denise Waglechner und René Marti.

Mit ihrer Siebträgermaschine, die sie ihr «drittes Teammitglied» nennen, möchten sie ihren Gästen qualitativ hochstehenden Kaffee servieren. Daneben führen sie ein Essensangebot, bei dem sie ebenfalls Wert auf gute Qualität legen: «Wir führen zwar ein schlankes Sortiment, bereiten dafür aber alles frisch hier im Lokal zu», sagt die 39-jährige Wirtin. Dazu gehören neben Kuchen und Sandwiches auch kleine Mittagsmenus wie Suppen oder Quiches. Jedes Wochenende können die Gäste ausserdem zum Frühstück selbst gemachten Zopf geniessen.

Die beiden halten ihr Angebot im Moment bewusst noch klein, denn die Untersiggenthaler bewegen sich auf Neuland. René Marti ist gelernter Maschinen-Mechaniker, seine Partnerin arbeitete bisher als Landschaftsarchitektin. «Wir waren lange Zeit in unseren Berufen tätig und suchten eine neue Herausforderung», erklärt Denise Waglechner.

Die 39-Jährige und der 46-Jährige wohnen gemeinsam in Baden und sind seit knapp fünf Jahren ein Paar, kennen sich aber schon seit über 20 Jahren. «Wir sind beide in Untersiggenthal aufgewachsen und lernten uns im örtlichen Turnverein kennen», erzählt der 46-Jährige. Neben der Herkunft verbindet sie ausserdem die Leidenschaft zum guten Essen und Trinken: «Wir selbst haben schon immer gerne eine Tasse feinen Kaffee genossen.» So sei die Idee der Eröffnung eines Cafés entstanden.

Bilder aus BBC-Archiv

Ein Wandbild vom amerikanischen Sänger Ray Charles gibt einen Hinweis auf die Vergangenheit des Lokals: «Das Bild stammt von einer Bar, die noch vor dem Gitarrenladen – der unser Vorgänger ist – die Räume nutzte», erklärt Denise Waglechner. Dies ist aber auch das Einzige, das an die musikalische Vergangenheit des Gebäudes erinnert, denn die beiden liessen sich für die Innendekoration von einem anderen Detail des Raums inspirieren. «Wir nahmen die schwarzen Rohre an der Decke zum Anlass, das Kafi zum Thema ‹Industriestadt Baden› zu dekorieren.» So zieren Bilder aus dem historischen Archiv der BBC die Wände des Raumes.

Auch im kulinarischen Angebot fällt die Verbundenheit der Wirte mit der Region auf. So nehmen sie beispielsweise ihre Milch von der Milchzentrale Wettingen und den Kaffee von einer Niederrohrdorfer Rösterei. Doch als Bio-Kafi bezeichnen sich die beiden nicht, denn viele ihrer Kaffeebauern könnten sich schlichtweg kein Biozertifikat leisten. Und: «Für uns steht im Vordergrund, dass die Lebensmittel lokal produziert und von hoher Qualität sind», erklärt Marti. Was ihren Kaffee zudem ausmache, sei die hohe Geschmacksintensität. «Im Gegensatz zu vielen Grossbetrieben verwenden wir mehr Kaffeepulver für unsere Getränke. Das merkt man natürlich am Geschmack.»

Den Namen «Kafi Zwoi» wählten sie aufgrund der Mehrdeutigkeit: «Den Begriff ‹Kaffee› gibt es oftmals im Doppelpack: als Beispiel die Ausdrücke ‹Kaffee und Kuchen‹ oder ‹zu zweit einen Kaffee trinken gehen›. Und natürlich steht es auch für Denise und mich», erklärt der Wirt. Seit der Übergabe im April arbeiten die beiden zu einem 100 Prozent Pensum für ihren Traum. «Wir nahmen uns viel Zeit für den Aufbau und konnten währenddessen auch bereits Einiges lernen», sagt Waglechner. Das «Kafi Zwoi» sei deshalb mittlerweile wie eine Stube für sie geworden.

Ihr Herzblut für den Betrieb widerspiegle sich auch im Umgang mit den Gästen. «Der Kontakt mit den Leuten macht grossen Spass und es sind schon einige Freundschaften daraus entstanden.» Was in der Zukunft noch kommen wird, lässt das Paar offen. Zuerst müssten sie sich einleben und ihre Erfahrung im Gewerbe festigen. «Noch heute staunen wir, wenn jemand unser Kafi betritt.»