Ab heute können wieder Schnüre in warmes Wachs getaucht werden: Noch bis Samstag, 8. Dezember, findet in der Holzhütte auf dem unteren Bahnhofplatz in Baden das beliebte Kerzenziehen statt. Das Spezielle: Der gesamte Erlös kommt verschiedenen Institutionen für Menschen mit Beeinträchtigung in der Region zugute.

Seit der ersten Durchführung vor über vierzig Jahren konnte der Verein Kerzenziehen Baden bereits rund zwei Millionen Franken spenden. «Im Durchschnitt erwirtschaften wir um die 40'000 Franken pro Jahr. Es ist immer wieder eine Genugtuung, wenn wir damit Stiftungen unterstützen können», sagt Beni Leutenegger, der seit bald 20 Jahren Präsident des Vereins ist. So wurden beispielsweise Geldsummen für das Zeka Wohnhaus Aargau in Dättwil, für den Kauf eines Tixi-Taxis und Bad-Eintritte für die Behinderten-Sportgruppe gespendet. «Jetzt haben wir 250'000 Franken für den Ausbau der Arwo in Wettingen parat», sagt Leutenegger nicht ohne Stolz.

Zum ersten Mal Platzmiete zahlen

Was Leutenegger aber aufs Gemüt schlägt: Dass der Verein zum ersten Mal eine Platzmiete bezahlen und in Kürze sein Lager im Trafohäuschen an der Parkstrasse räumen muss. Dieses soll im Sommer zum Bistro werden. «Eine akzeptable Alternative wurde uns aber nicht vorgeschlagen. Wir müssen selber nach einem Ersatz suchen.» Die Platzmiete wird für das Kerzenziehen fällig, weil seit 1. Januar dieses Jahres das «Reglement über die Benützung von öffentlichem Grund zu Sonderzwecken» in Kraft ist. «Es ist zwar nur ein Betrag von 450 Franken», sagt Leutenegger. «Doch ich finde es schade, wenn alle für Gotteslohn arbeiten und trotzdem zur Kasse gebeten werden, obwohl wir den Erlös an regionale Institutionen für Menschen mit Beeinträchtigung spenden. Ich hätte mir etwas mehr Unterstützung von der Stadt gewünscht.»

Zum Unmut des Vereinspräsidenten, sagt Stadtrat und Sicherheitsvorsteher Matthias Gotter (CVP): «Wir schätzen solche Aktionen wie das Kerzenziehen sehr. Es hat nichts mit mangelnder Wertschätzung dem Verein gegenüber zu tun, dass wir neu Gebühren für die Benützung von öffentlichem Grund erheben.» Es gehe mehr darum, Gleichberechtigung für alle zu schaffen. «Diese war im bisherigen Reglement nicht oder kaum gegeben», sagt Gotter und fügt an: «Um Vereine zu unterstützen, die einem gemeinnützigen Zweck dienen, sieht das neue Reglement eigens eine Reduktion von 50 Prozent vor. Davon profitiert auch das Kerzenziehen.»

Damit das Kerzenziehen durchgeführt werden kann – und die Spenden zusammenkommen – ist der Verein auf Freiwillige angewiesen. 2017 stand der Anlass gar auf der Kippe, weil damals dem Vereinsvorstand die Leute ausgegangen sind. Dieser Engpass ist nun zum Teil behoben. «Wir können immer helfende Hände gebrauchen. Noch haben wir nicht alle Schichten mit Freiwilligen belegen können», sagt Leutenegger. Insbesondere beim Abbau würden noch Helfer fehlen. Zwischen 80 bis 100 Personen muss er jeweils für die zwei Wochen aufbieten. «Das ist leider keine leichte Aufgabe. Es ist jedes Jahr ein Zusammenraufen», so der Vereinspräsident.

Erfolgsrezept Kerzenziehen

Worin liegt das Erfolgsrezept, dass sich das Kerzenziehen seit über vier Jahrzehnten grosser Beliebtheit erfreut? «Das Kerzenziehen an sich ist für viele faszinierend. Kommt hinzu, dass sich eine selbst gemachte Kerze ideal als Weihnachtsgeschenk eignet», sagt Beni Leutenegger. Auch der soziale Faktor sei wichtig: «Viele geniessen es, unter Leuten zu sein, den Duft des warmen Wachs zu riechen und die Adventsstimmung zu geniessen.»

Kerzenziehen Öffnungszeiten: Heute 17 bis 20 Uhr; Mo., Di., Do. und Fr. von 8.30 bis 20 Uhr; Mi. bis 21 Uhr; Sa. und So. 10 bis 18 Uhr; unterer Bahnhofplatz Baden.