Auch wenn er es nicht so richtig zeigen will: Dölf Keller ist gerührt. Um ihn herum schwirren Musiker der Bands Subaltern und Levis Inc., während sich die Insieme Musig Bänd für ihren Auftritt bereit macht. Auf dem ganzen Zentrumsplatz herrscht emsige Betriebsamkeit. Grund dafür ist er, der 51-jährige Wettinger, der seit seiner Geburt unter einer cerebralen Schädigung leidet und für mehr Akzeptanz für Menschen mit Behinderung kämpft. «Mein grosser Wunsch war es schon immer, dass Leute mit und ohne Handicap gemeinsam auf einer Bühne stehen», sagt Keller.

Für seine Idee konnte er Michael Merkli, Gregor Briner, David Kost und die Neuenhofer Frau Gemeindeammann Susanne Voser begeistern, mit denen er seit 2012 das Festival «Rock 4 Handicapped People» (R4H) plant. Dass es nun Realität wird, ist dem Rotary Club Wettingen-Heitersberg zu verdanken, der 2014 zu seinem zehnjährigen Jubiläum zehn Wünsche der Bevölkerung erfüllte. Darunter auch denjenigen von Dölf Keller.

Als glückliche Fügung kommt dazu, dass die Aargauische Kantonalbank mit ihrer Roadrunner-Tour auf dem Zentrumsplatz gastierte und die Bühne und hochprofessionelle Tontechnik speziell einen Tag länger stehen liess. «Wir sind sehr dankbar», meinte OK-Präsident Merkli, «es wäre teuer geworden, wenn wir alles selber hätten aufbauen müssen.» Er steht voll und ganz hinter Kellers Anliegen: «Niemand soll in unserer Gesellschaft ausgegrenzt werden. Wir wollen Berührungsängste mit einem Anlass wie diesem abbauen.»

Vollblutmusiker Levi Bo, der schon zweimal einen Bluesworkshop für Bewohnerinnen und Bewohner der Arwo-Stiftung organisierte, zeigt sich vor seinem Auftritt berührt: «Ich habe seither treue Fans, die immer in der ersten Reihe stehen, wenn wir in Wettingen spielen.» Die Stars des Tages sind aber nicht Bo oder Subaltern sondern die Insieme Musig Bänd unter Leitung von Bruno Schmid am Keyboard. Mit einem Medley aus Evergreens der 60er- bis 80er-Jahre erobert sie die Herzen des Publikums.

«Wir gehen zusammen durch dick und dünn, uns kann nichts trennen», erzählte Schmid, der die mittlerweile sehr gefragte Formation vor 16 Jahren gründete. «Ich bin ein grosser Fan der Insieme Musig Bänd und sehr stolz auf sie», liess Gemeindeammann Markus Dieth in seiner Eröffnungsansprache verlauten. Kellers Traum ist es, eine Stiftung ins Leben zu rufen, die behinderte Künstler unterstützt. Er ist selber sehr kreativ, malt und schreibt Kurzgeschichten. «Anerkennung in der Öffentlichkeit zu finden ist nicht einfach - und für handicapierte Menschen doppelt schwer», sagte er. «Aber es geht auch anders», fügte er stolz hinzu, «mit diesem Anlass haben wir ein Exempel statuiert.»