Schon wieder gibt es Knatsch um ein historisches Haus in der Stadt Baden. Nachdem diese Woche der Abbruch der Villa Schnebli auf dem Postareal begonnen hat, gibt es jetzt neuen Ärger um ein Haus in der Altstadt: Am Löwenplatz baut der Unternehmer Markus Schön aus Turgi seit mittlerweile drei Jahren das ehemalige Reformhaus um.

In dem Haus, das eigentlich aus drei spätmittelalterlichen Häusern besteht, richtet er möblierte Mietwohnungen ein, im Erdgeschoss und im Keller soll es ein Bistro, ein Café und eine Raucherbar geben.

Eigentlich wollte Markus Schön das Haus Anfang Mai eröffnen. Doch noch immer hämmern, schrauben und gipsen hier die Bauarbeiter. Bis im Januar stand die Baustelle neun Monate lang still. Weil die Bauherrschaft, anders als es im Baugesuch stand, einen Personenlift einbauen und einen Teil des historischen Interieurs herausbrechen liess, verhängte die Stadt Baden einen Baustopp.

Das ehemalige Reformhaus an der Weiten Gasse (Weisses Haus mittig im Bild).

   

Markus Schön sagt, ohne Personenlift wäre es unmöglich gewesen, in dem fünfstöckigen Haus Wohnungen anzubieten. Zudem habe der Lift die Statik des alten Hauses erst genügend gesichert. Mittlerweile darf er weiterbauen, doch der Streit geht weiter.

Nach dem Badener Stadtrat hat nun Ende März auch die Rechtsabteilung des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) eine Beschwerde von Schöns Firma, der Weichlen AG, abgewiesen.

In der Beschwerde ging es unter anderem darum, einen geplanten Warenlift zu bewilligen. Schön sagt, ohne den Warenlift, der von der Küche im ersten Stock ins Erdgeschoss und in den Gewölbekeller führen soll, könne man hier keine Gastronomie betreiben.

Wer hat Recht?

Die Stadt Baden wehrt sich gegen den Einbau des Warenlifts, weil er die historische Decke des Gewölbekellers zerstöre. Ausserdem habe die Bauherrschaft auch, entgegen vorgängigen Absprachen und widerrechtlich, weitgehende Teile der teilweise über 600 Jahre alten Bausubstanz im Haus zerstört.

Markus Schön, der mehrere Millionen Franken in den Umbau investiert hat, ärgert sich, weil das Haus gar nicht im Denkmalinventar steht. Zudem sei an der Stelle des Lifts vorher schon ein Durchbruch gewesen. Dieser sei nur um wenige Zentimeter vergrössert worden, um den Lift einzubauen.

Michael Ulrich, Jurist der städtischen Abteilung Planung und Bau, sagt zum Streit: «Unsere Ansichten wurden im ersten Urteil des BVU bestätigt.» Allerdings sei das Urteil noch nicht rechtskräftig. Die nächste Instanz, das Verwaltungsgericht, könne auch anders entscheiden.

Michael Ulrich erklärt auch, warum das Haus an der Weiten Gasse indirekt doch unter Denkmalschutz steht. Unter Paragraf 13 der Bau- und Nutzungsordnung heisst es: «Die Altstadt ist in ihrem Gesamtbild und in ihrer Struktur zu erhalten, Bauten mit kulturgeschichtlicher, architektonischer oder städtebaulicher Bedeutung in ihrem Bestand.»

Und weiter: «Bauliche Massnahmen sind zulässig, wenn sie den Charakter des historisch gewachsenen Stadtbilds wahren und die schützenswerten Bestandteile der inneren Struktur erhalten.» Entscheidend sei Punkt 5 des «Altstadt-Paragrafen». Dort heisst es, betreffend Unterhalt und Abbruch gelte der Paragraf 39: «Baudenkmäler».

«Kulturschändung»

Und das wiederum bedeute, dass faktisch die gesamte Altstadt im Inneren und Äusseren unter Denkmalschutz stehe und alle Bauvorhaben, insbesondere auch innere Umbauten, einer Baubewilligung bedürfen. Ulrich erklärt, dass jeder Umbau in denkmalgeschützten Häusern individuell geprüft werden müsse.

Auf die Frage, ob das öffentliche Interesse an Gastronomiebetrieben und Wohnungen nicht gegenüber denkmalschützerischen Bedenken überwiegen, sagt Ulrich, man müsse bei einem Baugesuch immer die verschiedenen Interessen abwägen – also etwa Fragen des Heimat- und Denkmalschutzes, einer Belebung der Innenstadt oder Lärmfragen.

Der Stadtrat habe die Gastronomie bewilligt, er wolle nichts verhindern. Es gehe allein darum, die noch verbleibende historische Bausubstanz, soweit möglich und sinnvoll, zu erhalten. Die kantonale Denkmalpflege, die der Stadt Baden beratend zur Seite steht, geht noch weiter und spricht in einem Gutachten von «Kulturschändung».

Markus Schön muss denn auch andere Umbauten an dem grossen Haus zurückbauen, etwa einen Giebel und Glasziegel im ausgebauten Estrich. Der Rechtsvertreter der Weichlen AG, der Badener Anwalt Hans Zehnder, reicht nun beim Verwaltungsgericht erneut Beschwerde ein. Er sagt: «Es lief vielleicht nicht alles optimal bei der Bauausführung. Aber die Auflagen der Stadt Baden nach dem Baustopp wurden erfüllt.»

In der Beschwerde schreibt Zehnder, es sei völlig unhaltbar, hier einem Eigentümer den Innenausbau bis ins Detail vorschreiben zu wollen. Andere Häuser in der Nachbarschaft seien komplett ausgehöhlt oder sogar von Grund auf neugebaut worden.

Die Eigentümerin habe das Recht, die Liegenschaft bestmöglich zu nutzen und dafür sei auch der Einbau des Warenlifts rechtmässig. Das wird nun das Verwaltungsgericht entscheiden müssen. Auf das geplante Bistro, das Café und die Bar müssen die Badener noch eine Weile warten.