Baden/Brugg/Zurzach

Es gibt weniger Arbeitslose und dies trotz starkem Franken

Interview mit der RAV Leiterin Isabelle Wyss

Interview mit der RAV Leiterin Isabelle Wyss

Nach den Höchstwerten vor zwei Jahren liegt die Zahl der Arbeitslosen unter den Erwartungen. Sowohl die Zahl der Arbeitslosen wie diejenige der Stellensuchenden ist zurückgegangen.

«Es ist bisher überhaupt nicht das eingetroffen, was wir erwartet haben», sagt Isabelle Wyss, Leiterin des RAV Baden. Erwartet hatten die RAV, aufgrund der eidgenössischen Prognosen, eine Zunahme der Arbeitslosigkeit. «Im Kanton Aargau, speziell auch in unserer Region, ist die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie stark vertreten. Aufgrund der Frankenstärke erwarteten wir viele Neuanmeldungen von Arbeitnehmenden aus dieser Branche.» Doch bis jetzt sieht es noch nicht danach aus. In den letzten Monaten ist sowohl die Zahl der Arbeitslosen wie diejenige der Stellensuchenden zurückgegangen.

Ob in den Bezirken Baden, Brugg oder Zurzach, ob im Kanton oder in der Schweiz, die Arbeitslosenzahlen bewegen sich immer weitgehend übereinstimmend. Höchstwerte wurden vor 2 Jahren erreicht. Dann ging die Arbeitslosigkeit zurück, um gegen Ende 2010 wieder anzusteigen. Sehr ähnlich, aber auf tieferem Niveau bewegten sich die Zahlen im vergangenen Jahr. Die saisonal bedingt hohen Werte Anfang dieses Jahres sind zu einem grossen Teil auf das Wetter zurückzuführen. Auf vielen Baustellen konnte wegen der Kälte nicht gearbeitet werden.

Bezirk Baden führt Liste an

Der Rückgang der letzten Monate liess die Arbeitslosigkeit in der Schweiz auf 3,2% sinken, im Aargau auf 3,1%. Das entspricht 9457 Personen. Der grösste Teil davon, 2302 wohnt im Bezirk Baden. Die Gemeinde mit der höchsten Arbeitslosenzahl ist Wettingen mit 317 Personen, gefolgt von Spreitenbach mit 316 und Baden mit 300. Deutlich über der Zahl der Arbeitslosen liegt mit 3004 diejenige der registrierten Stellensuchenden. Auch hier ein ähnliches Bild bei der Verteilung auf die Gemeinden, wobei Spreitenbach mit 432 die Liste vor Wettingen mit 420 und Baden mit 370 anführt. Langzeitarbeitslose wurden im Bezirk 348 gezählt. Im Bezirk Brugg waren 653 Personen arbeitslos und 852 auf Stellensuche.

Die mit Abstand höchsten Zahlen weist die Stadt Brugg auf, nämlich 198 Arbeitslose oder 239 Stellensuchende. An zweiter Stelle folgt Windisch mit 98 Arbeitslosen und 128 Stellensuchenden. Birr zählt noch 79 Arbeitslose beziehungsweise 107 Stellensuchende. In allen anderen Gemeinden des Bezirks sind weniger als 53 Personen betroffen. 573 Stellensuchende, wovon 430 als arbeitslos gelten, zählt der Bezirk Zurzach. Hier konzentrieren sich die Betroffenen vor allem auf die Gemeinden des Aaretals, nämlich Böttstein, Döttingen und Klingnau. Döttingen weist mit 101 Stellensuchenden die höchste Zahl auf, gefolgt von Bad Zurzach mit 94. Damit keine Rückschlüsse auf einzelne Personen gezogen werden können und um die Anonymität der Stellensuchenden zu wahren, werden in der kantonalen Statistik Gemeinden mit 5 oder weniger Arbeitslosen nicht aufgeführt.

«Wir haben bisher auch keine grösseren Kündigungswellen feststellen müssen», sagt Wyss. Solche kann es aber immer wieder geben. Beispiele hierfür sind die Axpo AG, Brack Elektronik oder Hiestand. So plant das Handelsunternehmen Brack Elektronik die Verlegung eines Betriebsteiles ins Entlebuch. Die Hiestandgruppe schliesst ihren Produktionsbereich im Birrfeld. Beides kann sich auf das RAV auswirken.

Erfahrene Fachkräfte sind gesucht

Immer gesucht sind ausgebildete Fachkräfte oder solche mit langjähriger Berufserfahrung», stellt Wyss fest. Oft melden sich Unternehmen direkt beim RAV, wenn sie Leute suchen. Der Kontakt mit den Arbeitgebern wird für die RAV immer wichtiger.

«Wir haben im Kanton Aargau ein sogenanntes Arbeitgebermodell eingeführt», sagt Wyss. Fünf ihrer Mitarbeiter kümmern sich ungefähr die Hälfte ihrer Arbeitszeit ausschliesslich um Arbeitgeber in der Region, besuchen diese und versuchen, offene Stellen zu besetzen. «Wir zeigen den Arbeitgebern, welche Dienstleistungen wir ihnen bieten und welche Unterstützung sie erhalten können. So ist zum Beispiel nach wie vor zu wenig bekannt, dass Arbeitgeber, die Mitarbeitende über 50 anstellen, von sogenannten Einarbeitungszuschüssen profitieren können.» Wyss verspricht sich viel davon.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1