Ingrid, Beat und Rahel sind gesund, gut genährt und bald flügge: «Die drei zirka sechs Wochen alten Jungstörche schlagen bereits mit ihren Flügeln», erklärt Alois Vogler, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Stetten. «Ich hoffe, dass sie noch nicht davonfliegen», sagt er besorgt.

Vogler hatte in Stetten eine wichtige Aufgabe zu übernehmen: Er musste die drei jungen Störche vom Hochkamin der Brennerei Humbel für die Beringung herunterholen.

Erfreute Kinderherzen

Das Interesse an der Beringung war gross. Rund 100 Personen schauten gespannt dem Spektakel zu, die Hälfte davon Kinder, die es kaum erwarten konnten, die Störche aus der Nähe zu sehen. Nach dem Eintreffen der Feuerwehr Rohrdorf erklärte er dem Publikum: «Die Jungstörche werden gestresst sein. Deshalb arbeite ich speditiv.»

Nachdem die Leiter positioniert war, ging es los: Vogler stieg mit dem grünen Korb und einer Decke die Leiter hoch und runter. Unter der Decke kam Ingrid hervor, die ängstlich den Kopf hängen liess. Vogler hielt ihr die Flügel, damit sie nicht entkommen konnte. Vorstandsmitglied Josef Businger putzte ihr den Schnabel, während Peter Zimmermann vom Tierpark Biel den Vogel kontrollierte. Nachdem ihr der Ring aus Kunststoff oberhalb des Sprunggelenkes angebracht worden war, durften einige Kinder den Storch streicheln. Dann waren Beat und Rahel an der Reihe.

Ein guter Frühling für die Störche

Vogler schien erleichtert nach erfolgreicher Arbeit. «Der Frühling war gut und die Störche schwer. Ich schätze, rund 2,5 Kilo.» Jetzt habe er es geschafft. Wäre es nicht einfacher, oben zu beringen? «Die Beringung am Boden machen wir für die Bevölkerung, vor allem für die Kinder.»

Im Horst auf dem Hochkamin sind bisher 17 Jungstörche aus dem Ei geschlüpft. Ingrid, Beat und Rahel werden in den nächsten zwei bis drei Wochen ihre ersten Flugversuche über Stetten wagen. Übrigens: Ob es sich bei den Jungstörchen tatsächlich um zwei Weibchen und ein Männchen handelt, ist noch nicht erkennbar. Der Weissstorch ist in der Regel erst mit vier Jahren geschlechtsreif. Die Namen erhalten sie trotzdem.