«Der Entscheid ist uns nicht leicht gefallen, doch er steht fest», sagt Thomas Obrist (54). Per Ende Jahr stellt er den Gemüseanbau ein. Der Dättwiler atmet erst tief durch. Nein, es sei nicht wegen des Galgenbucks, wie jetzt wohl viele Leute meinen würden. Bis auf dem Galgenbuck, wo die Obrists ihre Gemüsekulturen haben, die ersten Wohnbauten entstehen würden, werde es gut und gerne nochmals zehn Jahre dauern, ist Thomas Obrist überzeugt.

Der Druck ist ständig gestiegen

Der Grund ist ein anderer: «Der Druck ist derart gross geworden, dass die Gesundheit darunter leidet», sagt er offen. «Es ist immer schwieriger geworden, einen Betrieb dieser Grösse und mit dieser vielseitigen Palette wirtschaftlich zu führen», erklärt er. Auf der einen Seite ist es der enorme Aufwand, ein breites Sortiment in Eigenproduktion zu führen. Auf der andern sind es die zunehmenden Vorschriften und der Papierkrieg, der einem zu schaffen mache. «Wenn ich zehn verschiedene Salate führe, muss ich für jeden die Rückverfolgbarkeit dokumentieren», so Obrist.

Jeden Tag stehe er um fünf Uhr auf, rüste das Gemüse für die Auslieferung. Den Tag hindurch warte die Arbeit auf dem Feld oder auf dem Markt. Diesen werden sie wohl am meisten missen: «Der Kontakt mit den Leuten, die netten Gespräche», das werde fehlen, «vor allem meiner Frau», sagt Obrist. Die Arbeit verfolge ihn bis spätabends nach zehn Uhr, wenn die letzten Bestellungen eingehen würden. Und sei er endlich einmal im Bett, da würde sich manchmal noch alles weiter um die Arbeit drehen. Sogar im Bekanntenkreis stellte man fest, dass es ihm nicht mehr so gut gehe, fügt Beatrice Obrist an und wirft einen sorgenvollen Blick auf ihren Ehemann. «Andere würden es ein Burnout nennen», sagt dieser selber. Sein Arzt habe ihm jedenfalls geraten, einen Gang zurückzuschalten.

Obschon er die Gründe kennt, beginnt der Dättwiler Gemüsebauer mit sich selber zu hadern: «Ein Betrieb wie der unsere ist ein Auslaufmodell.» Begonnen hat seine Grossmutter, die zu Markte gegangen sei. Sein Vater habe zu Beginn noch Vieh gehalten. Vielleicht hätte er sich wie andere Betriebe auch spezialisieren müssen. Noch vor wenigen Jahren unterstützten ihn seine Eltern bei der Arbeit. Heute kann er Ernst Tschümi und zwei Mitarbeitende zählen, wovon einer als Saisonarbeiter, sowie Helferinnen im Stundenlohn. Seine grösste Sorge sei, dass alle wieder eine Arbeit finden würden. Er selber wird sich auf den Ackerbau beschränken. «Getreide, Mais, Sonnenblumen, Zuckerrüben», sagt er spontan. Die Spargeln wolle er auch beibehalten, ebenso die Äpfel und allenfalls Kürbisse. «Dann werden wir zum Einmannbetrieb», fügt der Gemüsebauer an.

Letztlich mit ein Grund sind auch die Perspektiven in der Familie Obrist: «Die Tochter ist Floristin, der Sohn Elektroinstallateur.» Eine Übernahme des Betriebs durch die nächste Generation wäre sehr schwierig geworden. Wie nun seine Zukunft wirtschaftlich aussehe, darüber habe er sich noch keine Gedanken gemacht. Auch der Aufwand würde sich reduzieren, sagt Obrist: keine Kosten mehr für Personal, Wasser, Energie für das Gewächshaus. «Da fällt einiges weg», resümiert er.

Eine schwere Zeit stehe jetzt noch bevor, sagen die beiden. Man müsse noch alle Kunden orientieren. Dazu gehören Gastrobetriebe sowie private Kunden, die auch regelmässig ab Hofladen gekauft hätten. Doch letztlich freue er sich auf die Zukunft, wenn er Zeit finden könne, in Musse zusammen mit Beatrice auch Mal den schönen Garten geniessen zu können.

«Gmüesler» stehen unter Druck

Der Untersiggenthaler Gemüsebauer Fredy Umbricht kann die Situation von Thomas Obrist bestens nachfühlen. «Wir arbeiten oft am Limit», sagt er. Je kleiner die Einheiten für eine Gemüsesorte sei, desto grösser sei der Aufwand. Er werde nächste Saison eine zusätzliche Arbeitskraft benötigen, erklärt Umbricht. Dass seine Eltern – Vater Erwin ist 75 – noch anpacken können, sei ein Glücksfall. Da könne sich die Situation schnell einmal ändern.

Etwas anders sieht die Situation bei Gemüse-Meier in Rütihof auf: «Seit zwei Jahren produzieren wir nur noch Gurken, Tomaten und Kopfsalat. Für uns war die Spezialisierung ein strategischer Entscheid, um im hart umkämpften Markt bestehen zu können», erklärt Paul Meier. Auch die inländische Produktion kämpfe mit strukturellen Problemen und drängt mit Expansion und Kostensenkungen kleinere Produzenten aus dem Markt, sagt Meier. Bei der Familie Meier führt bereits Sohn Ruedi das Tagesgeschäft.