In Baden sorgt der geplante Blechpolizist bei der Gstühl-Kreuzung für Diskussionsstoff. So lancierte Tim Voser von den Jungfreisinnigen eine Petition gegen diese Verkehrsüberwachungsanlage und erhielt dabei Rückendeckung vom Nussbaumer SVP-Grossrat Martin Keller, der die fixen Radarfallen mit einer Motion sogar kantonsweit verbieten will.

Fixe Blitzer im Aargau?

Fixe Blitzer im Aargau?

Das sagt  SVP-Grossrat Martin Keller – und so reagieren Stadtammann Geri Müller, die Bevölkerung und die Aargauer Politiker im Bundeshaus. (Februar 2017)

Die Gegner des blechernen Gesetzeshüters unterstellen der Stadt Baden Abzocke, es sei eine Massnahme, um die Stadtkasse zu füllen. So kommentierte ein Leser auf az-online: «Spätestens seit dem 5-Millionen-Loch in der Stadtkasse Baden, ist das Märchen von der Sicherheit wohl für jeden ersichtlich.» Der Sicherheitsaspekt wird infrage gestellt. Klar ist, dass die Anlage Einnahmen generieren wird. Doch macht der Blechpolizist den Verkehr sicherer?

Experten sind sich einig: Ja. Die Verkehrsüberwachungsanlage beim Gstühl macht Sinn. Die Kreuzung beim BT-Hochhaus ist komplex: Fussgänger, Velos, Busse und Autos kreuzen sich hier. Und genau hier werden pro Stunde elf Rotlichtübertritte begangen.

Viel befahren: Die Gstühl-Kreuzung in Baden.

Viel befahren: Die Gstühl-Kreuzung in Baden.

Hinzu kommen 100 bis 200 Geschwindigkeitsübertritte täglich. Dies haben Messungen der Stadtpolizei gezeigt. Das Argument der Gegner, dass es zu wenigen Unfällen an dieser Kreuzung kommt, lässt Markus Hackenfort, Professor für Verkehrs-, Sicherheits- & Umweltpsychologie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW), nicht gelten: «Grundsätzlich halte ich es für wichtig, dass solche Messanlagen dort stehen, wo es bislang zu Unfallhäufungen gekommen ist oder man dies – etwa durch entsprechende Beobachtungen – für die Zukunft annehmen muss.» Die Beobachtungen sprechen klar für eine Überwachung der Gstühl-Kreuzung.

Nutzen sei sichtbar

Für die nationale Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) sind solche stationären Radarfallen an solchen Stellen ebenfalls unabdingbar. Es sei erwiesen, dass an Orten mit solchen Geräten die Fahrzeuglenker sich «überdurchschnittlich» an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten, schreibt die BfU auf ihrer Website. Dies bestätigt auch Mike Möller, Geschäftsführer der Fahrschule Florin in Baden.

Er beobachte dies oft auf seinen Lernfahrten. «An Orten im Kanton Zürich mit fixen Radarfallen achten die Leute mehr auf die Geschwindigkeit», so der Fahrlehrer. Er halte die geplante Anlage für eine gute Idee – auch, dass Rotlichtsünder bestraft werden. Die Folgen eines solchen Übertritts können tödlich sein, betont er. «Es muss nicht immer erst etwas passieren. Es ist gut, dass hier etwas unternommen wird, bevor es zu spät ist», sagt Möller.

Viele Leser sehen das ähnlich. So finden sich auf az-online Kommentare wie: «Alle, die sich an die Vorschriften halten, haben von diesem Blechpolizisten nichts zu befürchten», oder «wenn man bereits erkannt hat, dass diese Kreuzung zu den gefährlichsten überhaupt gehört, warum nicht jetzt etwas machen».