Ginge es nach Marc Périllard und Adi Hirzel, so könnte es morgen losgehen. Sie sind seit drei Jahren voller Elan an der Arbeit. Jetzt geht es darum, dem grossen Fest den letzten Schliff zu verpassen. Die Co-Präsidenten bilden gemeinsam den Kopf des Stadtfestes. Fühlt man ihnen auf den Zahn, lässt sich fast keine Nervosität feststellen. Nur ein Thema ist offen: das Wetter. Erfolg und volle Kassen hängen davon ab.

Herr Périllard, Herr Hirzel, man spürt noch wenig Festfreude. Findet das Stadtfest überhaupt statt?

Marc Périllard: Wir werden an der heutigen OK-Sitzung darüber entscheiden. Spass beiseite. In den vergangenen Monaten sind so viele Projekte entstanden, ist so viel Konkretes gewachsen. Es ist schon gewaltig viel Festfreude spürbar.

Auch bei Ihnen?

Adi Hirzel: Natürlich. Wir planen seit drei Jahren, haben viel erreicht. Wir sehen, was entstehen wird, darum freuen wir uns so sehr.

Périllard: Ich habe bereits starkes Festfieber.

Die Region aber noch nicht, wenn man sich an vergangene grosse Badener Feste erinnert.

Hirzel: Das kann ich so nicht bestätigen. Ich werde in meinem Umfeld sehr oft auf das Stadtfest angesprochen und spüre das Festfieber.

Périllard: Ich werde sehr oft auf die Badenfahrt angesprochen. Das heisst, dass sich das Stadtfest erst etablieren muss. Das Empfinden ist darum noch nicht so intensiv. Das hat aber nichts damit zu tun, was im Hintergrund und an Kreativität alles läuft.

Ist das Stadtfest der richtige Titel? Davon gibt es Hunderte. Der Brand Badenfahrt ist jedoch einmalig.

Périllard: Badenfahrt soll der Brand bleiben für das Fest, das wir alle 10 Jahre feiern. Fände dies im 5- oder 3-Jahresrhythmus statt, wäre irgendwann vermutlich die Luft draussen.

Warum bleibt man nicht bei der kleinen Badenfahrt, wie das zwischen den Badenfahrten mal war?

Périllard: Kleine Badenfahrten hat es nie gegeben. Badenfahrten finden nur in Jahren mit der Endzahl sieben statt. Die andern Feste haben anders geheissen, Musiläum, Bäderfest, Swiss Made etc. und wurden nicht von denselben Komitees organisiert.

Abgesehen vom fehlenden Umzug wird man aber kaum einen Unterschied zwischen Stadtfest und einer Badenfahrt feststellen.

Périllard: Dazu können wir erst am 28. August etwas sagen, wenn das Fest vorbei ist.

Hirzel: Wir werden auch in der Werbung eher in der Region bleiben. Klar, wir haben natürlich immer Freude, wenn viele Leute kommen.

Also doch wie eine Badenfahrt?

Périllard: Im 2007 war die Badenfahrt in vielen nationalen Medien präsent, zweimal mit einem Beitrag in der «Tagesschau» und bei «10 vor 10». Ich denke, weil es diesmal ein Stadtfest ist und nicht eine Badenfahrt, wird das ein Ostschweizer, so denke ich, eher weniger interessieren.

Komitee und Konzept sind trotz dem ziemlich identisch?

Hirzel: Das stimmt nur beschränkt. Wer dabei ist, spricht vom Stadtfest. Das Stadtfest ist bewusst kleiner gehalten, es soll ein regionales Fest sein. Es stehen ausserdem zwei verschiedene Vereine dahinter.

Zwei Vereine, aber doch etwa dieselben Personen im Komitee?

Périllard: Es engagieren sich in etwa dieselben Leute, die auch das Know-how haben. Mit dem Stadtfest haben wir nun ein neues Gefäss, mit dem wir finanziell unabhängig zwischen den Badenfahrten zu einem bestimmten Anlass ein Fest organisieren können.

Hirzel: Das gibt uns in Zukunft auch die notwendige Flexibilität bei der Organisation.

Wird das Stadtfest vom Verein Badenfahrt finanziell unterstützt?

Périllard: Der Verein Badenfahrt gewährt dem Verein Stadtfest ein befristetes Darlehen, rückzahlbar nach dem Fest.

Hirzel: So hatten wir keine Liquiditätsprobleme und konnten im Stadtfest-Komitee mit den Arbeiten gleich beginnen.

Was steuert die Stadt Baden bei?

Périllard: Der Einwohnerrat hat einen Kostenbeitrag von 250 000 Franken beschlossen, für die Badenfahrt wird es dann allenfalls wieder eine Defizitgarantie sein.

Wie hoch ist denn das gesamte Budget des Stadtfestes?

Périllard: Ungefähr drei Millionen Franken.

Anvisiert wird wohl ein Gewinn?

Hirzel: Wir versuchen natürlich mehr einzunehmen, damit wir für das nächste Stadtfest bereits ein finanzielles Polster haben.

Verdient jemand im Komitee, oder arbeiten alle ehrenamtlich?

Périllard: Die OK-Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Für die heutige Zeit keine Selbstverständlichkeit. Keine Sitzungsgelder, keine Spesen oder andere Vergütungen. Gewisse Dienstleistungen (Buchhaltung, Homepage etc.) müssen wir extern einkaufen. Die einzige Person, die – wie schon immer – eine Entschädigung erhält, ist die Festgestalterin.

Hirzel: Der zeitliche Aufwand in diesen drei Vorbereitungsjahren beträgt etwa einen halben Tag pro Woche.

Was ist denn der Lohn oder der Ansporn als OK-Mitglied?

Périllard: Ich leiste damit einen Beitrag an die Stadt und an die Region Baden. Ich bin zwar in Wettingen aufgewachsen, aber immer ein Liebhaber der Stadt Baden gewesen. Mein Lohn ist, am Planungsprozess beteiligt zu sein, von den ersten Ideen über ein Konzept bis zum gigantischen Fest, an dem alle Freude haben. Hingegen habe ich mich nie politisch aktiv engagiert.

Reden wir vom grossen Fest. Was wird das absolute Highlight sein?

Hirzel: Wir haben verschiedene Highlights. Herausragend sind der erstmalige Einbezug der Schlossruine ins Festgebiet, dann die Bauten auf dem Theaterplatz für kulturelle Darbietungen, und noch die Flussgegend, doch da möchten wir noch nicht zuviel verraten.

Die Schlossruine Stein ist national geschützt. Ist das nicht heikel, wenn da Löcher gebohrt werden?

Hirzel: Die wichtigen Infrastrukturbereiche sind mit massgebenden Personen der Stadtverwaltung oder der Regionalwerke im Stadtfest-Komitee abgedeckt. So hatten wir von Beginn an den direkten Draht und wissen, was möglich ist und was nicht.

Périllard: Die Vernetzung mit der Stadt und den Regionalwerken ist ausgezeichnet. Die Verantwortlichen sind als unsere Partner immer dabei. Wir spielen also mit offenen Karten.

Verraten Sie uns doch etwas vom Highlight an der Limmat?

Hirzel: Es gibt diesmal nur ein Schlussfeuerwerk am zweiten Samstag, dafür investieren wir in eine spezielle Darstellung des Flussraumes zu verschiedenen Zeiten. Mehr möchte ich heute nicht verraten.

Alles scheint aufgegleist und bestens zu laufen. Stimmt dieser Eindruck?

Hirzel: Bei den Festbeizen läuft es hervorragend, die Voraus-Abgaben sind geleistet, die Mahnliste ist sehr kurz. Da sind wir ausgesprochen gut unterwegs. Das Plakettensystem muss noch ausgefeilt werden.

Périllard: Wir sind bestens im Fahrplan. Jetzt geht es in den Schlussspurt und nur noch um Details .

Zum Beispiel um den «Soundbrei», der ist an grossen Badener Festen ja ein Dauerbrenner.

Périllard: Wir haben bereits im Jahr 2007 die Konsequenzen aus der Badenfahrt 1997 gezogen und klare Weisungen erarbeitet. Wir erwarten Verständnis und gegenseitige Rücksichtnahme, sonst müssen wir wiederum durchgreifen.

Hirzel: Wir haben mit einzelnen Gruppen im Gespräch das Problem diskutiert. Wer überbordet, dem wird der Stecker herausgezogen.

Auf dem Schlossbergplatz war eine Containerlandschaft geplant, jetzt hat es neben dem Stadtfest-Radio kaum solche Beizen. Warum?

Hirzel: Wir hatten nur wenig Interessenten. Gestalterisch war das Korsett eng, die Möglichkeiten beschränkten sich auf den Innenausbau. Der Ort ist zwar hervorragend. Jetzt stellt das OK einen eindrücklichen Turm hin.

Périllard: Ich denke es lag daran, dass zu wenig Individualität möglich war. Die Vereine möchten grundsätzlich ihr eigenes Projekt durchziehen.

Probleme mit der Vermietung gab es auch beim Theaterplatz.

Périllard: Was heisst Probleme? Das hat man so erzählt. Wir waren dort in einem längeren Prozess und mussten erst vonseiten des OK genaue Pläne erarbeiten und die Ideen umsetzen. Es ging um Bühnen, Beizenflächen und Barlängen, was sich immer auf die Kosten auswirkt.

Bei schlechtem Wetter sind die Umsätze niedriger. Wo liegt das Risiko beim Komitee?

Périllard: Ähnlich wie bei den Vereinen. Wir können über den Vorverkauf den Ertrag aus den Plaketten optimieren und dürfen auf die Fix-Gebühren der Vereine und die Sponsorenbeiträge zählen. Aber bei schlechtem Wetter trifft es auch uns als Verein. Dem Risiko haben wir mit einer vorsichtigen Planung und Budgetierung entgegen gewirkt.

Und schlimmstenfalls . . .

Périllard: . . . würden wir den grossen Bruder, den Verein Badenfahrt, darum bitten, die Frist für die Rückzahlung des erhaltenen Darlehens zu verlängern.

Was hat sich aus Sicht des Komitees gegenüber 2007 am meisten verändert?

Périllard: Das sind die modernen Kommunikationsmittel. Sei es die Möglichkeiten via Internet oder die ständige Erreichbarkeit per Natel, SMS und E-Mail. Über diese Kanäle läuft fast alles ab, und zwar immer schneller. Aber das ist eine Zeiterscheinung, mit der man leben muss.

Erstmals gibt es ein Co-Präsidium, ein «junger» und ein «alter» Hase. Ist ein Generationenwechsel angesagt?

Périllard: Das ist so – obschon ich mich noch jung fühle. Wir müssen an die Zukunft denken und haben darum einige wichtige Chargen doppelt besetzt. So kann der Wissens-Transfer stattfinden. Meine Erfahrungen stehen nirgends geschrieben. Jetzt beurteilen Adi und ich die Dinge gemeinsam, sodass er hineinwächst. Dieser Prozess findet zurzeit in einigen Schlüssel-Ressorts statt.

Generationenwechsel finden auch bei den teilnehmenden Vereinen statt. Wie ist es mit dem viel zitierten Badener Geist? Lebt er weiter?

Hirzel: Ganz gewiss. Und das ist gerade die grosse Befriedigung. Was würden unsere Sitzungen nützen, wenn nicht so viele festfreudige Menschen ihren Beitrag daran leisten würden.

Und die Zusammenarbeit im OK, ist sie gut?

Périllard: Nein, nicht gut. Sie ist absolut topp. Und man freut sich auf jede Sitzung, geht danach etwas Essen, bespricht beim Bier das Bilaterale.

Quasi ein Familienersatz?

Périllard: Nicht Ersatz, aber wie eine Familie.