«L’oeuvre d’art n’as pas d’idée, elle est idée» – dieser Satz steht neben der Eingangspforte des Kunstraums Baden. Es sei nicht eine Idee, die hinter einem Werk stecke; vielmehr sei das Werk an sich eine Idee, erläutert Claudia Spinelli, Kuratorin der Ausstellung «Truffes & Trouvailles». «Der Künstler hat eine Idee, etwas zu gestalten», formulierte Stadtammann Geri Müller an der sonntäglichen Vernissage. Daraus entstehe das, was wir nun im Kunstraum vorfinden - die Werke von 33 Kunstschaffenden, die einen persönlichen Bezug zur Region Baden haben.

Ist es wirklich eine klare Idee, welche die Künstler beim Schaffen in sich tragen? «Das Bild sagt mir, wohin es will, nicht ich.» Es sei keine Entscheidung im Kopf, mit der eine Arbeit beginne, sagt Künstler Remigius Sep. «Zuerst entsteht etwas. Dann reagiere ich auf das, was ich mache.» Vor uns eine Verdichtung von schwarzen Strichen aus dem Handgelenk, ein Blauton wie eine junge Nacht. Ein dunkles Gestöber. Oder was ganz anderes? Der Bildbeschrieb lautet «Ohne Titel». «Ich erkläre den Leuten mein Bild nicht, weil ihnen dann keine Interpretationsmöglichkeit mehr offen steht», sagt Sep.

Ideen blockieren die Veränderung

Ein ausführlicher Titel ist hingegen am Werk von Mirelle Gros notiert: «A straight tree is the first to be cut down». Es beschäftige sich mit dem Nutzen der Nutzlosigkeit. Was nutzlos aussehe, könne in einer anderen Situation plötzlich lebenswichtig werden. Ist das nicht eine klare Idee, mit der Gros arbeitet? Sie gehe nicht von einer Idee aus, sagt Gros. Vielmehr versuche sie, die Idee aufzugeben, sogar die Idee über sich selber: «Ideen blockieren sehr oft die Veränderung.»

Drei Bücher liegen auf zwei quadrischen Sockeln: Die Collagen aus Gedanken, Skizzen und Fotos bilden eine Fundgrube für den Stöberer. Es seien «Spuren vom Dasitzen, vom verzweifelt Sein, vom Pläuscheln – Spuren meines Lebens», sagt der Künstler Emanuel Graf. Zuerst habe er gezögert, diese aus seinem Atelier in die Ausstellung wandern zu lassen.

Die «eigentlichen» Werke von Graf sind gleich daneben an der Wand platziert. «Manchmal sind es Spuren vom Träumen, vom unsicher Sein. Manchmal sind es Spuren des puren Glücks. Ich empfinde es als Staunen, nicht als klar formulierte Botschaft.»

Mit «Truffes & Trouvailles» entsteht eine Plattform: Künstler aus der Region Baden zeigen ihre Arbeit der breiten Öffentlichkeit. «Es ist spannend zu sehen, wo die anderen stehen, woran sie gerade arbeiten», sagt die mitwirkende Künstlerin Ruth Maria Obrist. «Der Kunstraum soll ein Ort sein, wo die Leute sich trauen, Fragen zu stellen», sagt Kuratorin Claudia Spinelli.

Ausstellung «Truffes & Trouvailles» bis 15. Dezember im Kunstraum Baden, Mi-Fr, 14-17 Uhr, Sa und So, 12-17 Uhr