Pandemie
«Es ist unschön, aber nachvollziehbar»: 200 Fasnächtler feiern trotz Corona in Würenlingen

Als wäre die Coronapandemie kein Thema: Am Sonntag kamen in Würenlingen um die 200 Personen zusammen, um die offiziell abgesagte Fasnacht zu feiern. Die Polizei musste gleich mehrmals ausrücken, doch zu Festnahmen kam es nicht.

Larissa Gassmann, Alessandro Crippa
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Vier Fasnächtler feiern in Würenlingen.

Vier Fasnächtler feiern in Würenlingen.

Bild: zvg

Es war ein buntes und für einmal ausgelassenes Treiben, das am Sonntag in Würenlingen herrschte: Trotz Pandemie kamen um die 200 Fasnächtler im Bereich der Oberen Dorfstrasse zusammen. Dies, obwohl alle offiziellen Festivitäten aufgrund der Coronamassnahmen abgesagt werden mussten.

Organisiert wurde der Anlass offenbar von Privatpersonen. Gesuche oder gar eine Bewilligung von Seiten der Gemeinde Würenlingen gab es laut Gemeindeammann Patrick Zimmermann nicht. Er geht von einer spontan entstandenen Versammlung aus. Auch die Fasnachtsgesellschaft, die seit über 50 Jahren die Fasnacht organisiert, habe dieses Jahr nichts unternommen.

Gegen 14 Uhr wurde die Polizei zum ersten Mal informiert

Verschiedene Fasnachtsgruppen und -vereine sowie die drei Präsidenten der örtlichen Guggenmusik distanzieren sich vom Event. Sie könnten diese Veranstaltung nicht befürworten, sagt Nina Luceri von den «Eichlefääger» stellvertretend. In keinem Fall habe man dazu aufgerufen, nach Würenlingen zu gehen und die Fasnacht zu zelebrieren. Wenn jemand aber verkleidet an die Obere Dorfstrasse gegangen sei, habe man dies schlichtweg nicht verhindern können.

Ähnlich sieht dies Zimmermann. Laut ihm könne man nicht jedem nachrennen. «Jeder weiss eigentlich, was im Moment gilt. Für mich ist wichtig, dass die Menschen den Ernst der Pandemie erkennen und eigenverantwortlich handeln», sagt er. Er selber sei nicht vor Ort gewesen, habe aber auf Fotos erkennen können, dass Masken getragen wurden.

An der Dorfstrasse standen viele Leute eng beisammen, häufig aber in kleineren Gruppen.

An der Dorfstrasse standen viele Leute eng beisammen, häufig aber in kleineren Gruppen.

Bild: zvg

Ein anderes Bild bot sich einem Augenzeugen laut 20 Minuten. So seien die Abstandsregeln kaum eingehalten worden. Längst nicht alle Fasnächtler trugen eine Maske. Gegen 14 Uhr wurde schliesslich die Kantonspolizei Aargau verständigt. Laut Mediensprecherin Aline Rey habe die aufgebotene Polizeipatrouille die Anwesenden auf die geltenden Massnahmen sensibilisiert und zum Heimkehren aufgefordert. «Im Verlauf des Nachmittags wurde dann erneut eine Kontrolle durchgeführt. Danach hat sich die Veranstaltung aufgelöst», sagt sie.

Bussen wurden aufgrund der Verhältnismässigkeit keine ausgesprochen. Die Doktrin laute, bei groben Verstössen einzugreifen. «Bei der Lagebeurteilung mussten wir berücksichtigen, dass der Anlass durchwegs friedlich war und sich unter den Leuten Familien mit Kindern befanden», so Rey. Bei grossen Menschenansammlungen stehe die Polizei immer im Spannungsfeld zwischen der Durchsetzung des Rechts und der Wahrung der Verhältnismässigkeit. Laut Rey gingen im Raum Zurzibiet und Baden keine weiteren Meldungen dieser Art ein.

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Normalerweise feiern hier um die 17'000 Besucherinnen und Besucher

Eine Person, die an der Veranstaltung teilgenommen hat, sagt am Montag am Telefon zur AZ: «Wir haben uns spontan getroffen. Es ging auch darum, die regionalen Beizer mit ihrem Take-away-Stand zu unterstützen.» Man habe sich auch an die Abstandsregeln gehalten und die kleine Feier sei friedlich abgelaufen.

Patrick Zimmermann.

Patrick Zimmermann.

Bild: zvg

Zimmermann selbst kann ein gewisses Verständnis für die Fasnächtler aufbringen. «Es ist unschön, aber nachvollziehbar», sagt er. So verweist er auf den Fasnachtsumzug, der sich weit über die Region hinaus grösster Beliebtheit erfreut und im letzten Jahr rund 17'000 Besucher anlockte. «Zahlreiche Mitbürgerinnen und Mitbürger engagieren sich für die Fasnacht», sagt Zimmermann. Viele hätten ihre Häuser dekoriert, auch der Dorfbrunnen wurde wie all die Jahre zuvor schon festlich gestaltet.

Dass es in der Fasnachtshochburg vereinzelt zu Aktivitäten kommen würde, damit war laut Zimmermann zu rechnen. Trotzdem hat ihn das Ausmass überrascht. Er vermutet, dass sich das Ganze herumgesprochen hat. Nach den Vorfällen vom Sonntag habe Zimmermann sich mit dem Präsidenten der Fasnachtsgesellschaft ausgetauscht. Dieser beurteile die Situation ähnlich wie er.

Es gibt aber auch kritische Stimmen. Solche, die die begnadeten Fasnächtler nicht verstehen, weil sie trotz Pandemie nach Würenlingen gegangen sind und gefeiert haben. Die psychische Gesundheit derer, die sich an die Massnahmen halten und zu Hause bleiben, leide enorm mit den Bildern der feiernden Gesellschaft, lautet das Votum eines AZ-Lesers.

So zelebrieren andere Fasnächtler die fünfte Jahreszeit

Fasnacht zu Hause. Schwierig, aber möglich, wie zum Beispiel die «Bloserclique Baden» in ihren Videos auf Instagram beweist. Junge Menschen zerreissen in den eigenen vier Wänden ein Couvert, das mit Konfetti gefüllt ist und zelebrieren die fünfte Jahreszeit auf diese Art und Weise.

Auch die Guggenmusik «Gipsbachschluderi» aus Ehrendingen war kreativ. Sie hat auf ihrer Facebook-Seite mehrere Videos unter dem Motto «D'Schluderis fiiret ellei» hochgeladen, auch am Fasnachtssonntag wieder.

Der Bericht aus «Aktuell »von TeleM1:

TeleM1/Aktuell

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