Baden
Essen auf Seiden-Strasse: gekochte Rentierzunge und frittierte Schweineohren

In sechs Teams befuhren Badener Freunde Teilstrecken der Seidenstrasse bis an den Pazifik – wegen politischer Unruhen musste die Route angepasst werden.

Leonie Voelkin
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Stephan Fröhlich (links) und Stephan Hinz unterwegs mit Land Rover «Urs».

Stephan Fröhlich (links) und Stephan Hinz unterwegs mit Land Rover «Urs».

ZVG

Stephan Hinz und Stephan Fröhlich aus Baden hatten einen Traum: Sie wollten die alte Seidenstrasse, ursprünglich von Sizilien bis nach Peking reichend, bereisen. Die Instandstellung und Reparatur von «Urs» gestalteten sich aufwendiger, komplizierter und teurer als angenommen. «Urs» ist ein Fahrzeug: ein Land Rover 110 mit Jahrgang 1988 und einem V8-Motor. Stephan Hinz, Stephan Fröhlich und ihre Freunde fuhren aufgeteilt in Zweierteams etappenweise von Baden bis nach Wladiwostok.

Umwege wegen Unruhen

Die Seidenstrasse, deren Hauptroute das Mittelmeer über Mittelasien mit Ostasien verbindet, führt heute durch Gebiete mit grossen politischen Unruhen. Diese Risiken wollten die Badener nicht eingehen. «Eine Wunschroute wäre natürlich über die Krim gewesen», sagt Stephan Hinz. «Doch auch diese Alternativroute mussten wir kurz vor Beginn der Reise wegen der politischen Entwicklungen verwerfen.» Die Route führte sodann von Baden über das Baltikum nach Sankt Petersburg und Moskau, danach immer ostwärts Richtung Wladiwostok. Auch China mussten die Freunde umfahren, da die Einreise zu kompliziert gewesen wäre – weil der Offroader nicht auf alle Fahrer zugelassen ist. Sie suchten und fanden eine sichere und moderne Interpretation der Seidenstrasse, und so fuhren sie nur auf Teilstrecken des alten Handelsnetzes.

Von Moskau führt eine Verbindungstrasse nach Wladiwostok, die relativ gut befahrbar ist. «Die Leute, die wir trafen und die Weite der Landschaft – speziell die Wüste Gobi –, waren ein Erlebnis», erzählt Stephan Fröhlich. Die Fahrerinnen und Fahrer haben ihre Reise akribisch dokumentiert und in einem Blog veröffentlicht. Die Teilnehmer erlebten, sahen und assen viel Kurioses: frittierte Schweineohren in Tallinn, eine ausgestiegene Benzinpumpe, ein Bus des Zürcher Verkehrsverbundes mitten in Perm, gekochte Rentierzungen, Wurstwarenfabrikanten in Tarnanzügen, Desinfektionsbad für «Urs» an der mongolischen Grenze, vergorene Stutenmilch beim Businesslunch mit Koreanern und Täler mit wilden Pferden und Kamelen.

Sechs Etappen, sechs Teams

Team 1 fuhr nach Danzig, wo «Urs» an Stephan Hinz und sein Team übergeben wurde, die in Moskau den Land Rover erneut übergaben. Über den Ural führte die Route Team 3 nach Jekaterinburg, wo eine erneute Übergabe stattfand. Das Team 4 mit Stephan Fröhlich bewegte sich in der Taiga nach Osten fort. Schliesslich übergab es das Logbuch und die Autoschlüssel in Krasnojarsk dem Team 5. Deren Etappe führte zum Baikalsee, dem grössten Süsswasserreservat der Erde, von wo aus die Reise leicht südöstlich in die Hauptstadt der Mongolei, Ulaanbaatar, führte. Danach übernahmen die Besitzer Stephan Fröhlich und Stephan Hinz das Fahrzeug, um die Wüste Gobi zu erleben.

Nach 95 Tagen beziehungsweise 20 944 Kilometern war «Urs» am Ziel Wladiwostok. Jetzt steht der Land Rover in einem Container im Hafen von Wladiwostok und wartet auf ein Schiff, das ihn nach Amerika bringt, um die nächste Abenteuerreise anzutreten.

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