Wettingen
Essen im Erker: Die Aussicht von Schloss Schartenfels nach Baden wird besser

Das Restaurant Schloss Schartenfels erhält einen sechs Meter langen Panoramaerker. Die bautechnische Umsetzung mit den denkmalplflegerischen Auflagen hat ihre Tücken.

Dieter Minder
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Im Bereich des Dreifachfensters wird der Erker eingebaut
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Der Schartenfels während der 1
Die Treppe zum Schloss Schartenfels gehört zum Geopfad der Stadt Baden
Der Hof des Schlosses Schartenfels
Blick vom Schartenfels nach Baden
Das Säli wird anstelle der Mauer (links) ein grosses Fenster mit Erker erhalten
Essen im Erker: Schloss Schartenfels in Wettingen erhält einen Panoramaerker
Wirt Gian Riederer und Emil Bosshart, Präsident der Ortsbürgerkommission, besprechen die Baupläne. Dieter Minder

Im Bereich des Dreifachfensters wird der Erker eingebaut

Vom Garten und vom Restaurant des Schloss Schartenfels bietet sich ein schöner Rundblick durch das Limmattal. Dagegen ist die Aussicht vom Säli, das über wenige und kleinere Fenster verfügt, sehr eingeschränkt. Es kam vor, dass Interessen auf eine Reservation verzichteten, weil es nur noch im Säli freie Plätze gab.

Sommerwirtschaft seit 1882

Für nur 5000 Franken erwarb Gottfried Anner, Gerichtskanzlist und späterer Vize-Amtmann in Baden, 1875 rund 63 Aren Weinberg und Gelände im Bereich des Schartenfels. 1882 richtete er erstmals eine Sommerwirtschaft ein. Anner vergrösserte seinen Besitz an der Lägern und baute ihn bis 1894 zu einer schlossähnlichen Anlage aus. Nach diversen Handänderungen erwarben die Wettinger Ortsbürger die 1978 Liegenschaft. Das Restaurant wurde umfassend renoviert und am 30. April 1979 wiedereröffnet. Seit 2007 begrüssen Gian und Denise Riederer die Gäste im Restaurant Schloss Schartenfels. (DM)

Diesen Makel wollen die Wettinger Ortsbürger als Eigentümer mit einem grossen Panoramafenster beheben. Sie realisieren an der Nordfassade einen raumhohen, rund 6 Meter langen und bis 1,5 Meter über die Mauer hinaus ragenden Erker. Eine Absicht, die bei Denkmalpflege und Heimatschutz nicht nur auf Gegenliebe stiess.

Doch jetzt sind die Bewilligungen für den Erker erteilt und ab Januar wird er realisiert. Emil Bosshart, Präsident der Ortsbürgerkommission Wettingen freut sich auf den Ausbau, ist aber weniger zufrieden, wenn er auf die Finanzen schaut: «Die Auflagen kosten uns zusätzlich rund 200 000 Franken, ohne dass wir auch nur eine Flasche Wein oder ein Essen mehr verkaufen können.» Insgesamt investieren die Ortsbürger rund 1,6 Millionen Franken in ihr Gebäude.

Keine Stütze für den Erker

Bereits Anfang dieses Jahres war das Restaurant für zwei Monate geschlossen gewesen. Die gesamte Lüftung und Teile der Küche wurden erneuert. Schon dieses Projekt war bei der kantonalen Denkmalpflege auf Kritik gestossen. In Absprache einigten sich Kanton und Ortsbürger auf die teurere und Anfang 2013 realisierte Lösung.

Wie von der Denkmalpflege verlangt, ist aus der Umgebung von den Wärmetauschern auf dem Dach nichts zu sehen. Der Heimatschutz kritisierte zusätzlich zu den Dachaufbauten die für den Erker geplante Stütze. Das hat zu einer Verzögerung geführt. Deshalb wird der Erker erst Anfang 2014 und ohne Stütze gebaut.

Keine einfache Aufgabe

Statisch gesehen ist das Vorhaben keine einfache Aufgabe. Vor rund 140 Jahren wurden zum Bau des Gebäudes Bruchsteine und ein Mörtel mit geringer Qualität verwendet. Weil praktisch die ganze Nordwand des Sälis entfernt wird, müssen die Decke und das darüber liegende Geschoss mit massiven Stahlträgern abgefangen werden. Weitere Stahlträger müssen horizontal in den Boden eingebaut werden. Sie müssen den Erker tragen.

«Wir werden das Restaurant während der Bauzeit für zwei Monate schliessen», sagt Wirtin Denise Riederer. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden Ferien nehmen, Militärdienst absolvieren oder kurzfristige Stellen antreten. «Unsere vier Lehrlinge werden wir bei befreundeten Betrieben unterbringen.» So sollte der Unterbruch möglichst problemlos vonstatten gehen. «Wir haben bereits Reservationen für das neue Säli», sagt die Wirtin. Dank dem Ausbau wird dessen Kapazität von rund 50 auf rund 60 Plätze erhöht.

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