Rund zwei Millionen Tonnen Nahrungsmittel gehen jährlich zwischen Feld und Teller verloren. Vieles davon wäre noch essbar. Ein neueres Konzept, um der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken, ist das der «RestEssBar»: An einem jederzeit frei zugänglichen Ort steht ein Kühlschrank, in dem überschüssige Lebensmittel von verschiedenen Läden zur Verfügung gestellt werden. Freiwillige transportieren diese zu den Kühlschränken. Mittels einem per SMS oder Mail generierten Zugangscode können das Schloss geöffnet und die Lebensmittel herausgenommen werden.

Solche Gemeinschaftskühlschränke gibt es inzwischen in zwölf kleineren und grösseren Ortschaften, auch wenn nicht alle unter dem Namen «RestEssBar» laufen. Die Stadt Baden erhält nun Standort Nummer 13. Am 30. August werden die von der «Brauerei Müller» gesponserten Kühlschränke an der Gartenstrasse 2 in Betrieb genommen.

Die «RestEssBar Baden» entstand auf Initiative von Deborah Knecht (26) und ihren sieben Mitstreitern zwischen 23 und 45 Jahren. Im März gründeten sie den Verein, nachdem sie sich Ende 2017 zum ersten Mal zusammengefunden hatten. Ursprung des Zusammentreffens war ein Anlass der Grünen Baden, an dem die Themen Food- und Zero Waste im Zentrum standen. Danach wollten sie gemeinsam aktiv etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun: «Ziemlich rasch entschieden wir uns für die Idee mit dem Kühlschrank», erklärt Vorstandsmitglied Deborah Knecht, die neben ihrem Vollzeitjob als Lehrerin auch in der Geschäftsleitung von «ohne.ch» sitzt, dem ersten Unverpackt-Laden von Baden. «Wir dachten, es sei einfacher, ein bestehendes Konzept zu übernehmen, bei dem eine gewisse Vorarbeit bereits geleistet ist», sagt sie.

Essen retten – Reste essen

Den Namen «RestEssBar» wollten die Badener erst nicht übernehmen, aber die anderen Vorschläge überzeugten noch weniger und keiner brachte besser auf den Punkt, um was es hier geht: «Essen retten — Reste essen!» Anders als Organisationen wie «Tischlein Deck Dich» oder die «Schweizer Tafel», die sich ebenfalls der Lebensmittelrettung verschrieben haben, profitieren von der «RestEssBar» jedoch alle Menschen und nicht ausschliesslich diejenigen, die in Armut leben.

Herausfordernde Gesetze

Auch wenn die Grundidee einfach klingt, die Umsetzung der «RestEssBar Baden» war es indes nicht. Es mussten Läden gefunden werden, die ihre nicht verkauften Lebensmittel am Abend abgeben. Aktuell spenden der Unverpackt-Laden «ohne.ch» und «Beck Arnet» ihre überschüssigen Lebensmittel.

«Die Gespräche mit den grossen Detailhändlern waren teilweise sehr lange und intensiv, aber am Ende kam doch keine Zusammenarbeit zustande», ist Knecht etwas konsterniert. «Ich habe mir die Suche nach Läden etwas einfacher vorgestellt», gibt sie offen zu. Trotzdem ist sie zuversichtlich, ist sie doch in Verhandlungen mit weiteren Läden. Die hiesigen Gesetze waren ebenfalls eine Herausforderung für den Verein.

Für die Lagerung im Kühlschrank müssen Hygiene-Bestimmungen zur Kühlung eingehalten und zudem die Produkte mit den Inhaltsstoffen deklariert werden. «Inzwischen konnten wir aber alles Wichtige mit dem Lebensmittelamt klären und haben grünes Licht erhalten», sagt Deborah Knecht erleichtert.

Zu Beginn werden Freiwillige am Dienstag- und Donnerstagabend die Lebensmittel einsammeln und in die Kühlschränke stellen. Ziel ist, dass diese innerhalb 24 Stunden leer sind – und dass eines Tages die Freiwilligen jeden Abend Lebensmittel einsammeln könnten: «Dazu brauchen wir aber mehr Läden und Freiwillige, die mitmachen.»