Baden
ETH-Professor: Die Gefahr einer Immobilienblase gebannt

Didier Sornette sagte einst die Immobilienblase in den USA voraus. Letzten Sommer taxierte er den Bezirk Baden als kritisch. Anzeichen für eine Blase seien inzwischen aber verschwunden.

Pirmin Kramer
Merken
Drucken
Teilen
Experten warnen vor einer Immobilienblase, die Banken und Eigentümer treffen würde. (Symbolbild)

Experten warnen vor einer Immobilienblase, die Banken und Eigentümer treffen würde. (Symbolbild)

Keystone

Didier Sornette, Professor für Entrepreneurial Risks an der ETH Zürich, erarbeitet mit seinen Mitarbeitern mithilfe von Daten des Internetdienstes comparis.ch regelmässig einen Immobilienreport. Im Sommer kam der Bericht zum Schluss, dass schweizweit in drei Bezirken starke Anzeichen für eine Immobilienblase bestehen: In Bülach, Dielsdorf und Baden.

Auffällig sei, dass die Bezirke mit starken oder schwachen Zeichen einer Immobilienblase allesamt nicht mitten in den häufig als überhitzt benannten Märkten wie etwa Zürich liegen, sondern bereits etwas weiter entfernt in deren Einzugsgebiet.

«Der Hype endet»

Es bestehe aber kein Grund zur Sorge, sagte Sornette letzten Sommer weiter: Zu einem Crash werde es nicht kommen, vielmehr erwarte er eine allmähliche Abflachung des Preisanstieges oder eine Stagnation der Preise. «Grundsätzlich platzen Blasen nicht, sie lassen langsam Luft ab.»

Tatsächlich: Im neusten Immobilienreport von Mitte-Januar heisst es, die zuvor starken Blasen-Anzeichen in Baden hätten sich inzwischen aufgelöst. Felix Schneuwly vom Online-Portal comparis.ch erklärt: «Didier Sornettes Modell beruht auf dem Preisanstieg, der unabhängig des Preisniveaus sehr stark ansteigt und vor allem auch psychologische Gründe hat. Er glaubt, dass Blasen entstehen, wenn hohe Preise die Nachfrage nicht dämpfen, sondern sie im Gegenteil weiter ansteigen lassen, weil eine Art Hype entsteht – die Käufer stimulieren einander und steigern die Kauflust, weil jeder von der vermeintlich massiven Wertvermehrung profitieren will.»

Im letzten halben Jahr sei dieser Preisanstieg in der Region Baden aber abgeflacht, sagt Schneuwly. «Der Hype endet – überhöhte Preise werden nicht mehr bezahlt.»

Treffende Vorhersagen

Didier Sornette hat sich einen Namen gemacht, weil er die Immobilien-Blase in den USA voraussagte und ebenso den Absturz des wichtigsten Aktienindexes Chinas im Jahr 2009. «Wir wollen einen Paradigmenwechsel der Ökonomie herbeiführen», sagte er in einem Interview mit dem «Spiegel». «Gelingt es, wäre es eine Revolution, so bedeutsam wie der Darwinismus für die Biologie oder die Quantenmechanik für die Physik.»

Wie Erdbeben

Sornette will beweisen, dass Finanzkrisen nach ähnlichen Gesetzen funktionieren wie Erdbeben, epileptische Anfälle und Explosionen von Treibstofftanks in Raketen.

Im Auftrag des Luftfahrtkonzerns EADS untersuchte er Anfang der neunziger Jahre, unter welchen Bedingungen Treibstofftanks von «Ariane»-Raketen explodieren. Sornette entwickelte das Modell der «superexponentiellen Signatur»: Kleine Schäden potenzieren sich gegenseitig in ihrer Wirkung, bilden grössere Risse und wirken so im Kollektiv auf die Explosion hin. Das Prinzip sei stets «positives Feedback», ein sich selbst verstärkender Prozess.