Baden
Euphorie nach Sensationsfund: Politiker wollen ihn vermarkten – doch eine Archäologin warnt

Die Entdeckung des Badebeckens aus der Römerzeit sorgt für Furore. Politiker wollen es für Publikum sichtbar machen – eine Archäologin mahnt.

Pirmin Kramer
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Sensationsfund in Baden: Römisches Badebecken

Sensationsfund in Baden: Römisches Badebecken

zvg Visualisierung: Rolf Meier/Gemeinde Ennetbaden

1900 Jahre alt dürfte das römische Badebecken sein, das vor wenigen Tagen im Badener Thermalquartier entdeckt wurde. Archäologin Andrea Schär sprach von einem spektakulären Fund: «Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir das hier finden.» Die Entdeckung stütze die These, dass in Badener Thermen seit der Römerzeit ununterbrochen gebadet wurde. Also selbst im dunklen Mittelalter, in dem die zivilisatorischen Fortschritte eine kleine Verschnaufpause einlegten. Das Becken, vermuten Experten, dürfte bis ins Mittelalter oder in die frühe Neuzeit Teil des legendären Badener Verenabades gewesen sein.

Zeitungen und Nachrichtenportale aus ganz Europa haben in den vergangenen Tagen über den sensationellen Fund berichtet. Und auch in Baden herrscht Euphorie – zumindest bei Historikern. Der Badener Stadtarchivar Andreas Steigmeier kommentierte auf LinkedIn: «2000 Jahre ununterbrochene Nutzung, was für eine Marketinggrundlage für die neuen Bäder.»

Thermalbad Baden – so soll das Botta-Bad von innen aussehen:

Neue Visualisierungen: So soll das neue Thermalbad Baden aussehen.
15 Bilder
Sauna.
Restaurant.
Innenansicht Badebereiche.
Schwimmbecken.
Aussenansicht.
Aussenansicht.
Aussenansicht.
Thermalbad Baden: So sieht das Botta-Bad von innen aus
So soll das neue Thermalbad Baden aussehen. (Visualisierung)
So soll das neue Thermalbad Baden aussehen. (Visualisierung)
So soll das neue Thermalbad Baden aussehen. (Visualisierung)
So soll das neue Thermalbad Baden aussehen. (Visualisierung)
So soll das neue Thermalbad Baden aussehen. (Visualisierung)
So soll das neue Thermalbad Baden aussehen. (Visualisierung)

Neue Visualisierungen: So soll das neue Thermalbad Baden aussehen.

zvg

Zwei FDP-Einwohnerräte verlangen nun, dass Baden den Fund für die Öffentlichkeit sichtbar macht und vermarktet. Mark Füllemann und Stefan Jaeck­lin schreiben: «Das Sichtbarmachen eines Teils des Badebeckens im Boden könnte im Kurplatz erfolgen durch eine Glasplatte, die auch das Betreten und Befahren und gleichzeitig einen Blick in die Vergangenheit ermöglicht.» Füllemann und Jaecklin sind überzeugt, dass das Sichtbarmachen eines Fundes dieser Bedeutung eine ausgezeichnete Marketingmassnahme wäre. «Dies erfordert aber schnelles Handeln.»

Darum wollen sie in einer dringlichen parlamentarischen Anfrage vom Stadtrat wissen, ob dieser die Meinung teile, dass der Fund einen wesentlichen Bestandteil darstellen könnte im Bestreben, «die Bäderstadt wieder zu positionieren». Und die Einwohnerräte fragen, welche Schritte die Stadt plane, um die Sichtbarmachung zu ermöglichen.

Ein Kulturerbe auch für kommende Generationen

Doch wäre es aus archäologischer Sicht überhaupt zu verantworten, das Badebecken für Publikum sichtbar zu machen? «Eine schwierige Frage», sagt Andrea Schaer, die im Auftrag der Kantonsarchäologie den laufenden Thermal- und Werkleitungsbau am Kurplatz begleitet. «Aus rein archäologischer Sicht wäre die beste Lösung, den Fund im Boden zu belassen und die freigelegten Teile mit Kies oder Sand zuzuschütten und ihn auf diese Weise zu schützen», sagt sie.

Doch gleichzeitig müsse man bedenken, dass das Badebecken nach dem Fund nicht den Archäologen gehöre, sondern der Allgemeinheit, und dass der Wunsch nach Sichtbarmachung darum legitim sei. «Es handelt sich um ein Kulturerbe, das nicht nur für unsere Generation, sondern auch für unsere Urenkel von Bedeutung sein wird. Darum müssen wir dem Badebecken Sorge tragen, unabhängig von der Frage, wie man es vermarkten soll», ist Schaer überzeugt.

Nachhaltigkeit sei auch in diesem Zusammenhang das entscheidende Stichwort. Eine archäologische Stätte sichtbar zu machen, sei heutzutage dank der Digitalisierung auch mit Visualisierungen sehr gut möglich, sagt Andrea Schaer.

Historische Fotos des Bäderquartiers:

Der Badener Kurplatz mit dem Schweizerhof und dem Staadhof, links hinter der Linde.
15 Bilder
Das Hotel Verenahof am Kurplatz, um 1900.
Das offene Verenabad in der Darstellung des Zürcher Malers Ludwig Vogel, 1820.
Der Freihof von der Limmat aus, um 1896 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.209
Inhalatorium Limmathof, um 1899 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.218
Ennetbaden um 1910 von der Schiefen Brücke aus Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.196
Ennetbaden um 1885 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.203
Blick auf die Limmat, das Grand Hotel und Rieden um 1890 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.78
Das Grand Hotel um 1890 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.107
Die Terrasse des Grand Hotels um 1895 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.60
Der Rolls Royce in der Garage des Grand Hotels um 1952 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.453
Das Hotel Bären und die neue Dreikönigskapelle um 1890 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.91
Der Speisesaal des Hotels Blume um 1900 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.1143
Goldwand um 1911 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.252
Kuranlage mit Trinkbrunnen um 1935 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.33

Der Badener Kurplatz mit dem Schweizerhof und dem Staadhof, links hinter der Linde.

Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q.12.1.954