Baden
Event-Chaoten sind kein Thema, dafür Alkohol und FCB-Fans

Nach dem Cup-Spiel zwischen Baden und FC Winterthur im Stadion Esp wurden Winterthur-Fans verprügelt. Frustrationstoleranz und Hemmschwelle seien bei vielen Jugendlichen erschreckend tief, heisst es.

Roman Huber
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Stgadtrat Reto Schmid bei einer Videoüberwachung

Stgadtrat Reto Schmid bei einer Videoüberwachung

Aargauer Zeitung

Während sich die Zürcher Ordnungshüter am Wochenende mit Event-Chaoten auseinandersetzten, sorgten in Baden wieder einmal Fans des heimischen Fussballclubs für Aufruhr. Das Cupspiel gegen Winterthur im Stadion Esp lief zwar friedlich ab. Doch nach der 0:1-Niederlage ihres FC Baden passten 40 Fans am Bahnhof den zehn Winterthurer Schlachtenbummlern ab und verprügelten sie. «Wir prüfen nun, ob die Stadt als Stadionbesitzerin ein Stadionverbot gegen die Täter aussprechen kann», erklären Stadtrat Reto Schmid, Vorsteher Ressort Sicherheit, und sein Ressortleiter Martin Zulauf.

Sicherheit in Baden gewährleistet

«Nachdem wir vor der Badenfahrt 2007 die Patrouillentätigkeit und auch den Personalbestand der Stadtpolizei deutlich erhöht hatten, spürten wir in den Folgejahren eine nachhaltige Verbesserung der Sicherheit», erklärt Schmid. Dies, so Martin Zulauf, werde durch entsprechende Umfragen belegt. «Wir haben es seit längerem relativ ruhig, und die Sicherheit ist gewährleistet», sagt der Chef der Stadtpolizei. Insbesondere bei den Jugendlichen habe sich die Situation merklich beruhigt.

Event-Chaoten oder linke Autonome kenne man hier nicht, sagen Schmid und Zulauf, dafür das typische Problem einer Zentrumsstadt. So werde die Polizei in den Wochenend-Nächten auf Trab gehalten: «Bei 90 Prozent der Vorfälle ist Alkohol im Spiel», nennt Schmid die Hauptursache. Man prüfe nun Szenarien wie in Chur, um dagegen vorzugehen. Laut Zulauf besteht die Problemgruppe aus jungen Erwachsenen, überwiegend ausländischer Herkunft.

Frustrationstoleranz und Hemmschwelle seien erschreckend tief, sagt Schmid. Das gelte sowohl bei der Gewaltbereitschaft als auch beim fehlenden Respekt gegenüber Personen, sogar Ordnungshütern. Und mache die Polizei eine Festnahme, müsse sie den Täter nach der Einvernahme gleich gehen lassen, «ansonsten wird gegen das Vorgehen garantiert geklagt». «Politisch sind wir machtlos», sagt Schmid. Doch er plädiert in seinem Korps «für ein härteres Vorgehen und für Nulltoleranz gegenüber Gewalt jeglicher Art».

Froh um mehr Videoüberwachung

«Ich will eine sichere Stadt», sagt Schmid. Er sei froh, dass dank dem Postulat von Markus Schneider für weitere Videoüberwachung im öffentlichen Raum die Polizeipräsenz begleitend unterstützt werden könne. «So haben wir schon viele Straftäter überführt», sagt Schmid.

Bei der Stadtpolizei Baden und für die fünf Vertragsgemeinden sind 34 uniformierte Polizeibeamte im Einsatz, weitere sieben Zivile sind in der Administration tätig. Gemäss spezieller Vereinbarung mit der Kantonspolizei haben sie über die üblichen Aufgaben einer Regionalpolizei hinaus auch bei Fällen wie häuslicher Gewalt einzuschreiten.