Es geschah um vier Uhr morgens im Tankstellenshop der Raststätte Würenlos. Zwei sich flüchtig bekannte Gruppen von jungen Männern aus Ex-Jugoslawien waren sich in die Haare geraten. Eine Dreiergruppe verliess dann den Shop. Weil beim Gerangel der Autoschlüssel verloren gegangen war, kehrte das Trio zusammen mit einem vierten Kumpel zurück. Drinnen gings dann so richtig los. Das Resultat: Prellungen, Blutergüsse, Zahnschmerzen, ein gebrochener Mittelhandknochen, kaputte Verkaufsregale und ein blutverschmierter Ladentisch.

Notwehr mit dem Hosengurt?

Sieben Beteiligte wurden in der Folge schriftlich zu bedingten Geldstrafen verknurrt; der Achte musste sich jüngst vor dem Bezirksgericht Baden verantworten: Nur drei Wochen vor dem Vorfall an der Raststätte hatte der heute 24-jährige Adem (Name geändert) vom Kriminalgericht des Kantons Luzern wegen gewebs- und bandenmässigen Diebstahls eine bedingte Gefängnisstrafe von 22 Monaten aufgebrummt bekommen.

Vor Gericht negierte Adem hartnäckig, an der Schlägerei beteiligt gewesen zu sein. Er habe nur geholfen, den verlorenen Schlüssel zu suchen und sich dabei gegen Angreifer gewehrt. Zu diesem Zweck habe er auch seinen Hosengurt ausgezogen gehabt. Der Einwand von Gerichtspräsidentin Gabriela Fehr, dass auf dem Video deutlich zu sehen und von diversen Zeugen bestätigt worden sei, dass er mit dem Gürtel zuschlug, stellte Adem energisch in Abrede. Er habe nichts gemacht, sei selber aber von hinten auf den Kopf geschlagen worden.

Kein unbeschriebenes Blatt

Adem wohnt bei seinen Eltern und Geschwistern, hat einen guten Monteur-Job und verdient netto 4600 Franken. Figelant sitzt er da: Röhrlihosen, spitze Schuhe, sportliches Jacket, weisses Hemd, smartes Halstuch, goldenes Armband, gepflegter Haarschnitt – ein Winner-Typ, könnte man meinen. Allerdings dürfte sich das Leben des Adem schon bald gründlich ändern. «Ich werde abgeschoben, das steht schon fest, sobald die Strafe getilgt ist», bekennt er offen. Die besagte Strafe geht auf einen Entscheid des Jugendgerichtes aus dem Jahre 2007 zurück. Wegen Raufhandels hatte es Adem zu sechs Monaten unbedingt verurteilt. «Die trage ich nun ab, indem ich mit elektronischen Fussfesseln zur Arbeit gehe und jeden Abend pünktlich um sechs Uhr daheim bin.» Nebst dieser Jugendstrafe und dem Urteil aus Luzern gehen auch noch diverse Vergehen gegen das Strassenverkehrsgesetz auf Adems Sündenkonto.

Ausschaffung steht schon fest

Im jüngsten Fall sollte er gemäss Ankläger mit 120 Tagessätzen à 120 Franken unbedingt bestraft werden. Die Verteidigerin plädierte auf Freispruch: Es sei nicht rechtsgenüglich nachgewiesen, dass Adem an der Schlägerei beteiligt gewesen sei.

Das Gericht war jedoch einstimmig anderer Ansicht und sprach Adem schuldig: «Es ist unglaubwürdig, dass einer, der sich mit dem Gurt bewaffnet, damit nicht zuschlägt», begründete Präsidentin Fehr. Die Probezeit für das Luzerner Verdikt wurde um ein Jahr verlängert, wegen Raufhandels wurde Adem zu 100 Tagessätzen à 120 Franken verurteilt – angesichts der Vorstrafen zwingend unbedingt. Das Gericht hat seine Pflicht getan und ein Urteil gefällt. Obgleich – genau betrachtet – es ja eigentlich müssig war. Denn es liegt auf der Hand, dass der Staat die 12 000 Franken ebenso wenig je zu Gesicht bekommen wird wie die Verfahrenskosten. Schliesslich wird Adem unser Land schon bald auf Nimmerwiedersehen verlassen.