Von 1798 bis 1803 existierte der «Canton de Baden». Soll er wiederauferstehen? Diese Frage – selbst wenn sie stets mit einem Augenzwinkern gestellt wird – steht seit Generationen im Raum und will nie an Aktualität verlieren, fühlen sich doch viele Badener dem Aargau nicht richtig zugehörig. Auf Facebook wurde dieses Jahr eine Gruppe gegründet, die ankündigt, bei 100 000 Mitgliedern eine Volksinitiative für einen eigenen Kanton zu lancieren. «Badener sind weder Aargauer noch Zürcher. Warum sollte Baden nicht wieder ein Kanton werden?» Im Internet werden T-Shirts mit der Aufschrift «Kanton Baden» verkauft, und die Spanischbrödlizunft gedenkt ihm jährlich – halb ernst, halb scherzhaft – mit einem ihrer Anlässe. Am Wochenende äusserte sich sogar der künftige Grossratspräsident Markus Dieth in der «Schweiz am Sonntag» zum Kanton Baden –  er wünscht ihn sich allerdings nicht zurück.

Rund 46'000 Einwohner

Nicht allen, die sich das ehemalige Gebilde zurückwünschen, ist bewusst, dass der Kanton Baden zeitlebens mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und sich nie zu einem lebensfähigen Staat entwickelte. Er entstand, als 1798 die alte Eidgenossenschaft von der Helvetischen Republik abgelöst wurde und neue Kantone gebildet wurden. Der Kanton Baden war auf der Karte ein schmaler, lang gezogener Streifen, setzte sich zusammen aus der ehemaligen Grafschaft Baden, den Freien Ämtern und dem Kelleramt und zählte rund 46 000 Einwohner. Im Gegensatz zum heutigen föderalistischen System, bei denen Kantone über eine gewisse Eigenständigkeit verfügen, wurden die Kantone in der Helvetik zentralistisch verwaltet.

Die konservative katholische Bevölkerung habe sich gegenüber dem helvetischen Staat passiv verhalten, heisst es in einem Artikel im Historischen Lexikon (HLS) der Schweiz, den der Badener Historiker Andreas Steigmeier verfasst hat. «Die Rekrutierungsbasis für Beamte und Politiker war entsprechend schmal. Manche mussten aus Nachbarkantonen geholt werden.»

Innere Zerrissenheit

Der Kanton Baden hatte nicht nur in personeller Hinsicht zu kämpfen. «Die Wirtschaftskraft war bescheiden, existierten doch nur in einem Teil der Freien Ämter proindustrielle Erwerbsformen, etwa die Strohflechterei.» Eines der Hauptprobleme des Kantons Baden war ausserdem seine innere Zerrissenheit. «Verschiedene Gemeinden und Gebiete strebten eine Zugehörigkeit zu Zürich, Luzern, Zug oder gar Schwyz an.» Der finanziell schmalbrüstige Kanton Baden sei mehrfach von der Aufhebung bedroht gewesen. Bereits drei beziehungsweise vier Jahre nach seiner Gründung wurde eine Verschmelzung mit dem Kanton Aargau beschlossen, aber noch nicht vollzogen. Napoleon war es, der 1803 die heutigen Grenzen mit der sogenannten Mediationsakte festlegte: Der Kanton Baden wurde aufgelöst und mit den Kantonen Aargau und Fricktal vereinigt.

Ernsthafte Bestrebungen für eine Wiederauferstehung des Kantons Baden habe es seines Wissens nie gegeben, erklärt Steigmeier. Tatsächlich käme sie einem beispiellosen Antagonismus gleich, gehe doch der Trend derzeit zu grösseren und nicht zu kleineren Verwaltungsstrukturen. Bei den halbernsten Voten, die für dessen Wiederauferstehung plädieren, fehle ihm die Auseinandersetzung mit der Grundsatzfrage, wo die Grenzen des Kantons festgesetzt werden müssten, wendet Steigmeier ein.