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Fährt bald eine «Stadtbahn Baden» durch das Meierhof-Quartier?

Wegen Bauarbeiten am Heitersbergtunnel sind Anfangs März bereits Personenzüge auf der ehemaligen Nationalbahnstrecke im Badener Quartier Meierhof gefahren.

Wegen Bauarbeiten am Heitersbergtunnel sind Anfangs März bereits Personenzüge auf der ehemaligen Nationalbahnstrecke im Badener Quartier Meierhof gefahren.

Träumen darf man immer: Nachdem bekannt wurde, dass am Tag nur bis zu fünf Güterzüge über die ehemalige Nationalbahnstrecke durchs Badener Meierhof-Quartier fahren, flammt nun die Diskussion über eine Stadtbahn auf dem Trassee wieder auf.

Um das S-Bahn angebot ausbauen zu können, will die SBB Güterzüge umleiten – auch durch das Meierhof-Quartier in Baden (BT vom 3.3.). Da nur bis zu fünf solcher Züge durch das Quartier fahren sollen, flammt nun die Diskussion über eine Stadtbahn auf dem Trassee wieder auf.

«Zwischen den Güterzügen hätte eine Stadtbahn relativ gut Platz und könnte zu den Stosszeiten die Mellingerstrasse entlasten», schreibt Hans Hauri, einst Gründungspräsident des Verkehrs-Clubs der Schweiz und früherer Badener Einwohnerrat, in einer Mail an die Redaktion. Belastet würde das Quartier durch eine solche Bahn kaum, «zwischen dem Lärmchen eines Normalspurtrams und dem Lärm eines Güterzugs liegen Welten», sagt Hauri.

Lukas Frey, Co-Präsident des Quartiervereins Meierhof, bläst ins gleiche Horn: «Im Quartier war der jahrzehntelange Personenbahnverkehr nie ein Diskussionspunkt», sagt er. «Uns stören primär die Mellingerstrasse und der nächtliche SBB-Güterverkehr.»

Gemäss Frey könnte das Quartier von einer Stadtbahn nur profitieren. «Ich wünsche mir diese schon lange. Dass sie bislang nicht umgesetzt wurde, kann ich nicht verstehen», sagt er. «Wenn ich an den Mehrverkehr denke, den die Überbauung Galgenbuck in Dättwil bringen wird, so graut es mir schon jetzt bezüglich Überlastung der Mellingerstrasse.»

Das Projekt der «Badener City-Bahn», kurz «bcb», ist alt. 1997 hatte Hans Hauri gemeinsam mit Norbert Oehrli das Projekt entworfen. Es sah zwei Bahnen vor, die im Halbstundentakt zwischen dem damaligen – heute geschlossenen – Bahnhof Mellingen und dem Bahnhof Würenlos hin und her fahren und sich in Dättwil kreuzen. Zu den fünf bestehenden Bahnhöfen würden vier bis fünf weitere Haltestellen erstellt.

In einem weiteren Schritt könnte der Zug als Strassenbahn bis an die Mellinger Reussbrücke weitergeführt werden. In Baden müsste der Hundsbuck-Tunnel gebaut werden, um den Bahnhof Baden und später sogar das Areal der ABB/Alstom und die Berufsschule am Martinsberg mit der Stadtbahn zu verbinden.

So könnte die Stadtbahn einst verlaufen. Der Tunnel zum Bahnhof Baden und die Verbindung an die Mellinger Altstadt müssten noch gebaut werden.

So könnte die Stadtbahn einst verlaufen. Der Tunnel zum Bahnhof Baden und die Verbindung an die Mellinger Altstadt müssten noch gebaut werden.

Die Idee wurde von der Stadt Baden aufgenommen im «Kommunalen Gesamtplan Verkehr», einem Papier mit Zukunftsvisionen zum Verkehr in und um Baden. Punkto Stadtbahn werden dort auch Trassee-Varianten vorgeschlagen, die näher an Siedlungskerne führen – etwa in Fislisbach. Südlich gibt es gar die Idee einer Weiterverbindung von Mellingen bis auf den Mutschellen.

«Die Grundidee ist, kantonale Entwicklungsschwerpunkte wie Dättwil mit einem zusätzlichen öV-Träger zu erschliessen», sagt Rolf Wegmann, Abteilungsleiter Entwicklungsplanung in Baden. Dättwil könnte einst eine «Park and Rail»-Anlage erhalten und von Buslinien als Endstation mit Umsteigen auf die Stadtbahn benützt werden.

«Zu teuer für zu wenig Passagiere»

Das seien aber alles nur Zukunftsvisionen, sagt Wegmann, und ruft in Erinnerung: Die Wirtschaftlichkeit einer solchen Stadtbahn ist heute fraglich. Schon beim Bau der Nationalbahnstrecke im 19. Jahrhundert seien mehrere Gemeinden in finanzielle Not geraten. 2003 wurde das Stadtbahn-Projekt von der Firma Metron geprüft. Diese kam zum Schluss, dass die Bahn kein wirtschaftliches Potenzial habe: Erstellung und Unterhalt kämen zu teuer für die zu erwartende – eher bescheidene – Anzahl Passagiere.

Reto Kobi, Projektleiter öffentlicher Verkehr beim Kanton, sagt: «Ohne eine direkte Verbindung an den Bahnhof Baden wirds schwierig», der dafür nötige Tunnel durch den «Hundsbuck» käme sehr teuer. Zwar sei die Bevölkerung in der Region seit der Studie von 2003 angestiegen. Genügend Potenzial für die Bahn sei aber noch nicht vorhanden, auch weil das Nationalbahn-Trassee – ausser im Badener Meierhof-Quartier – nicht wie eine Tramlinie mittendrin, sondern weitgehend ausserhalb der Siedlungskerne verlaufe.

Der Kanton setzt deshalb auf Busverbindungen, diese seien um ein Vielfaches günstiger. In den letzten Jahren hat sich das Angebot stark verbessert, sagt Kobi. «Die Erneuerung des Schulhausplatzes in Baden wird weitere Verbesserungen bringen.»

Eine Türe für eine künftige Stadtbahn lässt der Kanton aber offen. Im Richtplan steht schwarz auf weiss: «Das für den Personenverkehr stillgelegte Trassee Mellingen–Dättwil–Wettingen ist für den öV freizuhalten.» Das Vorhaben Stadtbahn könnte auch auf einen prominenten Unterstützer zählen: Stadtrat Roger Huber sagte im Wahlkampf 2013: «Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass man das alte Nationalbahn-Trassee für den öV nutzt. Das Ziel Stadtbahn muss weiterverfolgt werden.»

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