Würenlos
Fahrende machen auf seiner Wiese seit zehn Jahren Halt

Beim Würenloser Landwirt Leo Meier sind Fahrende willkommen. Das Zusammenleben sei zwar eher ein Neben- als ein Miteinander. Mit der Zahlung der Miete gebe es allerdings keine Probleme, sagt er.

Stefanie Suter
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Leo Meier (rechts): «Man kennt sich unterdessen – einige Fahrende halten schon seit Jahren auf unserem Platz.»

Leo Meier (rechts): «Man kennt sich unterdessen – einige Fahrende halten schon seit Jahren auf unserem Platz.»

Stefanie Suter

Man hört die Vögel zwitschern, wenn man auf dem Hof der Familie Meier in Würenlos aus dem Auto steigt. Nur die Lastwagen, die auf der Autobahn ein paar Meter entfernt vorbeidonnern, stören die Idylle. Gleich neben dem Hof stehen 14 Wohnwagen auf einer Wiese. «Mehr hätten nicht Platz», sagt Leo Meier, der mit seinem Bruder Albrik den Hof und den Platz für die Fahrenden betreibt. Hier dürfen die Jenischen ihre Häuser auf vier Rädern stehen lassen – nicht so wie in Bern, wo ihr Camp letzte Woche geräumt wurde.

Vor etwa zehn Jahren seien zum ersten Mal Fahrende vor seiner Tür gestanden, erzählt Meier. «Sie fragten, ob sie für 14 Tage ihre vier Wohnwagen auf unserem Land abstellen dürften.» Die Meiers hatten nichts dagegen und nach zwei Wochen reisten die Fahrenden wieder ab. Bald fuhren schon die Nächsten mit ihren Wohnwagen auf den Hofplatz – mit der gleichen Bitte. «Es hat sich innert kürzester Zeit unter den Fahrenden herumgesprochen, dass sie bei uns willkommen sind.»

Inzwischen stehen regelmässig Wohnwagen auf der Wiese «Chlosterschür». «Es hat sich einfach so ergeben», sagt Meier. «Rechtlich gesehen bewegten wir uns damit aber in einem Graubereich.» Seit letztem Jahr ist dies nicht mehr so: Die Wiese wurde im kantonalen Richtplan als offizieller Halteplatz für Schweizer Jenische deklariert. Mit Unterstützung des Kantons wird der Platz noch ausgebaut. Die Hecke ist bereits gepflanzt und bald wird ein Teil der Wiese mit Kies wetterfest gestaltet. Zudem soll es noch mehr WCs, Duschen und einen Raum für die Waschmaschine geben.

Und wie funktioniert das Zusammenleben mit den Fahrenden Tür an Tür? «Man kennt sich unterdessen – einige halten schon seit Jahren auf unserem Platz», sagt Meier und zeigt auf die grünen Fensterläden am Haus: «Vor zwei, drei Jahren strichen sie für uns die Läden, und dies in guter Qualität.»

Ansonsten sei es eher ein Nebeneinander, als ein Miteinander: «Ich glaube, die Fahrenden haben eine etwas eigensinnige Beziehung zu den Sesshaften. Sie wollen eher für sich sein, während wir als Vermieter manchmal den Chef spielen müssen.» Wenn die Miete fällig sei, gäbe es kaum Probleme, sagt Meier. «Einige zahlen von sich aus, andere müssen wir dazu auffordern.» Es sei aber auch schon vorgekommen, dass einer im Herbst auf dem Platz war, aber erst im folgenden Frühling gezahlt habe.

Im kleinen Wohnwagendorf herrscht eine gemütliche Atmosphäre: Mit Gartenstühlen und Plastikrasen hat sich jeder ein kleines Gärtchen eingerichtet. Draussen hängt eine Frau gerade ihre Wäsche auf. «Ich muss es ausnützen, wenn die Sonne scheint», sagt sie und lächelt. Die 48-jährige Sonja Waser ist Messerschleiferin und fühlt sich wohl in Würenlos: «Das Gebiet hier ist gut zu erreichen, städtisch, und dennoch nah am Wald.» Und durch die Schrebergärten, die sich in der Nähe befinden, käme man regelmässig mit der Bevölkerung in Kontakt. «Ich glaube, durch die Berichterstattung in den letzten Wochen konnten viele Vorurteile abgebaut werden.»

Es habe sich zwar schon einiges getan, dennoch gäbe es noch zu wenig Plätze für Fahrende. «Wir könnten doch die Militärkasernen nutzen. Diese Plätze stehen ja oft leer und die Infrastruktur wäre bereits vorhanden.»

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