Badenfahrt 1967
Fährt da ein «Tinguely» am Corso mit?

An der Badenfahrt 1967 drehte sich alles um das Motto «Räder machen Leute». Am Umzug fuhren dann neben Oldtimern, Rennmaschinen, Pferdekutschen, Eselskarren und Anderem auf einem, zwei, drei, vier oder noch mehr Rädern ein besonders eigentümliches Gefährt mit.

Roman Huber
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Das «Tinguely-artige» Gefährt entstand in der Bädergarage bei Dölf Müller.

Das «Tinguely-artige» Gefährt entstand in der Bädergarage bei Dölf Müller.

Biedermeier-Kostüme wie 1937 und 1947 waren an der Badenfahrt 1967 nicht mehr gefragt. Nachdem das Komitee unter Walter Bölsterli im März 1966 den definitiven Startschuss zur Badenfahrt-Planung gegeben hatte, war das unvergessliche Plakat von Armin Bruggisser bald überall zu sehen, und die Badenfahrttaler von Walter Squarise, dem Vater des späteren Festgestalters Marco Squarise, schnell im Umlauf.

Alles drehte sich um die kommende Badenfahrt unter dem Motto «Räder machen Leute». Die Räder als Abbild des Lebens und Symbol der Zeitlichkeit standen im Zentrum, abnorme Plastiken im Stil von Jean Tinguely posierten allerorten. Am Umzug selber fuhr dann neben Oldtimern, Rennmaschinen, Pferdekutschen, Eselskarren und Anderem auf einem, zwei, drei, vier oder noch mehr Rädern dieses komische Gefährt am Corso der Badenfahrt 1967 mit.

Das Gerücht, das sich schon im Vorfeld verbreitet hatte, schien Realität geworden zu sein: Der grosse «kinetische Künstler» musste hier persönlich am Werk gewesen sei. Mitnichten!

Aus den Akten des Badenfahrtkomitees von 1967 geht hervor, dass das Max Käufeler als Umzugsverantwortlicher die Idee mit sich trug, den aus der Welschschweiz stammenden, damals bereits berühmten Künstler für die Badenfahrt zu gewinnen. Er sollte mit einer ganz verrückten Maschine als Hauptattraktion den Corso und die Badenfahrt überhaupt bereichern.

Daraus wurde ein längeres Hin und Her zwischen dem Badenfahrtkomitee und Jean Tinguely. Letztlich, so ist aus verschiedenen Quellen zu entnehmen, sei der vom Künstler geforderte Preis doch über den Vorstellungen und Möglichkeiten des Komitees gelegen. Dieses hatte lediglich eine Defizitgarantie über 40 000 Franken von der Einwohner- und über 10 000 Franken von der Ortsbürgergemeinde für die zehn Festtage.

«Das können wir doch selber», sagte sich sodann die Badener Künstlerin Anneliese Dorer. Sie skizzierte ihre Ideen für ein fahrendes Werk, das demjenigen des grossen Künstlers ähnlich war und fand mit dem Garagisten Dölf Müller von der Bädergarage in Baden jemanden, der das Ganze umsetzte und strassentauglich machte. Mit Stolz wurde laut Augenzeugen das Gefährt von Dölf Müller selber pilotiert.

Die Spuren des aufsehenerregenden Vehikels verwischten dann nach der Badenfahrt bald. Über den Verbleib ist zumindest der Redaktion und alten Badenfahrern ebenfalls nichts bekannt. Vielleicht ist es auf dem Schrottplatz gelandet. Es könnte aber durchaus sein, dass es als Tinguely-Immitat irgendwo als Museumsstück ausgestellt wird. – Das Bild hat Oscar Meier an der Landstrasse in Wettingen gemacht, als farbiges Diapositiv und dann später digitalisiert.

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